In Sachen ÖPNV von Weyher Einwohnerticket lernen

Oytener SPD: „Wie kriegen wir Leute in Bus und Bahn?“

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Weyhes Bürgermeister Andreas Bovenschulte (li.) referierte auf Einladung von Kandidat Heiko Oetjen bei der Oytener SPD über das Einwohnerticket.

Oyten – Wer in der Gemeinde Weyhe wohnt, kann 15 Prozent günstiger mit Bus und Bahn in Bremen und dem niedersächsischen Umland fahren. Diesen Rabatt aufs Jahresticket, der rund 160 Euro im Jahr spart, spendiert – nach dem Vorbild des Jobtickets großer Arbeitgeber – die Gemeinde ihren Bürgern.

Einwohnerticket“ heißt das Weyher Modellprojekt im Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen (VBN), das sich nach Worten von Bürgermeister Andreas Bovenschulte gut anlässt und das einen finanziellen Anreiz bieten soll zum Umstieg vom Auto auf Bus und Bahn. „Ein kleiner, aber feiner Beitrag zur Stärkung des ÖPNV“, findet Bovenschulte. Interessierte Nachahmer könnte sein Pilotprojekt in Oyten finden.

Auf Einladung von SPD-Bürgermeisterkandidat Heiko Oetjen sprach Parteikollege Bovenschulte, der seinerseits als kommender Bremer Bürgermeister gehandelt wird, am Dienstagabend im Rahmen einer öffentlichen Fraktionssitzung der Oytener Genossen im „Alten Krug“ über Ideen zum Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Knapp 20 Interessierte, fast ausnahmslos aus SPD-Ratsfraktion und Partei, fanden sich dazu ein, um Anregungen für Oyten mitzunehmen.

Das Weyher Einwohnerticket sei ein tolles Projekt, sagte Bovenschulte. Das zeige nicht nur das Feedback von Bürgern im Rathaus, sondern auch „ein solider Zuwachs an Jahrestickets von 12, 13 Prozent“ seit August auf jetzt insgesamt 581 in Weyhe: „Der Anreiz funktioniert.“ Mobilität sei ein menschliches Grundbedürfnis, insbesondere wenn man wie Weyhe und Oyten im Einzugsbereich eines Oberzentrums liege: „Pendlerzahlen und Verkehre steigen stetig.“ 

Allerdings dominiere in dieser Region der Autoverkehr, der zu immer höherer Verkehrsbelastung mit allen unerwünschten Folgen wie Staus und Schadstoffbelastung führe. Was also tun, um die Pendlerverkehre menschen- und umweltfreundlich zu gestalten? Die Antwort bietet für Bovenschulte der ÖPNV. Aber: „Wie kriegen wir mehr Leute in Busse und Bahnen?“ Ein Ansatz, der übrigens nicht gegen Autofahrer gerichtet sei, von denen längst nicht alle umsteigen könnten, sondern der die Straßen und damit die Gesamtheit der Verkehrsteilnehmer entlasten solle.

Unerlässlich für einen attraktiven ÖPNV seien hohe Taktfrequenzen, komfortable Busse und Bahnen, Sicherheit und Sauberkeit – und eben ein guter Preis: „Nicht das einzige, aber ein wichtiges Mittel ist die Tarifstruktur.“ Da gebe es viele vernünftige Ansätze beim VBN, aber ihn, so Bovenschulte, habe beschäftigt: „Was können wir als Gemeinde denn machen?“ Weyhes Antwort ist das Einwohnerticket. Die 15 Prozent aufs Jahresabo gibt's per Rückerstattung. Zur Stärkung des ÖPNV sei das ein kleiner Baustein – „aber es ist einer“. Verkehrswende ist für Bovenschulte eine „Wende in den Köpfen“. Dafür könne man als Gemeinde mit so einer Aktion werben.

Ratsvorsitzender Günter Block-Osmers meinte, für Oyten sei so ein Projekt „Augenwischerei“, wenn ab Sagehorn nur jede Stunde ein Zug fahre: „Wir müssen an die Taktung ran!“ Ratsherr Ralf Großklaus überlegte, „solch ein Ticket mit Achim und Ottersberg zusammen auf die Reihe zu kriegen“. Darüber hinaus tue Oyten ja schon viel für den ÖPNV: barrierefreie Haltestellen, Nachtschwärmerbus, Direktlinie nach Achim, Bürgerbus... – „aber wir müssen das auch in die Köpfe der Leute kriegen“.

SPD-Fraktionsvorsitzender und Bürgermeisterkandidat Heiko Oetjen plädierte dafür, als Gemeinde mit dem VBN Gespräche zu starten über ein Einwohnerticket-Modell für Oyten und außerdem „den Aufschlag zu wagen für einen kostenlosen ÖPNV für Jugendliche unter 18“. Dass zum Beispiel Oberstufenschüler ihr Busticket selbst bezahlen müssten, sei ein Unding, war sich die SPD-Runde einig.  

pee

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