Schnarchen ist lästig – gefährlich wird es, wenn sich dahinter eine Schlafapnoe verbirgt

Plötzlich setzt der Atem aus

Offenbach-Post

Achim - VonProf. Dr. Wolfgang BerglerBREMEN n Was umgangssprachlich auch als „Sägen“ bezeichnet wird, lässt so manche Ehepartner im Laufe der Jahre ihre Schlafzimmer trennen. Dabei sind gewöhnliches Schnarchen und auch gelegentliche, kurze Atmungsaussetzer an sich nicht ungesund.

Auch schlimmste Schnarcher können über hundert Jahre alt werden. Das Alter spielt nur insofern eine Rolle, als mit zunehmendem Alter die Muskulatur auch im Bereich von Gaumensegel und Zungenwurzel erschlafft – und das Schnarchen stärker wird. Die typischen Schnarchgeräusche entstehen, wenn im entspannten Rachenbereich der Raum für die hindurchströmende Luft eng wird und die inneren Wände aneinander „schlackern.“ Neben Schnarchen als Alterserscheinung spielen auch der Alkohol-, Schlafmittel- und Beruhigungsmittelkonsum eine Rolle. Diese Substanzen sorgen dafür, dass sich der Körper entspannt und die Muskeln zusätzlich erschlaffen.

Während normales Schnarchen vor allem lästig ist, ist das so genannte Schlafapnoe-Syndrom ein echtes Gesundheitsrisiko. Apnoe ist der medizinische Begriff für Atemstillstand. Unter Schlafapnoe versteht man also Atemaussetzer bzw. -stillstände während des Schlafes. Die weitaus häufigste Form ist das so genannte obstruktive Schlaf-Apnoesyndrom (OSAS). Durch eine starke Entspannung der ringförmigen Muskulatur der oberen Atemwege kollabiert der Rachen (Obstruktion), so dass der Luftstrom zwischen Außenluft und Lunge unterbrochen wird. Da beim Zusammenfallen des Rachens Schnarchgeräusche entstehen, sind OSAS-Patienten eigentlich immer starke Schnarcher. In Deutschland sind etwa 800 000 Menschen von dieser Form der Schlafstörung betroffen – Männer mit zwei bis vier Prozent Betroffenen in der Gesamtbevölkerung doppelt so häufig wie Frauen (ein bis zwei Prozent).

Die krankhaften Atemaussetzer können von wenigen Sekunden bis zu zwei Minuten dauern. Dabei sinkt der Sauerstoffgehalt des Blutes stark ab. Der Körper wird nicht ausreichend versorgt und startet als natürlichen Schutzmechanismus eine Weckreaktion. Dadurch setzt die Atmung des Schlafenden wieder ein. Dieses Aufwachen merkt der Apnoe-Patient meist nicht. Der Körper spürt die Folgen allerdings sehr deutlich. Die natürlichen Schlafphasen werden immer wieder unterbrochen, und der Schlaf ist weniger tief. Dadurch fehlt dem Körper Erholung. Bei starken Schnarchern sind eine ausgeprägte Tagesmüdigkeit und ein nicht erholsamer Schlaf deshalb ein Indiz für eine nicht diagnostizierte Schlafapnoe.

Weil normales Schnarchen und Schlafapnoe häufig verwechselt werden, wird auch das Gesundheitsrisiko durch Schlafapnoe unterschätzt. Die Folgen der nächtlichen Atemaussetzer sind für Patienten weitreichend. Die Tagesmüdigkeit führt in vielen Fällen zu Sekundenschlaf. Unbehandelte Patienten stellen Auto fahrend für sich und die Allgemeinheit ein Risiko dar. Darüber hinaus ist ihre Leistungsfähigkeit eingeschränkt, es kann zu Depressionen und Stress-Erkrankungen kommen. Vor allem aber erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden.

Risikofaktor Nummer eins für Schlafapnoe ist Übergewicht. Zwar muss nicht jeder Übergewichtige an Schlafapnoe leiden, und auch nicht jeder Patient ist übergewichtig, aber der überwiegende Anteil der Patienten hat mehr als ein paar Kilo zu viel auf den Hüften. Wie beim Schnarchen sind auch bei Schlafapnoe Alkohol, Nikotin und Schlafmittel negativ förderlich. Daneben gibt es eine Reihe körperlicher Faktoren, die eine Schlafapnoe begünstigen, darunter vergrößerte Rachenmandeln oder die Fehlstellung des Unterkiefers.

Zur Diagnose kommt der Patient zunächst in die Sprechstunde des Facharztes, der ihn zu seiner Vorgeschichte und den Symptomen befragt. Männer werden übrigens häufig von ihren Ehefrauen zum Arzt geschickt. Nach dem Gespräch bekommt der Patient ein Gerät mit, das zu Hause, in gewohnter Schlafumgebung, wichtige Werte ermittelt. Es zeichnet u.a. die Atemströmung, Atemgeräusche, die Sauerstoffsättigung im Blut und die Herzfrequenz des Patienten auf. Der Arzt kann anhand dieser Daten genau feststellen, ob es sich tatsächlich um eine Schlafapnoe handelt. Etwa ein Drittel der Patienten kommt im Anschluss noch in ein klinisches Schlaflabor, weil weitere Untersuchungen notwendig sind.

Je nach Schwere und Ursache der Schlafapnoe gibt es verschiedene Behandlungsmethoden. Bei offensichtlichen körperlichen Faktoren kann zum Teil eine Operation helfen. Gerade bei Kindern sind oft Polypen oder vergrößerte Mandeln verantwortlich, die entfernt werden können. Bei Erwachsenen ist von Operationen aber häufig abzuraten. Hier ist eine individuelle Beratung durch einen erfahrenen Arzt sinnvoll und notwendig. Der „Goldstandard“ zur Behandlung von Schlafapnoe ist deshalb die CPAP-Therapie. Die Abkürzung steht für das englische Continous Positive Airway Pressure, zu deutsch kontinuierlicher, positiver Atemwegsdruck. Der Patient erhält eine Atemmaske, die am Kopf befestigt wird und während der Schlafzeit konstant einen leichten Überdruck in den Atemwegen erzeugt. Dadurch wird verhindert, dass der Rachen einfällt und es zu Aussetzern kommt. Nach einer Eingewöhnungsphase ist der Schlaf für Patienten deutlich erholsamer als vor der Therapie. Zwar gilt grundsätzlich, dass von einer lebenslangen Therapie auszugehen ist. Aber: Kommt die Schlafapnoe mit dem Übergewicht, so kann sie unter Umständen nach einer Gewichtsreduktion auch wieder verschwinden.

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