„Bildungsmentoren“ im Bürgerzentrum (BüZ) ziehen zum zweiten Mal Bilanz

Phuong Thao spielt den großen Bruder

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Die Teilnehmer des Projekts „Bildungsmentoren“ vor dem Bürgerzentrum an der Magdeburger Straße. ·

Achim - Von Lisa DuncanObwohl ihre vietnamesischen Eltern nicht gut Deutsch sprachen, hatte die 15-Jährige Phuong Thao Pham in der Schule kaum Probleme: „Ich konnte ja immer meinen großen Bruder fragen.“ Nun hilft sie Schülern, die diese Möglichkeit nicht haben – im „Bildungsmentoren“-Projekt des Bürgerzentrums (BüZ). Zum Ende des Schuljahres zogen die Projektinitiatoren und Mentoren zum zweiten Mal Bilanz.

Hauptaufgabe der Mentoren ist es, mit ihren Schützlingen gemeinsam Hausaufgaben zu machen. Die Mentoren, übrigens bis auf eine Ausnahme weiblichen Geschlechts, leisten aber mehr als bloße Nachhilfe. Dazu zähle etwa, den Kontakt zu den Eltern der Schüler zu halten.

Was das Projekt von ähnlichen Modellen abhebt: „Es werden nur Jugendliche als Mentoren ausgewählt, die ebenfalls einen Zuwanderungshintergrund haben“, sagt Projektleiter Dirk Ysker vom BüZ. „So lernen die Schüler, dass der Lehrstab auch Vorbildcharakter haben kann“, erklärt er. Jeder Mentor betreut in der Regel einen Schüler zurzeit. „Wir können so mehr auf die Personen eingehen – während bei Nachhilfeinstituten häufig in Gruppen unterrichtet wird“, erzählt die 16-Jährige Mentorin Julia Castner.

Die Bildungsmentoren setzen nicht erst dort an, wo andere Maßnahmen bereits versagt haben. „Wir wollen Schüler fördern, bei denen eine Chance erkennbar ist, dass sie eine positive Bildungsbiografie entwickeln“, ergänzt Dirk Ysker.

Sein Fazit nach dem zweiten Schuljahr: „Das Projekt verläuft in unseren Augen positiv.“ Die Bildungsmentoren haben sich seit der Pilotphase zahlenmäßig verdreifacht. Am Ende des laufenden Schuljahres werden 22 Schüler von 17 Mentoren unterstützt. Daneben gibt es weitere Erfolge zu vermelden: Bürgermeister Uwe Kellner hat das Projekt vor kurzem einem EU-Gremium vorgestellt. Und seit einem halben Jahr sind die Bildungsmentoren als nicht-schulische Einrichtung Partner des „Universum“ Bremen. Unterstützt wurde das Projekt von Sponsoren, darunter „Inner Wheel“, der Landkreis Verden, die Kabarettgruppe „Die Schlitzohren“, der Rotary Club Achim, das Restaurant „Bellini“ und die Stadt Achim.

Für das kommende Schuljahr kündigte Ysker Neuerungen an. Ab Oktober soll jeder Mentor seinen eigenen Raum bekommen. Das passt zum neuen Grundsatz, nur noch Eins-zu-Eins-Betreuung anzubieten. Die Mentorinnen erhalten zukünftig eine Aufwandshonorar.

Zudem sollen die Betreuungsziele besser mit den Eltern abgestimmt werden und eine Kostenbeteiligung in Höhe von 2 Euro pro Unterrichtsstunde soll erhoben werden. „Für zwei Stunden die Woche ist das nicht mal der Wert einer Schachtel Zigaretten“, betonte Ysker.

Auch nach Erzählungen der Mentoren zeitigt das Projekt Erfolge. Halid Yorgun (16), der türkischer Herkunft ist, berichtet: „Gerade hat mein Schüler in Mathe eine Zwei geschrieben, das freut mich natürlich.“ Unterstützung leiste er als Mentor auch in punkto kommunikative Fähigkeiten, etwa für Vorstellungsgespräche.

Julia Castners Schülerin fällt vor allem der Fokus aufs Lernen schwer. „Ich versuche dann zu vermitteln, dass Aufgaben auch Spaß machen können – und es Konsequenzen hat, wenn man nicht lernt“, erklärt die 16-Jährige, deren Familie aus den USA kommt.

Auch Phuong Thao sieht bei ihrer Schülerin ein Hauptproblem in der Konzentration. „Ich sage dann: Gleich machen wir fünf Minuten Pause, dann kannst du reden.“

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