Banales in Poetisches verwandelt

Mit universell verständlicher Körpersprache erzählt „Jomi“ Geschichten

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Hohe Kunst in schöner Stille: Pantomime „Jomi“ verzauberte das Publikum in der Oytener St.-Petri-Kirche.

Oyten - Von Bernd Hägermann. Josef Michael Kreutzer, der als Pantomime seine beiden Vornamen auf ein griffiges „Jomi“ verkürzt, gastierte am Freitagabend in Oyten. Die Initiatoren der Domino-Veranstaltungsreihe hatten vor den zumeist turbulenten Maifeiern sich und dem Publikum einen Künstler eingeladen, dessen Fach die Stille ist.

Mit mimischem Ausdruck und einer universell verständlichen Körpersprache erzählte „Jomi“ in der St.Petri-Kirche Geschichten, die den Reiz des Alltäglichen in sich tragen. Die Kunst von „Jomi“ besteht darin, diese Geschichten zu entschlüsseln und dabei Banales in Poetisches zu wandeln.

Bundesverdienstkreuz für interkulturelle Arbeit erhalten

Vorgestellt wurde „Jomi“ als ein Künstler, der zu den großen Pantomimen zählt und Ende der neunziger Jahre das Bundesverdienstkreuz erhielt für seine interkulturelle Arbeit. In seinen Anfängen studierte „Jomi“ in Paris bei Marcel Marceau. Heute genießt er bei Kollegen und Publikum höchste Anerkennung.

Wie alle guten künstlerischen Darsteller ist „Jomi“ ein erstklassiger Beobachter. Aus den kleinen Begebenheiten des Lebens gewinnt er den Stoff für seine kurzen Bühnenstücke. Eines heißt „Im Park am Denkmal“. Dort verweilen ein ruhebedürftiger Mensch, der nicht reden und schon gar nicht zuhören will, aber in ein langes Gespräch verwickelt wird, eine junge Frau, die auf ihren Liebsten wartet, oder wie Orgelpfeifen gruppierte Kinder, die nicht stillstehen, sondern sich immerfort bewegen wollen. „Jomi“ gibt allen Gestalt.

Ohne Worte verleiht „Jomi“ zahlreichen Figuren Gestalt.

Genauso wie einer „Marionette“. Sie hängt ihr Leben lang an Strippen, die von anderen geführt werden, und hat dabei jegliche Spannkraft verloren. Sie ist gelenkig, aber nicht standhaft. Ihr größter Wunsch: Endlich befreit sein. Dafür unternimmt sie große Anstrengungen. Ein erstes Mal leistet sie Widerstand. Aber ist es wirklich gut, sich von allem zu trennen, was Halt gibt? Nicht wirklich. Die Marionette bezahlt ihr immer kopfloseres Freiheitsstreben mit dem Verlust des Fadens, der zum Herzen führt. Ihr Gewinn ist nur der selbstbestimmte Tod.

„Jomi“ verdeutlicht Sympathie für die unterschiedlichsten Charaktere

In dem Stück „Alter Schneider“ entwirft „Jomi“ das Bild eines Mannes, bei dem die Unterwürfigkeit gegenüber Kunden zum Geschäft gehört. Den Schneider beugen nicht nur seine Rückenschmerzen. Er umgarnt Dickleibige, die Geld haben, aber keinen Geschmack, und schneidert ihnen teures Blendwerk. In den Träumen des Schneiders jedoch trägt nur einer edles Tuch: Er selbst. Damit gewinnt er Aufmerksamkeit und die Herzen schöner Frauen. Doch des Schneiders Träume verflüchtigen sich schnell. Seine Wirklichkeit sind ein harter Sitz auf kargem Tisch, pieksende Nadeln, winzige Ösen, Liebedienerei und ständige Schmerzen. Der Schneider wird sich in sein Schicksal ergeben. Wie so viele andere auch. Der Fußballtorhüter mit katastrophalem Stellungsspiel oder die Protagonisten eines orchestralen Kuddelmuddel.

„Jomi“ verkörpert sie alle mit erkennbarer Sympathie. Die Begeisterung dafür entlud sich beim Publikum zwischen den Stücken und am Ende in kräftigem Applaus. Ansonsten war schöne Stille und hohe pantomimische Kunst.

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