Polizei durchsucht Bordelle

Auch der „Comtesse Club“ in Verden geriet in das Visier der Ermittler. ·

Verden - Von Wiebke Bruns und Lars Kattner VERDEN/WALSRODE · Überraschenden Besuch gab es am Dienstagabend im Verdener „Comtesse Club“.

Die Staatsanwaltschaft Verden ließ in einer groß angelegten Aktion insgesamt sieben Bordelle, darunter auch das „blaue Haus“ an der Lindhooper Straße, sowie drei Privatwohnungen, drei Geschäftsräume und zahlreiche „Lovemobile“ durchsuchen.

Außer in Verden gab es Durchsuchungen in Achim, Buxtehude, Bergen, Walsrode, Soltau und Worpswede.

Es geht um den Verdacht des Menschenhandels und der Insolvenzverschleppung. Allerdings erfolgte die Razzia durch Beamte der „EG Ein Prozent“, einer Ermittlungsgruppe des Landeskriminalamtes Niedersachsen, die sich mit Rockerkriminalität befasst. „Insgesamt waren 140 Beamte im Einsatz“, teilte das Landeskriminalamt mit. Von neun Beschuldigten habe man vor Ort acht angetroffen und vernehmen können. Zu Festnahmen sei es aber nicht gekommen.

Nähere Angaben zu den Gründen und den Zusammenhängen wollte man weder beim LKA noch bei der Staatsanwaltschaft Verden machen. Bei einem der Verdächtigen handele es sich um den Geschäftsführer einer GmbH, hieß es bei der Staatsanwaltschaft. Sichergestellt wurden zahlreiche Unterlagen, Computer, Bargeld, Edelmetall und ein Pkw. Die Asservate müssten nun ausgewertet werden.

Die Durchsuchungen seien alle sehr ruhig verlaufen, sagte LKA-Sprecher Falco Schleier. Allerdings seien die Beamten überrascht gewesen, als noch während der Maßnahme an einem Durchsuchungsobjekt in Walsrode ein Anführer der Hells Angels aus Hannover erschienen sei.

Wolfgang Heer, Betreiber der Etablissements in Verden, Achim, Walsrode und Worpswede, zeigte sich auf Nachfrage gegenüber dieser Zeitung gelassen: „Viel Lärm um nichts, das war eine normale Kontrolle. Es wurde Beweismaterial über Damen aus dem Jahr 2008 gesucht. Aber die lassen sich uns nicht zuordnen.“ Ein schlechtes Gewissen müsse er demnach nicht haben. Zudem sei der Betreiber der anderen durchsuchten Objekte kein Geschäftspartner von ihm. Und auch im Besitz der Lovemobile sei er seit vielen Jahren nicht mehr: „Die habe ich 2005 und 2006 verkauft.“

Und so wirft Heer der ermittelnden Behörde schlechte Arbeit vor. „Da wurden im Vorfeld einige Fehler gemacht. Aber die Unterlagen bekomme ich ja wieder. Das war vor zehn Jahren genauso, und da waren die Vorwürfe viel schlimmer“, gibt sich Heer optimistisch.

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