Gemeinde erörtert aktuelle Pläne für Ortskern mit rund 300 Bürgern

Volle Hütte zur Mitte

Volles Haus: Die aktuellen Pläne für die neue Ortsmitte lockten geschätzt 300 Bürgerinnen und Bürger zum Infoabend der Gemeinde in die Schützenhalle.

Oyten - Von Petra Holthusen. Proppevoll war es am Donnerstagabend in der Oytener Schützenhalle, wo die Gemeinde interessierte Einwohner über den aktuellen Planungsstand zur Bebauung der sogenannten neuen Ortsmitte informierte, Fragen beantwortete, Bedenken zu Protokoll nahm und ausdrücklich zur Meinungsäußerung aufforderte. „Treiben Sie das Vorhaben mit uns zusammen konstruktiv und sachlich voran“, ermunterte Bürgermeisterin Sandra Röse die geschätzt rund 300 Bürgerinnen und Bürger, die sich aus erster Hand informieren und mitdiskutieren wollten.

Darunter viele, die sich mit dem Umzug des Lidl-Markts vom Wehlacker in die Ortsmitte nicht anfreunden können; die um die Verkehrssicherheit auf der Jahnstraße fürchten, vor allem für Schulkinder; die sich mehr Grün und schnuckeliges Flair erhofft hatten; die noch mehr Staus auf der Hauptstraße kommen sehen oder die von ihrem Wohnblock im angrenzenden Neubaugebiet nicht auf neue Wohnblöcke gucken wollen. Aber auch die, die das Konzept gut finden: „Meiner Familie und mir gefällt der Entwurf sehr gut“, sagte ein Anwohner aus der Nachbarschaft. Ein anderer freute sich schon auf einen Wochenmarkt auf dem Areal. Viel Applaus erhielten alle Redner; daran gemessen, hielten sich Kritiker und Befürworter im Saal die Waage.

Nach Ausbau des Verkehrsknotenpunkts Hauptstraße/Stader Straße/neue Mitte im Frühjahr soll im Spätsommer 2020 die Bebauung des freien Geländes zwischen Haupt- und Jahnstraße starten: mit sechs Mehrfamilienhäusern, einem Geschäfts-/Dienstleistungshaus samt Gastronomie, Lidl-Markt plus Parkplätzen, einem aus Oberflächenwasser gespeisten See und einer parkähnlichen Anlage als grünem Entree (wir berichteten). Die Planung stößt auf Kritik in Teilen von Einwohnerschaft und Politik.

Dass sie bei der Gestaltung von Planungsdetails auf Dialog statt Konfrontation setzt, machte Bürgermeisterin Sandra Röse in der Bürgerinformationsveranstaltung mehrmals deutlich. Ihre charmante Moderation sorgte von Beginn an spürbar für Entspannung im Saal und für eine ungeahnte Leichtigkeit, die der Debatte die Schärfe nahm.

Deutlich machten die Verantwortlichen auch wiederholt, dass die aktuelle Planung nicht Investoren-Wünschen, sondern den Zielen entspreche, die vor über zehn Jahren in Bürgerworkshops und einem Architektenwettbewerb für das städtebauliche Sanierungsgebiet Ortskern herausgearbeitet worden seien: verdichtete Wohnraumschaffung im Zentrum nahe Kita, Schule, ZOB und Einkaufsmöglichkeiten; Ansiedlung eines weiteren Supermarkts; Schaffung eines zentralen Parkplatzes sowie öffentlicher Flächen mit Aufenthaltsqualität. Das alles soll den Ortskern beleben und damit den Einzelhandel an der Hauptstraße stärken. Einzig die damals gewünschten netten kleinen Läden wird die neue Mitte nicht bieten: Die Ansiedlung von kleinteiligem Facheinzelhandel lässt sich angesichts der Überlebenschancen nach Auffassung der Planer nicht verwirklichen.

Was in der neuen Mitte wie genau gebaut werden darf, regelt die Bauleitplanung als Rechtsgrundlage allen Handelns. Die Grundzüge stellte der beauftragte Fachplaner Thomas Aufleger vor. Nach seinen Worten legt der im Verfahren befindliche Bebauungsplan auch den Erhalt von Bäumen fest, dazu Immissionsschutzmaßnahmen, Dach- und Fassadengestaltungen sowie – und dafür gab's Szenenapplaus – das Verbot von mannshohen blickdichten Zäunen und von Kies- und Schottervorgärten.

Die sechs neuen Mehrfamilienhäuser mit 64 Wohneinheiten sollen über die Jahnstraße angefahren werden. Dafür hat Gutachter Thomas Müller von einem hannoverschen Verkehrsplanungsbüro eine Mehrbelastung der Jahnstraße von 150 Fahrzeugen pro Tag und Fahrtrichtung ermittelt. Damit werde die Belastungsgrenze der Straße, auf der werktags 700 bis 800 Fahrzeuge pro Tag gezählt wurden, „noch lange nicht erreicht“, so Müller. Alternativ könnte einer der Wohnblocks auch über das Neubaugebiet Alter Sportplatz erschlossen werden.

Anwohner der Jahnstraße forderten von der Gemeinde weitergehende verkehrsberuhigende Maßnahmen wie bauliche Einschränkungen und Ausschluss des Durchgangsverkehrs – „weil sich an das vorgeschriebene Tempo 30 ja keiner hält“, hieß es aus dem Publikum.

Alle vorgestellten Planentwürfe können auf der Homepage der Gemeinde unter www.oyten.de eingesehen werden. „Und falls Ihnen morgen noch was Tolles dazu einfällt, schreiben Sie uns“, lud die Bürgermeisterin zum weiteren Austausch ein.

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