Gemeinde hofft auf Wohnungsbau-Investment / Historische Fassade soll erhalten bleiben

„Villa Rotstein“ steht zum Verkauf

Die „Villa Rotstein“ am künftigen Bahnhofsvorplatz in Sagehorn steht zum Verkauf. Archivfoto: Holthusen
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Die „Villa Rotstein“ am künftigen Bahnhofsvorplatz in Sagehorn steht zum Verkauf. Archivfoto: Holthusen

Sagehorn – Sie gilt als ortsbildprägend und somit erhaltenswert: die sogenannte „Villa Rotstein“ am Ende der Sagehorner Dorfstraße. Auf eigene Kosten will die Gemeinde Oyten den charmanten, aber ziemlich maroden Backsteinbau allerdings nicht sanieren. Deshalb bietet sie das historische einstige Bahngebäude, das zuletzt viele Jahre lang zur Unterbringung von obdachlosen oder geflüchteten Menschen diente, jetzt zum Verkauf an.

Gesucht wird ein Investor, der die „Villa Rotstein“ für eine Wohnnutzung oder auch mögliche geschäftliche Ideen wieder flott macht. Auf einen Mindestpreis hat sich die Gemeinde nach Worten von Bürgermeisterin Sandra Röse nicht festgelegt – der Höchstbietende soll den Zuschlag erhalten, muss seine Pläne allerdings mit den Vorstellungen der Gemeinde abstimmen.

Die „Villa Rotstein“ liegt sozusagen als optische Visitenkarte des Ortes an der Bahnsteigkante des im Bau befindlichen neuen Bahnhaltepunkts in Sagehorn und mitten auf dem geplanten schmucken Bahnhofsvorplatz. Das frühere Bahngebäude wurde vermutlich Ende des 19. Jahrhunderts an der Gleisstrecke Bremen-Hamburg errichtet – das genaue Baujahr ist der Verwaltung zufolge unbekannt.

Dass das mehrstöckige Haus in Anbetracht der Bahnlärmimmissionen überhaupt für Mietwohnungsbau zugelassen wird, hat die Gemeindeverwaltung nach eigenen Angaben per Bauvoranfrage bei der zuständigen Landkreisbehörde abgeklärt. Damit steht dem von der politischen Mehrheit in Oyten gewünschten Verkauf an einen Investor nichts mehr im Wege. Angebote lägen ihr zwar noch nicht vor, aber der „Flurfunk“ vermeldet Bürgermeisterin Röse zufolge durchaus Interessenten mit „spannenden Ideen“ für die „Villa Rotstein“.

Bis zum 26. Februar haben Kaufinteressenten die Möglichkeit, bei Wolfgang Röttjer im Rathaus ein Kaufpreisangebot im verschlossenen Umschlag zu hinterlegen. Dafür muss zwingend das Formular verwendet werden, das auf der Homepage www.oyten.de abgerufen werden kann. Hier ist auch ein Exposé zu der Immobilie nachzulesen. Besichtigungen des inzwischen leer stehenden Gebäudes bietet die Gemeinde am 1. und am 3. Februar jeweils zwischen 10 und 12 Uhr an – Anmeldungen dafür nimmt Röttjer unter Telefon 04207 / 914064 oder per E-Mail an wolfgang.roettjer@oyten.de entgegen.

Wer die „Villa Rotstein“ kauft, muss sich – unabhängig von der geplanten Nutzung – auf jeden Fall verpflichten, bei der erforderlichen Kernsanierung und dem Umbau die historische Fassade möglichst vollständig zu erhalten. Auch die Optik von Fenstern und Dach soll gewahrt bleiben. Außerdem muss sich der mögliche neue Eigentümer des zum Haus gehörenden 587 Quadratmeter großen Grundstücks den Unterlagen zufolge Gedanken über die höhentechnische Gestaltung des Gebäudeumfelds machen, denn für den künftigen Bahnhofsvorplatz ist eine höhengleiche Anbindung an den Bahnsteig geplant.

Der Bau des Bahnhofsplatzes samt der alten Villa als einem integralen Bestandteil wird frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2021 beginnen. Loslegen kann die Gemeinde damit nämlich erst, wenn die Deutsche Bahn ihre Bahnsteig-Baustelle neben der „Villa Rotstein“ aufgelöst hat. Dieser Termin steht allerdings noch in den Sternen: Nachdem die Fertigstellung des Haltepunkts zum Fahrplanwechsel im Dezember 2020 nicht umgesetzt werden konnte, hatte die Bahn wie berichtet als Eröffnungstermin für die neue Bahnstation den Sommer 2021 genannt. Jüngsten Verlautbarungen zufolge drohen dem Zeitplan aber weitere Verzögerungen. Dass sie von der Bahn dazu keine verbindlichen Auskünfte erhält, hat in der Oytener Gemeindeverwaltung bereits mehr als einmal für Ärger gesorgt.

Das Gute an der Verzögerung beim Bahnsteigbau: Die Gemeinde hat nun genug Zeit auszuloten, ob die „Villa Rotstein“ eine Zukunft hat und sich tatsächlich ein Käufer und Investor findet. Denn sollte das nicht der Fall sein, droht dem historischen Gebäude vermutlich der Abriss. Eine plötzliche Baulücke wiederum hätte erhebliche Auswirkungen auf die planerische Gestaltung des künftigen Bahnhofsvorplatzes. Dass etwaige gravierende Planänderungen am besten vor Baubeginn gezeichnet und beraten werden sollten, versteht sich von selbst.

Von Petra Holthusen

Die Bahnsteige am neuen Haltepunkt der Deutschen Bahn am Schwarzen Weg in Sagehorn haben bereits Gestalt angenommen.
Die Brückenköpfe für die barrierefreie, weil mit Fahrstühlen ausgestattete Fußgängerüberführung über die Gleise stehen bereits am Ende der künftigen Sagehorner Bahnstation.

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