Im Prozess wegen einer Massenschlägerei kommt es zu Tätlichkeiten

Prügel im Gerichtssaal

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Nach den Tumulten im Gerichtssaal wurde die Polizeipräsenz erhöht.

Verden - Zu einer Körperverletzung ist es gestern im Gerichtssaal bei dem Prozess um eine Massenschlägerei in Verden gekommen. Beim Verlassen des Saales verpasste einer der Nebenkläger einem Angeklagten einen Faustschlag. Es kam zu tumultartigen Szenen, Verteidiger gingen dazwischen und die Polizei rückte mit Blaulicht und Hundeführer an.

Der zweite Verhandlungstag hatte gerade erst begonnen. Der Vorsitzende Richter, Dr. Till Pawelek, hatte angeregt, dass die Nebenkläger auf ihr Anwesenheitsrecht verzichten und den Saal verlassen. Sie sollten nicht dabei sein, wenn die anderen Geschädigten aussagen. Beim Rausgehen eskalierte es.

Die Saaltür befindet sich direkt neben der mit fünf Angeklagten und ihren fünf Verteidigern voll besetzten Anklagebank. Plötzlich gab es ein lautes Geschrei: Es war zum Schlag gekommen. Die anderen vier Angeklagten sprangen brüllend auf, und die Verteidiger Michael Brennecke und Kay Müffelmann gingen sofort dazwischen. Schließlich gelang es, die Familien zu trennen, die schon im Dezember 2013 in der Verdener Innenstadt aneinander geraten waren.

Verteidiger Torben Müller sagte, dass er gesehen habe, wie einer der Nebenkläger dem außen sitzenden Angeklagten einen Faustschlag ins Gesicht verpasst habe. Oberstaatsanwalt Frank Lange hatte ebenfalls einen Schlag beobachtet, konnte aber nicht eindeutig sagen, ob der 37-jährige Angeklagte aus Bremen getroffen wurde und welcher Nebenkläger zugeschlagen hat.

Die Sitzung wurde unterbrochen und die Polizei alarmiert. Nach einer längeren Pause bat der Vorsitzende die Anwälte und Oberstaatsanwalt Lange zu einem Gespräch ins Richterzimmer. Als nach mehr als einer Stunde die Sitzung fortgesetzt werden konnte, waren statt der anfangs zwei dann sieben Wachtmeister im Saal.

Oberstaatsanwalt Lange beantragte die Aussetzung des Verfahrens und Abgabe ans Landgericht, in dessen Räumen bisher nur wegen der Vielzahl der Beteiligten – fünf Angeklagte und sieben Nebenkläger, zwölf Anwälte und zwei Dolmetscher – verhandelt wurde. Das Verfahren übersteige in seinem Umfang die Möglichkeiten des Amtsgerichts, begründete Lange seinen Antrag.

Darüber will das Gericht bis zum dritten Verhandlungstag am 19. Juni entscheiden. Entweder wird der Prozess ausgesetzt und beginnt von vorne oder endlich wird der erste Zeuge der damaligen Massenschlägerei wird gehört.

Gegen den 35 Jahre alten Nebenkläger hat Lange bereits gestern ein Stafverfahren eingeleitet. Allerdings auch gegen den 37 Jahre alten Angeklagten, der den Schlag kassiert hat. Er soll unmittelbar zuvor auf kurdisch eine Beleidigung ausgesprochen haben.

wb

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