Infoveranstaltung am 6. Februar

Trotz Protest am Bultensee: „Nicht gelungen, Windrad zu verhindern“

Den Kampf gegen Windmühlenflügel hat die Bürgerinitiative vom Bulten- und Behlingsee verloren. Der Baubeginn des Bremer Mega-Windrads an der Grenze zu Oyten steht kurz bevor. Am Mittwoch informiert die Energiekontor AG als Bauherr im „Alten Krug“ in Oyten über den geplanten Bauablauf. Foto: dpa
+
Den Kampf gegen Windmühlenflügel hat die Bürgerinitiative vom Bulten- und Behlingsee verloren. Der Baubeginn des Bremer Mega-Windrads an der Grenze zu Oyten steht kurz bevor. Am Mittwoch informiert die Energiekontor AG als Bauherr im „Alten Krug“ in Oyten über den geplanten Bauablauf.

Oyten - Von Petra Holthusen. Wie viele Protestschreiben und Petitionen die Bürgerinitiative (BI) „Keine Windräder am Bultensee“ in knapp drei Jahren bei Behörden und politischen Gremien in Bremen, Hannover und Brüssel bis hin zur EU eingereicht hat, lässt sich kaum zählen.

Alles vergebens, der Kampf gegen Windmühlenflügel ist verloren: „Es ist uns nicht gelungen, das Windrad zu verhindern“, resümiert der Oytener BI-Sprecher Werner Martin. Der Baubeginn der 176 Meter hohen Windenergieanlage im Überschwemmungs- und Landschaftsschutzgebiet auf Bremer Seite an der Grenze zu Oyten in der Nähe des Behlingsees steht kurz bevor.

Auch die Gemeinde Oyten und der Landkreis Verden hatten in Bremen gegen das Projekt interveniert, aber ebenso erfolglos wie die Anwohner vom Bremer Bultensee und Oytener Behlingsee.

Bauherr der 3,4-Megawatt-Einzelanlage Bultensee ist die Bremer Energiekontor AG mit einer für den „Energiepark Bultensee“ gegründeten Gesellschaft. Das Gewerbeaufsichtsamt Bremen hatte in einem Verfahren nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz den Bau der von den niedersächsischen Nachbarn abgelehnten Windkraftanlage im vorigen Jahr genehmigt.

Bau kann nun beginnen

Nachdem die Finanzierung stehe, könne der Bau nun beginnen, kündigt die Energiekontor AG an. Zu einer Informationsveranstaltung laden die Projektkoordinatoren die Anwohner und weitere Interessierte für Mittwoch, 6. Februar, um 17 Uhr in den „Alten Krug“ ein. In dem Rahmen wollen die Verantwortlichen der Energiekontor AG den Bauablauf der Anlage am Bultensee vorstellen und für Fragen zur Verfügung stehen.

1990 in Bremerhaven gegründet, zählt das Unternehmen Energiekontor nach eigenen Angaben zu den Pionieren der Windenergie-Branche und „ist heute einer der führenden deutschen Projektentwickler“ in Sachen Planung, Bau und Betriebsführung von Windparks.

Das Vertrauen der Oyten/Bremer Bürgerinitiative in die Energiekontor AG ist nachhaltig gestört, seit diese vor rund einem Jahr in die Zufahrten zum - inzwischen an eine luxemburgische Investmentgesellschaft veräußerten - Windpark Hemelingen statt Stahlwerksschlacke zu einem großen Teil hochgradig mit krebserregenden Stoffen belastete Hochofenschlacke hatte einbauen lassen. Auf Betreiben der BI um Werner Martin hatte das Bremer Umweltressort den Rückbau der Zufahrtswege und die Entfernung der giftigen Schlacke angeordnet. Die Genehmigung des Windrads Bultensee aber hatten die Behörden deshalb nicht widerrufen. Das hatte die Bürgerinitiative gefordert, weil die Energiekontor AG auch hier für die Zuwegungen den Einbau von Stahlwerksschlacke beantragt und genehmigt bekommen hatte - obwohl, so Werner Martin, „diese wegen der Schadstoffkonzentrationen nicht unbedenkliche Schlacke nicht in Überschwemmungsgebieten verbaut werden darf“.

Oytener Straße die einzige Zufahrt

Apropos Zuwegung: Lange hatte die Gemeinde Oyten der Energiekontor AG die für die Anlieferung der Windrad-Bauteile beantragte Schwerlastverkehr-Sondernutzungserlaubnis auf der Straße „Zum Behlingsee“ versagt. Die Oytener Straße stellt die einzige Zufahrtsmöglichkeit zum Standort des Bremer Windrads Bultensee dar. Unter fachanwaltlicher Mitwirkung wurde jedoch klar, dass Oyten die Straßennutzung aufgrund geltender Rechtsvorschriften nicht verweigern kann - wohl aber strikt reglementieren. Die Gemeinde hat dazu mit Energiekontor einen Sondernutzungsvertrag geschlossen, wie Vize-Verwaltungschef Axel Junge auf Nachfrage erklärt. Darin sei im Detail geregelt, was der Anlagenbauer dürfe - zum Beispiel für die Durchfahrt der Schwertransporte vorübergehend eine Leitplanke und eine Straßenlaterne abbauen - und was nicht: „Es dürfen keine Bäume abgesägt werden.“ Das hatten die ersten Pläne des Unternehmens für die Einmündung vom Oyterdamm zum Behlingsee vorgesehen, damit die von der Autobahn kommenden Schwertransporter hier die Kurve kriegen. Nun muss es ohne Abholzen gehen.

Für beim Transport verursachte Schäden an Gemeindeeigentum muss der Windkraftanlagenbauer aufkommen, dafür wird nach Junges Worten eine Kaution hinterlegt. Das Beweissicherungsverfahren zur Dokumentation des Zustandes der Straße „Zum Behlingsee“ und des Umfeldes vor der Sondernutzung durch den Schwerlastverkehr laufe jetzt an.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Prächtige Hortensien? Mit diesen Tricks klappt es bestimmt

Prächtige Hortensien? Mit diesen Tricks klappt es bestimmt

Spanien: Wo Formentera sogar Mallorca schlägt - und wo nicht

Spanien: Wo Formentera sogar Mallorca schlägt - und wo nicht

Brütende Hitze in Deutschland - Zum Wochenstart Abkühlung

Brütende Hitze in Deutschland - Zum Wochenstart Abkühlung

Brandschutzprüfung: Polizei bricht in „Rigaer 94“ Türen auf

Brandschutzprüfung: Polizei bricht in „Rigaer 94“ Türen auf

Meistgelesene Artikel

Verdens Innenstadt: „Wohnzimmer“ im Wandel

Verdens Innenstadt: „Wohnzimmer“ im Wandel

Verdens Innenstadt: „Wohnzimmer“ im Wandel
Neue Gefahr mit Delta-Variante

Neue Gefahr mit Delta-Variante

Neue Gefahr mit Delta-Variante
 Zwei Zebrastreifen als beliebtes Provisorium

Zwei Zebrastreifen als beliebtes Provisorium

Zwei Zebrastreifen als beliebtes Provisorium
Lebenshilfe-Karussell kommt in Schwung

Lebenshilfe-Karussell kommt in Schwung

Lebenshilfe-Karussell kommt in Schwung

Kommentare