Wohnraumbeschaffung für Hunderte Flüchtlinge inzwischen Mammutaufgabe

„Also Ärmel hoch und ran“

+
Jürgen Buthmann-von Schwartz

Oyten / Ottersberg - Von Petra Holthusen. Eigentlich gibt’s nichts, was Reinhold Oelkers in 43 Dienstjahren in der Oytener Gemeindeverwaltung noch nicht erlebt hätte. Sollte man meinen. Falsch gedacht: „So haben wir das noch nicht gehabt“, sagt Oelkers und meint die sich täglich weiter zuspitzende Herausforderung der Flüchtlingsunterbringung. Die Anmietung und Herrichtung von Wohnraum für Asylsuchende ist inzwischen Oelkers’ tagfüllende Hauptbeschäftigung. Ähnlich geht es dem Kollegen Jürgen Buthmann-von Schwartz im Ottersberger Rathaus: „Man muss immer was in petto haben. Denn die Vorlaufzeit wird immer kürzer. Das belastet physisch wie psychisch ganz schön.“ Ottersberg hat ad hoc zur Entlastung einen Flüchtlingskoordinator eingestellt.

Um auf eigenem Gebiet mit den eigenen Kenntnissen und Kontakten eine sinnvolle Infrastruktur zu schaffen und zu steuern, kümmern sich die beiden Nordkreisgemeinden Oyten und Ottersberg als einzige Kommunen im Auftrag des Landkreises schon lange selbst um Wohnraum, Ausstattung und vielfach auch Alltagshilfen für Flüchtlinge. Das honoriert der eigentlich dafür zuständige Landkreis den beiden Gemeinden per Vertrag.

Der nicht abreißende Strom von Flüchtlingen aus Afrika und Nahost, die das Land dem Landkreis zuteilt und der Landkreis seinen Gemeinden, aufgeschlüsselt nach Einwohnerzahlen, macht die Wohnraumbeschaffung inzwischen zur Mammutaufgabe. „Wir sind jeden Tag dabei, angebotene Wohnungen und Gewerbeobjekte anzugucken“, berichtet Oelkers, „und wir bringen jeden Tag neue Leute unter.“

Zuletzt 18 Menschen in Häusern an der Achimer Straße und am Bremer Breden. Für die nächsten 30 bis 40 Ankömmlinge stehen Mietverträge laut Oelkers kurz vor dem Abschluss. „Wir kennen den Druck des Landkreises“, sagt der Oytener Verwaltungsfachmann, „und bemühen uns natürlich, unsere Quote zu erfüllen.“ Die liegt für Oyten – Stand heute – bei 326 unterzubringenden Flüchtlingen und Asylbewerbern. „176 haben wir untergebracht – 150 müssen wir noch unterbringen“, erklärt Oelkers – und fügt hinzu: „Also Ärmel hoch und ran!“

Im Flecken Ottersberg leben aktuell 160 Flüchtlinge. Weitere 100 muss die Gemeinde nach Worten von Vize-Verwaltungschef Jürgen Buthmann-von Schwartz bis Januar unterbringen, um ihre Quote zu erfüllen. „Und das ist sicher noch nicht das Ende der Fahnenstange“, mutmaßt Buthmann-von Schwartz, „aber wir bereiten uns vor.“

In allen Ortschaften sei man an privaten Mietwohnungen „dran“: „Es tut sich immer noch was auf, wir haben ein paar Objekte am Kanthaken.“ Wohnungssuche und Verhandlungen seien allerdings zeitaufwendig und zäh, zumal Vermieter immer gerne wissen wollten, wer genau denn zu ihnen käme – „aber das wissen wir ja auch nicht im Voraus“. Für Buthmann-von Schwartz ist die Situation im normalen Verwaltungsalltag nicht mehr zu händeln: „Deshalb haben wir uns personell verstärkt.“

Der Flecken Ottersberg hat die Stelle eines Flüchtlingskoordinators geschaffen, die, befristet auf zwei Jahre, ausgeschrieben wird und übergangsweise für vier Monate vom früheren EU-Gesundregionsmanager Marcel Bonse besetzt wird. Die Vollzeitstelle finanziert sich laut Buthmann-von Schwartz über die aufgestockten Zuwendungen des Landkreises an die Gemeinde für deren Flüchtlingsarbeit.

Bei der Organisation von Wohnraum und Alltagshilfen „muss man persönlichen Kontakt suchen und direkt mit den Menschen sprechen. Das geht nicht alles am Telefon“, so die Erfahrung von Buthmann-von Schwartz. Diese Gespräche vor Ort hat nun der Flüchtlingskoordinator aufgenommen, der außerdem die ehrenamtlichen Integrationslotsen unterstützt. „Die sind einfach toll!“, schwärmt Buthmann-von Schwartz. Neben Sprachencafé und anderen Aktivitäten haben die Integrationslotsen jetzt eine Fahrradwerkstatt im Ortskern geschaffen. Hier können Flüchtlinge demnächst nicht nur Räder für ihre Mobilität bekommen, sondern auch selbst bei der Instandsetzung mithelfen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Boule-Meisterschaft um den Mühlenteichpokal

Boule-Meisterschaft um den Mühlenteichpokal

Freaks and Folks, Fans and Friends - 55.000 feiern beim Deichbrand

Freaks and Folks, Fans and Friends - 55.000 feiern beim Deichbrand

"Cumhuriyet"-Prozess in Istanbul hat begonnen

"Cumhuriyet"-Prozess in Istanbul hat begonnen

Sommerpicknick in Asendorf

Sommerpicknick in Asendorf

Meistgelesene Artikel

Kanu kentert – zwei Teenager vermisst

Kanu kentert – zwei Teenager vermisst

Tolle Premiere für „Chaos in’t Bestattungshuus“

Tolle Premiere für „Chaos in’t Bestattungshuus“

36-Jähriger mit rekordverdächtigem Promillewert auf der A27

36-Jähriger mit rekordverdächtigem Promillewert auf der A27

Großeinsatz: Aber der Kanute übte nur

Großeinsatz: Aber der Kanute übte nur

Kommentare