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Pflanzenschutzmittel: „Nur mit gültiger EU-Zulassung“

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Zehn Männer und zwei Frauen stehen vor einem Rapsfeld, im Hintergrund eine landwirtschaftliche Maschine.
Am Ort des Geschehens: Landwirte und Imker vor dem Rapsfeld in Scharnhorst. © Landvolk

Landwirte wehren sich gegen Imker-Vorwürfe

Scharnhorst – Schnelle Reaktion. Wenige Tage nach der Mahnung des Verdener Imkervereins-Vorsitzenden Peter Steffens, bei der bevorstehenden Rapsblüte gesetzliche Regelungen beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln einzuhalten, wehren sich jetzt die Landwirte. „Für uns ist es eine Selbstverständlichkeit, nur Wirkstoffe mit einer gültigen EU-Zulassung zum landwirtschaftlichen Einsatz zu verwenden, entsprechend der Klassifizierung mit klar definierten Zeitfenstern zur Ausbringung, wie zum Beispiel nach Ende des Bienenfluges bis 23 Uhr. Die Anwendungen erfolgen nach aktueller, geltender Zulassung. Ich verweise hier auch auf eine jahrelange gute Kooperation mit vielen Verdener Imkern“, erklärt Jörn Ehlers, Vorsitzender des Landvolk-Kreisverbands Rotenburg-Verden.

Passend zu dem Thema gab es einer Landvolk-Pressemitteilung zufolge vergangenen Freitag ein gemeinsames Treffen von Landwirten, Imkern, Vertretern der Landwirtschaftskammer sowie des Landvolkreisverbandes Rotenburg-Verden in Scharnhorst in der Nähe des Flugplatzes: Auf dem blühenden Rapsfeld von Landwirt Henning Müller kamen neben dem Gastgeber und weiteren Landwirten auch Imker Heinrich Kersten, Kreislandwirt Jörn Ehlers sowie Heinrich Romundt von der Landwirtschaftskammer zusammen, um über die speziellen Anforderungen des Rapsanbaus zu sprechen.

Schonung von Nützlingen und Bienen

Raps ist eine sehr empfindliche Kulturpflanze. Sie benötigt im Vergleich zu anderen Ackerpflanzen einen hohen Pflegeaufwand. Insbesondere Schadinsekten müssen regelmäßig beobachtet und unter Umständen bekämpft werden. „Dabei wird in der Rapsblüte größter Wert auf Schonung von Nützlingen und Bienen gelegt“, betont Ehlers. „Hier gab es in den vergangenen Jahren ständige Weiterentwicklungen der Pflanzenschutzmittel und Anwendungstechnik, auch zum Wohle der Bienen.“

Weniger Bienenvergiftungen in Deutschland

Dies belegen eindrucksvoll die Statistiken der Bienenvergiftungen im Julius-Kühn-Institut. Mit lediglich acht Bienenvergiftungen durch Pflanzenschutzmittel bei insgesamt 870 000 Bienenvölkern in Deutschland wurde im vergangenen Jahr der niedrigste Wert der letzten zehn Jahre erreicht. In sechs weiteren festgestellten Fällen wurden Bienen absichtlich durch Personen vergiftet. Hier wird vom sogenannten „Frevel“ gesprochen. Insgesamt sind im Jahr 2021 exakt 72 Bienenvergiftungen gemeldet worden (bis 1975 gab es jährlich etwa 340 Meldungen) von denen sich 58 als unbegründet erwiesen.

Anschuldigungen und Vermutungen

Bei der Meldung von Bienenvergiftungen sind genaue Vorgaben einzuhalten, um den tatsächlichen Ursachen auch auf den Grund zu gehen. So ist bei Schadensfeststellung und Probenentnahme vom Imker eine neutrale, weitere Person hinzuzuziehen. Außerdem ist die Einschaltung des Fachinformationsdienstes sinnvoll. Besteht die Möglichkeit einer Vergiftung durch Pflanzenschutzmittel, so sind Proben der behandelten Feldfrüchte beizufügen. Die konsequente Einhaltung dieser Vorgehensweise ist wichtig, da ansonsten Vermutungen und Anschuldigungen, wie die von Peter Steffens, ohne endgültige Klärung im Raum stehen bleiben und eine weitere Zusammenarbeit gefährden.

„Wir benötigen den Rapsanbau in unserer Region als wertvolle Ergänzung unserer Fruchtfolgen“, sagt Kreislandwirt Ehlers. Und Imker Heinrich Kersten ergänzt: „Die Rapsblüten stellen für Insekten mit ihrem sehr hohen Nektar- und Pollenangebot eine optimale Startertracht für eine sehr gute Völkerentwicklung im Frühjahr dar. Seit Jahren gibt es eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen Imkern und Landwirtschaft sowie regelmäßigen Austausch, speziell zum aktuellen Ausbringungszeitpunkt bei Pflanzenschutzmitteln.“

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