IGS-Sechstklässler sprechen in Videokonferenz mit Filmemacherin Mo Asumang über Rassismus

Virtueller Schulbesuch

Filmemacherin und Bestsellerautorin Mo Asumang sprach über ihren Dokumentarfilm „Die Arier“ zum Thema Rassismus und Rechtsextremismus in einer Videokonferenz mit den Sechstklässlern der IGS Oyten. 
Foto: Jana Hoffmeyer / IGS Oyten
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Filmemacherin und Bestsellerautorin Mo Asumang sprach über ihren Dokumentarfilm „Die Arier“ zum Thema Rassismus und Rechtsextremismus in einer Videokonferenz mit den Sechstklässlern der IGS Oyten. Foto: Jana Hoffmeyer / IGS Oyten

Oyten – Einen virtuellen Besuch stattete Filmemacherin und Bestsellerautorin Mo Asumang jetzt den Sechstklässlern an der Integrierten Gesamtschule (IGS) Oyten ab. Fast 80 Kinder waren bei der Videokonferenz zugeschaltet, „und es gab eine Menge zu bereden zu den Themen Rechtsextremismus, Diskriminierung, Ausgrenzung, Rassismus, Muslimfeindlichkeit, Antisemitismus und vielem mehr“, schildert Jana Hoffmeyer, Schulsozialarbeiterin an der IGS Oyten.

Der Tod des Afroamerikaners George Floyd, der im Mai in den USA durch Polizeigewalt bei einer Festnahme getötet wurde, war an den Sechstklässlern der IGS nicht spurlos vorbeigegangen. Rassismus, Rassenhass und Racial Profiling, all das beschäftigte die Kinder. „Ihre Lehrkräfte spürten, dass es hier keine einfachen Antworten geben kann und dass es nötig sein wird, sich intensiver mit diesen Themen auseinanderzusetzen“, so Hoffmeyer. Schon in ruhigen Zeiten sei das eine große Aufgabe – in Zeiten von halben Klassen in der Schule, dauerhaften Abstandsregeln und nur eingeschränkten Möglichkeiten für Veranstaltungen jedoch eine riesige Herausforderung.

„Doch mit viel Engagement und guten Ideen kam es dazu, dass der Film ,Die Arier" in den Klassen angeschaut, erklärt und besprochen wurde“, berichtet die Schulsozialarbeiterin. Im Rahmen ihrer „Schultour“ stellt die Regisseurin, Drehbuchautorin und Hauptakteurin Mo Asumang Schülerinnen und Schülern ihren Film normalerweise selbst vor, um dann im Anschluss in großer Runde mit allen darüber zu sprechen und zu diskutieren. In Corona-Zeiten kam für diesen Austausch nur eine Videokonferenz in Frage.

Zu dieser fanden sich die Kinder – entweder aus dem Klassenraum heraus oder von zu Hause aus – vorige Woche in einem virtuellen Raum mit Mo Asumang ein. Begleitet wurde die Aktion von Lehrkräften, FSJlern und Schulsozialarbeiterinnen. Zugeschaltet war auch Rudi Klemm vom Verein Wabe (Weser-Aller-Bündnis: Engagiert für Demokratie und Zivilcourage) aus Verden, der den virtuellen Besuch der Filmemacherin finanziell und organisatorisch ermöglicht hatte. Zeitweise waren 41 Geräte in der Videokonferenz eingeloggt.

In ihrem Film „Die Arier“ geht Mo Asumang der Frage nach, was hinter der Idee von sogenannten „Herrenmenschen“ steckt. Sie trifft selbsternannte „Arier“ auf Demonstrationen von Rechtsradikalen, Rassisten vom Ku Klux Klan in den USA und Neonazi-Aussteiger Chris.

Die erste Frage an Mo Asumang, so berichtet Jana Hoffmeyer, stellte Sechstklässler Hannes, der von zu Hause aus teilnahm: „Hatten Sie nicht Angst, als Sie auf eine Nazi-Demo gegangen sind? War das nicht gefährlich?“ Die Filmemacherin antwortete, dass ihr schon ein wenig mulmig gewesen sei, richtig Angst habe sie aber nicht gehabt. Zu Übergriffen sei es vor allem gegen ihren Kameramann gekommen, weswegen sie später nur noch mit Frauen gedreht habe. Mo Asumang erläuterte, dass sie selbst und vor allem ihre Haltung in den Begegnungen mit Neonazis und Rassisten ihr größter Schutzschild gewesen sei. Dabei sei es ihr vor allem darauf angekommen, etwas über den Menschen selbst zu erfahren, das habe bei den meisten erstmal zu Irritation geführt und mögliche Aggressionen abgeschwächt.

Anderthalb Stunden, so Hoffmeyer, dauerte der intensive Austausch zwischen der Filmregisseurin und den Sechstklässlern, „und die Vielzahl der Fragen hätte sicher noch weitere 30 Minuten gefüllt“. Der virtuelle Schulbesuch von Mo Asumang werde aber gewiss nicht die letzte Aktion zu diesem Thema an der IGS Oyten bleiben, die auch offiziell „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ ist.  pee

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