Anlagen-Hersteller Senvion insolvent

Baustelle der Energiekontor AG am Bultensee ruht

Still ruht die Baustelle hinter der Straße am Behlingsee. Zwar ist die Zuwegung geschottert und die Grube fürs Fundament ausgehoben – der Aufbau des geplanten 176 Meter hohen Windrads am Bultensee lässt jedoch auf sich warten. Als Grund nennt der Bremer Investor und Bauherr Energiekontor die Insolvenz von Anlagen-Hersteller Senvion, der zurzeit nicht liefern kann. Foto: Holthusen
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Still ruht die Baustelle hinter der Straße am Behlingsee. Zwar ist die Zuwegung geschottert und die Grube fürs Fundament ausgehoben – der Aufbau des geplanten 176 Meter hohen Windrads am Bultensee lässt jedoch auf sich warten. Als Grund nennt der Bremer Investor und Bauherr Energiekontor die Insolvenz von Anlagen-Hersteller Senvion, der zurzeit nicht liefern kann.

Durch den Schotter der Baustellenzufahrt wächst schon wieder das Grün – mehr tut sich nicht auf der Wiese zwischen Bremer Bultensee und Oytener Behlingsee, wo in diesen Tagen die viel kritisierte Windkraftanlage der Bremer Energiekontor AG hätte montiert werden sollen

Oyten - Von Petra Holthusen. . Ende des Monats, so der ursprüngliche Plan des Investors, sollte die 3,4-Megawatt-Anlage ans Netz gehen. Daraus wird nichts, der Bau lässt auf sich warten. Grund der Verzögerung auf unbestimmte Zeit ist die Insolvenz des Windrad-Herstellers Senvion aus Schleswig-Holstein, der seinen vertraglichen Liefer- und Leistungsverpflichtungen gegenüber der Energiekontor „im Moment nicht nachkommen kann“, wie Torben Möller, Vorstandsmitglied des betroffenen Bremer Unternehmens, auf Nachfrage erklärt.

Planung seit drei Jahren

Die Energiekontor AG plant, baut, betreibt und vermarktet deutschlandweit sowie im europäischen Ausland und in den USA Wind- und Solarparks. Nahe des Bultensees auf Bremer Seite an der Grenze zu Oyten projektiert und finanziert das Unternehmen eine einzelne Windenergieanlage mit 176 Metern Höhe. Die Planung für das umstrittene, weil im Überschwemmungs- und Landschaftsschutzgebiet angesiedelte Vorhaben läuft seit über drei Jahren. Genauso lange läuft auch der Widerstand: Die Bürgerinitiative „Keine Windräder am Bultensee“ kämpfte, unterstützt von Politik und Behörden auf niedersächsischer Seite, mit viel Einsatz und Ausdauer gegen das Bremer Bauvorhaben – allerdings erfolglos.

„Eine überraschende Situation“

Jetzt bremst die Insolvenz des Windrad-Herstellers die Sache fürs Erste aus. Für den Bauherrn „eine überraschende Situation“, so Torben Möller. Als sich im April Probleme bei Lieferant Senvion andeuteten, stoppte der Energiekontor-Vorstand erstmal den Fundamentbau für das Windrad am Bultensee. Die Grube war schon ausgehoben, aber das Fundament ist an den Anlagentyp gekoppelt – und ob der noch von Senvion kommt, weiß Möller bis heute nicht. Angeblich buhlen große Konzerne um die Übernahme des Windrad-Herstellers, Klarheit soll es aber erst nach der Gläubigerversammlung im September geben. Selbst wenn Senvion dann weiter produziere, müsse mit veränderten Konditionen gerechnet und müssten die Lieferzeiten neu geklärt werden, erläutert Möller.

Bis sich ein Windrad zwischen Bremer Bultensee und Oytener Behlingsee wie geplant dreht, wird wohl noch einige Zeit ins Land ziehen. Foto: dpa

Das Interesse von Energiekontor ist nach Worten des Vorstands zwar die weitere Zusammenarbeit mit dem Schleswig-Holsteiner Werk, denn die verspricht die geringste Zeitverzögerung – vorsorglich fahnden die Bremer aber trotzdem nach Alternativen unter den Windrad-Herstellern. Bei einem Anbieterwechsel müsste jedoch das ganze Planverfahren neu aufgerollt werden: Die vom Bremer Gewerbeaufsichtsamt erteilte Bau- und Betriebsgenehmigung für das Windrad am Bultensee gilt laut Möller nur für das beantragte Senvion-Modell – nicht für eine Alternative, auch wenn sie baugleich wäre. Dazu kämen bei der Beauftragung eines anderen Herstellers Lieferzeiten von neun bis zwölf Monaten.

Baubeginn steht noch in den Sternen

Da die Energiekontor AG bis heute schon „eine Summe im mittleren sechsstelligen Bereich“ in Planung und Vorbereitung des Windrads gesteckt hat, kommt die zeitliche Verzögerung bei Bau und Inbetriebnahme natürlich ungelegen. Von einem Verlustgeschäft will Möller aber noch nicht sprechen. „Ein Verlust wäre, wenn dieser Standort nach all den Investitionen nicht zu halten wäre. Aber soweit ist es gottseidank noch lange nicht“, sagt der Unternehmensvorstand. Allerdings sieht Möller auch, dass in diesem Projekt, das in seiner Vorgeschichte sehr in der Öffentlichkeit gestanden habe, „anscheinend irgendwie der Wurm drin ist...“ Der Baubeginn steht jedenfalls noch in den Sternen.

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