Unzuverlässiger Bus erschwert klimafreundlichen Schulweg

„Zu Fuß zur Schule“ zum siebten Mal an der Grundschule Bassen

Begeisterte Viertklässler zeigten beim „Schulweg-Rap“, den Ralph Spill auf der Gitarre begleitete, vollen Körpereinsatz.

Bassen - „Schon dreimal in dieser Woche habe ich mit meiner Freundin Hanna auf den Schulbus gewartet – und er kam nicht pünktlich“, schildert Lea, Viertklässlerin an der Grundschule Bassen. Zum Glück sei die Mutter der Freundin zur Stelle gewesen und habe die Mädchen zum Unterricht gefahren.

Die Erzählung zeigt, wie der kürzliche Wechsel des Busunternehmens eine klimafreundliche Aktion beeinträchtigt, die an der Grundschule Bassen bereits seit sieben Jahren in Kooperation mit der dortigen Kita läuft. Dennoch verzichteten die allermeisten Eltern während der Aktionstage „Zu Fuß zur Schule und zum Kindergarten“ vom 19. bis 22. September aufs Autofahren.

In der 4b gingen sieben Schüler zu Fuß, fünf schwangen sich auf das Fahrrad, vier nahmen den Bus und nur drei ließen sich im Auto chauffieren, ergab eine kleine Umfrage in der Klasse. Beispielsweise Estera, die fast beim Posthausener Einkaufszentrums Dodenhof wohnt, legte morgens mit ihrer Mutter viele Kilometer auf Schusters Rappen zurück.

Die wenigen Autofahrer seien größtenteils auf die Probleme mit der Buslinie zurückzuführen, meint Spill, der „Zu Fuß zur Schule“ seit vielen Jahren organisiert. So verspäteten sich die Busse, die Fahrer wechselten häufig, was dazu führe, dass die Routen der Buslinien nicht immer bekannt seien, erzählen einige Schüler.

Bundesweit laufende Aktion

In allen Klassen der Bildungseinrichtung wurde das Thema im Unterricht behandelt und auf die vom 18. bis 29. September bundesweit laufende Aktion hingewiesen. Seit Langem engagiert sich die Grundschule Bassen als sportfreundliche und klimafreundliche Schule, ein Leitbild, das mit der erneuten Teilnahme bei „Zu Fuß zur Schule“ bestärkt wird.

Jedes Jahr stellt die Bildungseinrichtung zu den Aktionstagen einen anderen Aspekt in den Mittelpunkt. Zuvor waren etwa – die oft weitaus beschwerlicheren – Schulwege in anderen Ländern thematisiert worden. In diesem Jahr ging es darum, die Erwachsenen auf für Kinder gefährdendes Verhalten hinzuweisen.

Dazu verteilten jeweils vier Kinder morgens Flyer mit griffigen Slogans und Abbildungen: Einer zeigte mit der Bemerkung „gespenstisch geparkt“ einen Geist, ein anderer appellierte mit „Superman“ an das Retterpotenzial rücksichtsvoller Autofahrer. Am Mittwoch erhielten die Heranwachsenden „Verstärkung“ von der Polizei. Das rüttelte die meisten Eltern wach – wenn auch nicht alle. „Ein besonderes Problem: Die Busse können nicht parken, weil Eltern den Platz mit ihren Fahrzeugen blockieren“, erzählt Spill. Dabei befinde sich wenige hundert Meter weiter ein Pkw-Parkplatz.

Kein Führerschein und 10 Euro Bußgeld

Ein Elternpaar habe seine Tochter zur Schule bringen wollen und dafür den Bereich beansprucht, in dem die Schulbusse morgens halten müssen. „Ich parke immer hier“, habe der Mann der Polizei gegenüber getönt, erzählt eine Schülerin, und dann habe er nicht mal einen Führerschein dabei gehabt. Mit 10 Euro Bußgeld bekam er die Quittung für sein Verhalten. „Freundlichkeit zieht irgendwann nicht mehr“, sagt Spill, der die teilweise unverschämten Reaktionen einiger Verkehrsteilnehmer ungern wiedergeben will.

Am gestrigen Freitag sei kein Vergehen mehr beobachtet worden. „Durch die Aktion und gezielte Elterninformation ist es viel besser geworden“, freut sich Ralph Spill. Der Klassenlehrer, der in Achim wohnt, möchte mit gutem Beispiel vorangehen – und nutzt daher, so oft es geht, das Fahrrad als Verkehrsmittel. Abgesehen vom Fitness-Aspekt erlebe man besondere Momente: „Heute morgen sah ich einen Bussard auf einem Feld landen. Das wäre mir bestimmt entgangen, wenn ich mit dem Auto gefahren wäre.“ - ldu

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