Verkehrsminister Lies stellt zufrieden Bassener Messergebnisse vor / BI-Kritik ignoriert

„In Wirklichkeit ist es nicht so laut...“

+
Zankapfel: die A1 in Bassen.

Bassen / Hannover - Von Petra Holthusen. Dass das Niedersächsische Verkehrsministerium schnell unterwegs wäre, lässt sich nicht gerade behaupten. Erst gestern stellten Vertreter des Ministeriums dem Wirtschafts- und Verkehrsausschuss des Landtages die Ergebnisse der Lärmmessungen an der Autobahn A1 in Bassen vor, die bereits zwischen dem 19. Mai und dem 19. Juli 2014 stattgefunden hatten.

Wie aus einer Pressemitteilung des Niedersächsischen Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr hervorgeht, wurden die Ergebnisse den Verkehrspolitikern des Landes in Hannover offenbar mit großer Zufriedenheit präsentiert. Die Bassener Bürgerinitiative (BI) „Aktiver Lärmschutz“ hingegen muss sich veräppelt vorkommen: Schon vor zwei Monaten hatten die Aktivisten, die nach langem Ringen bei Verkehrsminister Olaf Lies (SPD) die Echtmessungen durchgesetzt hatten, ihre Analyse und Bewertung der Messergebnisse vorgestellt – und das verbunden mit heftiger Kritik.

Die Messungen hatten die zuvor für die Lärmschutzplanung errechneten Emissionswerte bestätigt. Danach werden die Bassener von der sechsspurig ausgebauten A1 nicht mit Autobahnlärm jenseits der Grenzwerte traktiert – und wäre demzufolge der gebaute Lärmschutz ausreichend. Aber: „Der ganze Bericht ist Nonsens“, erklärte die Bürgerinitiative, die für eine lückenlose Lärmschutzwand kämpft, im Februar. Sie zweifelte ganz massiv an den bei den Messungen zu Grunde gelegten Winddaten und untermauerte dies mit eigenen Recherche-Ergebnissen. Danach habe es „im Zeitraum der Messungen keinen einzigen Mitwindtag nach den Kriterien der Lärmschutzrichtlinie gegeben“. Für die Siedlung ermittelte geringe Lärmwerte seien deshalb kein Wunder.

Dass sie die Messergebnisse stark anzweifelt, teilte die wutentbrannte Bürgerinitiative auch der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr mit. Die wollte die Kritik an das Verkehrsministerium weiterleiten. Ob sie dort nicht angekommen ist oder warum sie nicht zur Kenntnis genommen wurde, ist nicht bekannt. Auf jeden Fall lässt die zugesagte Stellungnahme des Verkehrsministeriums bisher auf sich warten.

Stattdessen nun gestern in Hannover große Zufriedenheit mit der Lärmanalyse des beauftragten Gutachters, die die gängigen Berechnungsmethoden der Straßenplaner bestätigt habe. „Dieses Ergebnis bedeutet Klarheit sowohl für Planer als auch für Bürgerinnen und Bürger. Anwohner können danach sogar darauf vertrauen, dass die jeweils nach den Berechnungsmethoden ermittelten Lärmwerte im Zweifel im Interesse ihrer Belange ausgelegt werden“, betonte Verkehrsminister Olaf Lies laut Pressemitteilung seines Ministeriums. Danach „ist und bleibt Lärmschutz ein wichtiges Anliegen dieser Landesregierung“. Um Vertrauen für die angewandten Berechnungsmethoden zu schaffen, sei es notwendig, reale Messungen zum Vergleich durchzuführen – wie an der A1 in Bassen.

Die vom Gutachter gemessenen Schallimmissionswerte betrugen hier nach Mitteilung des Ministeriums am Tag 46,3 dB(A) und nachts 41,5 dB(A): „Sie lagen damit deutlich unter den bundesweit gültigen Grenzwerten.“ Und was für die grundsätzliche Bewertung noch wichtiger sei: „Die gemessenen Werte lagen außerdem deutlich – im Mittel um 5,9 dB(A) – unter den zuvor berechneten Werten.“ Minister Lies dazu: „Wir haben uns in diesem Fall einmal für das zusätzliche Messverfahren entschieden, um ein für alle Mal Klarheit zu schaffen. Es hat sich gezeigt, dass das aus Kostengründen heute gängige Verfahren der Berechnung der Werte für die Bürgerinnen und Bürger sogar noch günstiger ausfällt. In Wirklichkeit ist es nicht zwingend so laut, wie es berechnet wird.“

Mehr zum Thema:

Klein-Kanada im Karwendel: Mautstraßen im Tölzer Land

Klein-Kanada im Karwendel: Mautstraßen im Tölzer Land

Mercedes-AMG GT Roadster: Sturmwarnung aus Stuttgart

Mercedes-AMG GT Roadster: Sturmwarnung aus Stuttgart

Geheimdienst-Kontrolleure: Umgang mit Gefährdern neu ordnen

Geheimdienst-Kontrolleure: Umgang mit Gefährdern neu ordnen

Tim Wiese gibt Autogrammstunde in Apotheke

Tim Wiese gibt Autogrammstunde in Apotheke

Meistgelesene Artikel

Wartehäuschenbau unter keinem guten Stern

Wartehäuschenbau unter keinem guten Stern

Mit 2,24 Promille in einen Vorgarten

Mit 2,24 Promille in einen Vorgarten

Achimer Wolfgang Mindermann singt in der Elbphilharmonie

Achimer Wolfgang Mindermann singt in der Elbphilharmonie

Luther und Störtebeker zanken über Wohltaten

Luther und Störtebeker zanken über Wohltaten

Kommentare