Anwohner nach „Disco“ an Heiligabend aufgebracht / Veranstalter wehrt sich

Partyraum stört Nachtruhe am Philosophenweg

Im früheren Restaurant „Zeus“ am Achimer Philosophenweg hat der Immobilienbesitzer einen Partyraum eingerichtet. ·
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Im früheren Restaurant „Zeus“ am Achimer Philosophenweg hat der Immobilienbesitzer einen Partyraum eingerichtet. ·

Achim - Von Michael Mix. „Jetzt ist das Maß voll“, sagt Erika Janusch. „An Heiligabend war es einfach zu viel.“ Von 23 Uhr an sei im Partyraum gegenüber bis 6 Uhr früh wild gefeiert worden, beklagt die Anwohnerin des Philosophenwegs.

Remmidemmi in der „Heiligen Nacht“, schüttelt auch Ehemann Alfred Janusch den Kopf. Veranstalter Manuel Windolf bestreitet dagegen schlimme Auswüchse, und junge Menschen müssten doch in Achim eine Vergnügungsstätte haben.

Die ganze Nacht über sei von der anderen Straßenseite her Musik in erheblicher Lautstärke rüber gedröhnt, mit wummernden Bässen, berichten die Januschs. Darüber hinaus hätten Partygäste auf der Straße rumkrakrelt und in umliegende Gärten gepinkelt. Außerdem seien noch Lichteffekte von der „Disco“ ins Schlafzimmer gedrungen.

„Gegen halb Drei habe ich die Polizei gerufen“, erzählt Erika Janusch. Als der Streifenwagen um die Ecke bog, sei die Musik schlagartig leise gestellt worden. „Kaum war die Polizei weg, wurde es wieder laut.“

„Diese Bässe“ – auch Anwohnerin Marlies von Horn fühlte sich in der Nacht zum ersten Weihnachtstag um den Schlaf gebracht. Um 2 Uhr habe sie deshalb Stefan Dohrmann, den Eigentümer des seit rund vier Jahren im ehemaligen Restaurant „Zeus“ bestehenden Partyraums, angerufen und ihn gefragt, ob er hier ein neues „Capitol“ aufmachen wolle. Nach dem Polizeieinsatz, widerspricht von Horn in diesem Punkt Erika Janusch, sei es immerhin ruhiger geworden.

„Als auf der anderen Straßenseite noch eine Gaststätte betrieben wurde, war es auch oft bis 1 Uhr laut, aber danach herrschte Ruhe“, wirft Alfred Janusch ein. Bei Dohrmanns Partyraum sei das anders. Mehrmals im Monat werde dort bis 3 oder 4 Uhr in der Frühe gefeiert, und viele gingen zum Rauchen oder frische Luft schnappen nach draußen, weil es drinnen stickig sei und zumindest gemäß einer Lärmschutzauflage des Landkreises die Fenster nach 22 Uhr nicht mehr geöffnet werden dürften.

„So geht es nicht. Dieser Privatmann stiehlt sich aus der Verantwortung“, behauptet Erika Janusch. Die „ausufernden Partys“ störten die Nachtruhe und den Frieden in dem Viertel und deshalb habe sie bei der Polizei gegen Dohrmann und Windolf Anzeige erstattet.

Die Beschuldigten wehren sich gegen die Vorwürfe. Windolf habe extra Security-Kräfte engagiert, die auch auf die Einhaltung der Vorschriften achten sollten, antwortet Stefan Dohrmann auf Nachfrage. Auch könne in dem Partyraum „problemlos“ geraucht werden, eine Absauganlage sei vorhanden. Gerade zwei Veranstaltungen habe es dort im Dezember gegeben, an Silvester feierten noch mal 30 Leute in dem Lokal.

Die Security-Kräfte hätten nicht nur kontrollieren sollen, dass niemand unter 17 Jahren reinkommt, sondern auch ein Ohr auf den Geräuschpegel haben sollen, berichtet Veranstalter und Discjockey Manuel Windolf im Gespräch mit dieser Zeitung. „Nach unserem Ermessen war die Musik nicht so laut. Den Bass habe ich fast auf Null gehabt.“ Und die Beleuchtung sei nach innen gerichtet gewesen. Womöglich hätten einige der 60 bis 70 Partygäste leider in Gärten uriniert.

„Dass die Polizei gerufen wurde, empfand ich als Schikane“, betont Windolf. Auch die Anzeige gegen ihn sei „überzogen“.

Leute unter 30 hätten in Achim kaum Möglichkeiten, in größerer Runde zu feiern, bedauert der 24-jährige Eystruper, der aus Achim stammt. Mit der „Capitol-Clique“ sei er, nachdem die Oytener Discothek im Januar durch einen Brand zerstört worden war, aufs „Stubu“ in Bremen ausgewichen, doch das habe nun auch seit Oktober geschlossen. Deshalb sei er auf die Idee gekommen, in dem Raum am Philosophenweg eine eigene Party zu veranstalten. „Aber nach den jüngsten Erfahrungen werde ich das dort nie wieder machen.“

Dem Rentner-Ehepaar Janusch graut indessen vor der nahenden Silvester-Party. „Schon der Gedanke daran macht uns fertig.“

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