Filmemacher Robert Marc Lehmann an der IGS

Wie der Verzicht auf Nutella und Plastik die Welt retten hilft

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Fesselnder Auftakt zu „You can change the world“: Umweltaktivist und Filmemacher Robert Marc Lehmann zu Gast in der IGS Oyten.

Oyten - Von Petra Holthusen. Zwei Dinge musste Robert Marc Lehmann erstmal klären: „Was zur Hölle ist Levante? Und wer zum Teufel ist Theo?“ Fix übersetzten grinsende Schüler dem coolen Typen vor der Bühne den Jargon der IGS Oyten.

Die Achtklässler des Jahrgangs Levante saßen mit den Zehntklässlern von Pangäa gerade vor seiner Nase, und TO ist der IGS-typische Themenorientierte Unterricht – in dem ein neues Projektthema startet: „Die Macht der Mitbestimmung – you can change the world“. Dass tatsächlich jeder die Welt ein Stück besser machen kann – dafür hätte die Schule zum Projektauftakt keinen besseren Botschafter finden können als Robert Marc Lehmann (35), Meeresbiologe, Forschungstaucher, Fotograf und Filmemacher. Dass der Verzicht auf Nutella und Plastik hilft, die Welt zu retten, brannte Lehmann den Jugendlichen gestern auf eindrucksvolle (Vortrags-)Weise in Hirn und Herz.

200 mucksmäuschenstille Teenager

Wer in einer Schulaula anderthalb Stunden lang die volle Aufmerksamkeit von 200 mucksmäuschenstillen Teenagern hat, der muss gut sein. Robert Marc Lehmann ist richtig gut. Seine fantastischen Fotos und Filmaufnahmen über und unter Wasser sind das eine, sein witziges Auftreten und die lockere, teils schnoddrige Ansprache das andere. Der durchtrainierte Typ, der einem Action-Film entstiegen sein könnte und dessen Leben „Abenteuer extrem“ ist, fesselt. Dass er uneitel daherkommt und redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, macht ihn nahbar und authentisch.

Alles zusammen setzt Lehmann ein, um seine Botschaft zu verankern: „Die Welt ist es wert, um sie zu kämpfen. Wir haben's versaut – aber wir können's auch wieder ändern!“

Wale retten und mit Haien schwimmen

Der Taucher und Top-Fotograf, der mit Haien schwimmt („Meine Lieblingsfische“) und gestrandete Wale rettet, ist nicht gekommen, um sich Applaus abzuholen für seine preisgekrönten Aufnahmen von den wundervollen Geschöpfen dieses Planeten. Er ist als Umweltaktivist gekommen, der die Bedrohung dieser Schöpfung aufzeigt und der mit eigenem Erleben und Empfinden berührt. Denn „manchmal ist mein Job richtig scheiße. Wenn einer deiner Lieblingsfische tot am Strand vor sich hin gammelt, weil keiner ihm geholfen hat, ist das einfach beschissen.“ 

Als Kind war der in Jena geborene und in Kiel wohnende Meeresbiologe ein „krasser Angler“. Bis ihm bewusst wurde, „dass der Fisch Todesangst hatte – und ich Spaß.“ So ähnlich war es später, als Lehmann, inzwischen Biologe und Forschungstaucher, sich auf Expeditionsschiffen tummelte, um die ganze Welt fuhr und exotische Fische für Aquarien einsammelte: „Ich hab' tonnenweise Tiere nach Deutschland geschleppt.“ Bis ihm klar wurde, dass Tiere, die in freier Natur 100 werden, in Gefangenschaft nur drei, vier Jahre überleben, und „ein Seestern kackt nach sechs Monaten ab“. Also „Schluss mit dem Quatsch“. Seitdem arbeitet Lehmann gegen die Zurschaustellung von Tieren in Gefangenschaft, in Zoos und Aquarien. Seitdem fotografiert er Tiere in freier Natur und arbeitet als Unterwasserkameramann für Filmproduktionen. Und zwischendurch auch als Unterstützer militanter Gruppen, die illegale Wildtier-Deals verhindern.

„Weil ich will, dass das aufhört“

In Kenia arbeitete Lehmann als Safari-Guide, und als er sein Lieblings-Nashorn „Uschi“ sterbend fand, nachdem Wilderer ihm für das viel Geld bringende Horn das halbe Gesicht abgesägt hatten, „hat sich meine Welt komplett verändert“. Genauso, als er in Asien verdeckt das bestalische Abschlachten von Haien filmte, deren Flossen vermarktet werden. „Ich zeige euch die Bilder“, so Lehmann, „weil ich will, dass das aufhört.“ Dazu könne jeder beitragen, der Haifischflossensuppe, Schillerlocken und Gesundheitspräparate mit Inhaltsstoffen vom Hai ablehne.

Überhaupt trägt der Verzicht auf bedrohte Fischarten nach Lehmanns eindringlichen Worten genauso zur Rettung des Planeten bei wie der Verzicht auf Plastik. Was die in alle Welt treibende Flut von nicht verrottendem Plastikmüll anrichtet, zeigen Lehmanns Fotos: qualvoll verendete Meerestiere, Vogelkolonien, die ihre Nester aus Plastikmüll bauen, an dem ihre Jungen ersticken, und zugemüllte Südseeinseln („Hier landet durch die Meeresströmungen in drei Jahren die Plastiktüte, die ihr hier heute verliert“). Mit 235 Kilo pro Person und Jahr „sind wir Deutschen die zweitgrößten Plastikmüllproduzenten der Welt – da sind nur noch die Amis dümmer“.

„Fuck, ich will nicht schuld sein...“

Lehmann zeigt auch, wie es aussieht, wenn Dschungel abgeholzt wird, um Palmenplantagen anzulegen, und dabei nicht nur Orang-Utans sterben oder heimatlos werden. Die Palmen werden angepflanzt, um Palmöl zu produzieren: „Jedes zweite Produkt, was ihr esst, ist voll mit Palmöl – zum Beispiel auch Nutella.“ Aber es geht auch ohne, hat Lehmann („früher habe ich Nutella-Gläser ausgelöffelt“) selbst ausprobiert. Denn: „Fuck, ich will nicht schuld sein, dass Orang-Utans sterben, weil ich Nutella esse.“ Lehmann geht es darum, „etwas richtiger zu machen als vorher, aus Fehlern zu lernen und es einfach besser zu machen als bisher“. Die Botschaft kommt an.

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