Lueßens setzen im Erweiterungsbau das Wohngruppenkonzept für demenziell Erkrankte fort

Wo jeder sein darf, wie er ist

Margret Lueßen und ihre Tochter Joana Herbst, Geschäftsführerinnen von Lueßens Altenpension in Sagehorn, haben die im Anbau entstehenden 16 zusätzlichen Pflegeplätze für demenziell Erkrankte schon lange vergeben.
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Margret Lueßen und ihre Tochter Joana Herbst, Geschäftsführerinnen von Lueßens Altenpension in Sagehorn, haben die im Anbau entstehenden 16 zusätzlichen Pflegeplätze für demenziell Erkrankte schon lange vergeben.

Sagehorn – Es kommt vor, dass sich jemand nach einer nächtlichen Wanderung durchs Haus in das Bett eines anderen legt, der auch gerade auf Achse ist – oder der einfach ein bisschen beiseite rückt. Das ist in Ordnung. Genauso wie verkehrt herum angezogene Pullover oder in einem großflächigen Muster über den Tisch gekrümelte statt gegessene Kekse. Im Haus „Regenbogen“ wird dafür niemand gemaßregelt oder belehrt. Im Gegenteil: „Der Demenzkranke hat immer recht mit dem, was er tut und sagt.“ Das ist für Margret Lueßen und ihr Team oberste Maxime bei der stationären Betreuung und Begleitung demenziell erkrankter Menschen nach einem speziellen Wohngruppenkonzept.

Insgesamt werden in der Altenpension Lueßen in Sagehorn 49 betagte und pflegebedürftige Menschen betreut. 16 von ihnen leben im Haus „Regenbogen“ in zwei Wohngemeinschaften mit familienähnlichen Strukturen. Der Alltag ist auf die speziellen Bedürfnisse von Menschen mit Demenz zugeschnitten, die unter dem fortschreitenden Verlust ihrer geistigen Fähigkeiten und erlernten Fertigkeiten leiden und die in ihrer jeweils eigenen Welt leben. Dieser Welt sollte sich die Wohnform anpassen, und nicht umgekehrt. Das war der Leitgedanke der Familie Lueßen bei der Konzeptentwicklung für das Haus „Regenbogen“.

Margret Lueßen führt seit den 90er-Jahren die 1970/71 von ihren Eltern Erna und Hermann Lueßen gegründete Pflegeeinrichtung und hat den Familienbetrieb mit Unterstützung ihres Mannes Reinhard stetig ausgebaut. Tochter Joana Herbst studierte Gesundheits- und Pflegemanagement, ist seit Jahren Pflegedienstleiterin, inzwischen auch Mitgeschäftsführerin im elterlichen Unternehmen und wird den Familienbetrieb in naher Zukunft in dritter Generation führen – unterstützt von ihrem Bruder Hauke Herbst, dessen Berufsfeld das Betriebswirtschaftliche ist.

Das Unternehmen bleibt also in Familienhand und investierte gerade 2,5 Millionen Euro in die Zukunft – in Sanierungs- und Umbauarbeiten im Bestand und auf dem parkähnlichen Außengelände, aber vor allem in einen weiteren großen Anbau: „Am Mühlengraben“ heißt das neue Haus, das an besagtem Graben liegt, den Gesamtkomplex zum Innenhof hin abrundet und im Dezember bezugsfertig sein soll.

Auf zwei Etagen entstehen zwei weitere Wohngruppen mit insgesamt 16 Pflegeplätzen für demenziell erkrankte Menschen. Das 2009 im „Regenbogen“ begonnene und als erfolgreich bewertete „Wohnküchenkonzept“ setzt sich im Haus „Mühlengraben“ fort: „Ein lichtdurchfluteter, gemütlich eingerichteter Wohnraum mit großer Küchenzeile ist das Zentrum allen Wirkens und Handelns“, so Margret Lueßen. Hier sitzen, werkeln, kochen, essen und beschäftigen sich jeweils acht Bewohnerinnen und Bewohner zusammen. Als Rückzugsort dient das jeweils eigene Zimmer, für das Ausleben des symptomatischen Bewegungsdrangs ist der Flur als nicht endender Rundweg angelegt.

„Die Mitarbeiter sind ständig bei den Bewohnern und beziehen sie in den Alltag mit ein“, erzählt Margret Lueßen. „Sie backen jeden Tag zusammen Kuchen, legen Wäsche, schnippeln Obst, pflegen das Hochbeet ... Sie leben zusammen wie in einer Familie, haben einen kurzweiligen Alltag, fühlen sich gebraucht und wertgeschätzt.“

Drei Pflegekräfte seien immer für die 16 Bewohner da – „und sie lassen sie so, wie sie sind“. Jeder Einzelne dürfe hier sein, wie er ist, dürfe seine Individualität ausleben, „um sich wohl zu fühlen und dabei in Sicherheit und Geborgenheit leben zu können“. Das verlange den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern oft einiges an Geduld und Verständnis ab, aber „die Bewohner sind entspannt, zufrieden und gelassen“. Und das sei oberstes Ziel.

Dass in den Wohngruppen der Demenzkranken allein ihre Vorstellungen gültig sind, weil es schließlich auch ihr Zuhause ist, regelt übrigens die eigens erlassene „Haus-Un-Ordnung“.

Die 16 neuen Zimmer für demenziell Erkrankte waren binnen fünf Wochen vergeben, sagt Margret Lueßen. Der Bedarf an Pflegeplätzen sei groß, die Warteliste lang, und fast täglich gebe es neue Anfragen. Mit der Erweiterung ihrer Pflegeeinrichtung schaffen Lueßens ab Dezember auch weitere Arbeitsplätze in den Bereichen Pflege, soziale Betreuung und Hauswirtschaft. Die Suche nach Personal läuft – mit dem Finden habe sie aber noch nie Probleme gehabt, meint Margret Lueßen. Ihre Beschäftigten wüssten das familiäre Klima, die Arbeitsbedingungen und den Anspruch ihres Hauses an das eigene Pflegekonzept zu schätzen – und nicht zu vergessen die hauseigene kleine Kindertagesstätte.

Von Petra Holthusen

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