Manfred Lütz las in der Kreissparkasse aus seinem Buch

Psychiatrie auf die humorvolle Art

Bestseller-Autor Dr. Manfred Lütz (links) signierte nach der Lesung seine Bücher.

Verden - (nie) · Die Kreissparkasse Verden ist mit ihrem Kooperationspartner Nordwest-Radio seit 13 Jahren mit großem Erfolg Gastgeberin von „Literatur vor Ort“. Dabei gelingt es immer wieder aufs Neue, außergewöhnliche Autoren zu verpflichten. Im Fokus der 13. Auflage stand das Buch „Irre! Wir behandeln die Falschen. Unser Problem sind die Normalen“, eine heitere Seelenkunde aus der Feder des Psychiaters, Psychotherapeuten, Chefarztes, Theologen und Bestseller-Autors Dr. Manfred Lütz.

Wenn es einen Rheinländer in den (kühlen) Norden verschlägt, dann will er etwas erzählen. Und das konnte Lütz, dessen Wortwitz ideal gepaart ist mit seinem rheinischen Dialekt. Unaufhörlich plaudernd, kaum vorlesend, nahm er das Publikum mit in die Berufswelt der Psychiatrie, der Psychosen oder Demenzkranken und natürlich in die der vermeintlich Normalen.

Auf überaus unterhaltsame Art gab er dabei einen Überblick über Diagnosen und Behandlungsmöglichkeiten und stellte ernüchternd fest: „Ich habe beruflich mit vielen psychisch Erkrankten zu tun. Das sind eigentlich sehr nette, oft hochsensible Menschen. Komme ich dann nach Hause und schalte den Fernseher ein, dann sehe ich Terroristen, Gewalttäter, Wirtschaftskriminelle und so weiter. Da habe ich mich folgendes gefragt: Wer sind die wahren Psychopaten?“

Lütz unterstrich, dass die Leute über Psychiatrie und Psychotherapie viel zu wenig wüssten. Mit seinem Buch wolle er daher primär aufklären, auf humorvolle Art. „Sonst hätte der Kopierer gereicht.“ Lütz forderte, dass die Gesellschaft mit den mental Erkrankten normal umgehen solle und er warnte vor einer „Diktatur der Normalität“. „Wir alle haben ein Anrecht auf unsere Macken und Eigenheiten“, meinte er. Und zurück zum Buch: „Ich hatte den Eindruck, dass es so etwas noch nicht gibt, wo man auf 185 Seiten die komplette Psychiatrie und Psychotherapie mit ihren Diagnosen und Therapien ein bisschen lustig lesen kann.“

So wurde auch an diesem Abend viel und herzlich gelacht. Besonders, als Lütz eine Patientin beschrieb, die so manisch gewesen sei, dass sie sogar im Rheinland stationär behandelt worden sei. „Wir haben sie natürlich gut behandelt, es ging ihr besser. Dann wollte sie Ausgang in den Krankenhausbereich, der wurde ihr gewährt. Doch dann kam ein Anruf aus der Bundeswehrkaserne, dass der wachhabende Offizier mit den Nerven völlig am Ende sei, da eine entlaufene Patientin von uns auf dem Tisch des Wachhabenden tanze. Ich sollte Wärter schicken, damit sie in die Anstalt – damit meinte der uns – zurückgebracht wird. Das hat dann eine besonders zarte Schwesternschülerin gemacht.“

Dazu müsse man sich mal vorstellen: Hunderte bis an die Zähne bewaffnete Männer und eine unbewaffnete Patientin: „Seitdem glaube ich nicht mehr an die Verteidigungsfähigkeit der Bundesrepublik“, so Lütz.

Bei derlei Beispielen ließ der Mediziner Wortwitz aufblitzen. Aber es gab auch die Episoden, mit denen er das Publikum nachdenklich stimmte und mit denen er aufzeigte, dass die Grenzen zwischen Krankheit und Gesundheit fließend sind. Auch im nachfolgenden Gespräch mit Hans-Heinrich Obuch vom Nordwest-Radio wies Lütz vor den vielen Zuhörern mehrfach darauf hin, auf welch schmalem Grat sich jeder Mensch bewege und wie undefinierbar der Begriff „normal“ in Wirklichkeit sei.

Anderssein begreife er als Bereicherung einer vielfältigen, lebendigen Gesellschaft, die nicht verhärten dürfe, indem sie auf rigide Weise Minderheiten ausschließe.

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