Viele Unterstützer sichern das Überleben der Zirkusfamilie Trumpf

„Wenn diese Leute nicht wären, gäb’s uns nicht mehr“

Katja und Ronny Trumpf
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Mit ihren Ziegen und Ponys, die sich hier gerade über ein Extra-Leckerli freuen, trainieren Katja und Ronny Trumpf täglich für die erhofften Auftritte des Zirkus Minimax im kommenden Frühjahr.

Bassen – Vienna (7) wünscht sich einen Trapezring zu Weihnachten. Die jüngste Artistin der Zirkusfamilie Trumpf will eine neue akrobatische Nummer einüben – in der Hoffnung, sie ab dem kommenden Frühjahr vor Publikum zeigen zu können, wenn der kleine Zirkus ihrer Familie endlich wieder auf Gastspielreise gehen kann. Seit Beginn der Corona-Pandemie im März 2020 sitzen Ronny und Katja Trumpf mit ihren fünf Kindern in Bassen fest.

Ihre Wohnwagen, die ihr Zuhause sind, das kleine Zelt zum Üben in der Manege und die Einfriedungen für Ziegen, Ponys, Hühner und Hunde haben sie hinter dem Sportplatzgelände am Ende des Tulpenwegs aufgebaut.

Das tägliche Überleben sicherten kleine Auftritte an Altenheimen, Kitas oder bei privaten Gartenfesten und zuletzt der Verkauf von selbst gebauten LED-Ballons auf dem Weihnachtsmarkt in Hamburg-Harburg – vor allem aber die Hilfe und Unterstützung, die die Familie in den vergangenen fast zwei Jahren von Menschen aus Oyten und Umgebung erfahren hat. „Wenn diese Leute nicht gewesen wären, die uns hier über den Berg geholfen haben, gäbe es uns nicht mehr“, sagt Ronny Trumpf (40) dankbar. Ohne die Lebensmittel-, Gasflaschen- und Tierfutterspenden von großherzigen Menschen aus der Region hätte die Familie ihren Zirkus längst abstoßen müssen und säße „irgendwo mit Hartz IV in einer Sozialwohung“, ist sich Trumpf sicher.

Zu den Unterstützern gehören Engagierte der katholischen Kirchengemeinde in Achim samt Förderverein und Kita. Sie haben mit finanziellem Einsatz und persönlichen Kontakten zu Werkstätten in Oyten dafür gesorgt, dass inzwischen alle neun Anhängerfahrzeuge des Familienzirkus’ mit neuen Reifen und Planen ausgestattet sind. „Sonst wären wir damit nicht mehr durch den TÜV gekommen und könnten im Frühjahr nicht losfahren“, erzählt Trumpf voller Dankbarkeit. Lebensmittel und Tierfutter seien immer knapp, „aber die größte Angst hatte ich vor dem TÜV“. Ein Oldtimer-Tüftler aus der Nachbarschaft in Bassen hat Trumpf tatkräftig geholfen, die Zugfahrzeuge wieder fit zu machen, rostige Stellen zu schweißen und die Bremsen zu erneuern. „Da haben wir so viel Hilfe gekommen“, sagt der Vater der Zirkusfamilie, „das alles wäre sonst für uns nicht machbar gewesen.“

Nicht nur Bassener kommen immer mal wieder mit Sachspenden auf dem Zirkusplatz am Tulpenweg vorbei, auch ein Ehepaar aus dem Landkreis Rotenburg bringt jeden Monat Lebensmittel und für die Kinder zum Geburtstag sogar Geschenke: „Das sind wirklich Freunde für uns geworden.“

Die galoppierenden Energiepreise treffen auch die Zirkusleute: „Eine Flasche Gas kostete vorher 15 Euro und jetzt 22 Euro.“ Das schlägt ins Kontor. Trumpfs freuen sich deshalb über jeden, der ihnen nach dem Einmotten seines Grills die angebrochene Gasflasche zum Aufbrauchen spendiert. Heizöl brauchen sie, um die Wohnwagen der Kinder zu beheizen. Einige, die bei sich zu Hause auf Holzpelletheizung umgestellt haben, haben ihre Heizölreste schon vorbeigebracht.

Auch für Tierfutter ist der Zirkus immer dankbar. Manche Bassener kommen gerne vorbei, um altes Brot oder Mohrrüben selber an die Ziegen, Ponys und Meerschweinchen zu verfüttern, die darüber hinaus jede Woche einen Rundballen Heu verputzen, wie Trumpf erzählt.

Jeden Tag übt die Familie in ihrer kleinen Manege. Trumpf ist zuversichtlich, dass der Zirkus im Frühjahr endlich wieder auf Reisen gehen und Geld einspielen kann. Vor Publikum jonglieren, Feuer spucken, Messer werfen, balancieren, Tierdressuren vorführen, Späße im Clownskostüm machen... – danach sehnt sich die Artistenfamilie Trumpf seit fast zwei Jahren. Und bis es wieder losgeht, hat Vienna auch ihre neue Nummer am Trapezring einstudiert...

Kontakt

Wer die Zirkusfamilie mit Tierfutter-, Lebensmittel-, Gas- oder Heizölspenden unterstützen möchte, erreicht Ronny Trumpf telefonisch unter 0176/36092000.

Die siebenjährige Vienna half gelegentlich beim Verkauf der LED-Ballons, mit dem sich die Zirkusfamilie Trumpf in den vergangenen Wochen über Wasser hielt.

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