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Ukrainische Kitagruppe im Oytener Schützenhaus

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Von: Petra Holthusen

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Grundschullehrerin Svetlana Sabina (links) und Erzieherin Yuliia Yatsenko (rechts) betreuen ukrainische Kita-Kinder in der früheren Schützenhalle.
Grundschullehrerin Svetlana Sabina (links) und Erzieherin Yuliia Yatsenko (rechts) betreuen ukrainische Kita-Kinder in der früheren Schützenhalle. Integrationsbeauftragte Christa Junge (hinten links) und Kleiderkammerleiterin Natali Schwabe unterstützen das Projekt. © Holthusen

Oyten – Svetlana Sabina ist Grundschullehrerin, Yuliia Yatsenko Erzieherin und Ergotherapeutin. Die Frauen sind Anfang März vor dem Krieg in ihrer ukrainischen Heimat geflüchtet und in Oyten untergekommen. Beide freuen sich, ihre beruflichen Fähigkeiten und Erfahrungen jetzt in der Betreuung von ukrainischen Kindergartenkindern einsetzen zu können, die mit ihren Müttern ebenfalls in Oyten Zuflucht gefunden haben.

Die Kinder, die unter traumatischen Umständen aus ihrer vertrauten Welt gerissen wurden, sollen in einer heute gestarteten Kita-Gruppe „einen sicheren Ort finden, Beziehungen aufbauen und Stabilität erfahren“, beschreibt Christa Junge, Integrationsbeauftragte der Gemeinde Oyten. Singen, basteln, malen und spielen mit Gleichaltrigen, das soll den Drei- bis Sechsjährigen ein Stück Normalität bieten.

Mithilfe von gespendeten Spielsachen und Möbeln hat die Gemeinde in der früheren Schützenhalle an der Jahnstraße, die zuletzt ein Coronatestzentrum beherbergte, den „Ukraine-Kids-Treff“ eingerichtet, wie Junge das Angebot nennt. „Wir haben den Raum, die Ausstattung und zwei wunderbare Frauen, die die Gruppe leiten“, sagt Junge. So könne Kindern und Müttern die Chance geboten werden, „mal rauszukommen aus zumeist beengten Wohnverhältnissen“.

Ein unregelmäßiger Treff soll es aber nicht sein: „Die Kinder sollen schon eine feste Gruppe bilden.“ Diese ist auf rund 20 Jungen und Mädchen im Kindergartenalter ausgelegt und inhaltlich angelehnt an die Strukturen einer Kindertagesstätte. Svetlana Sabina hat sogar schon ein Vorschulprojekt in Planung.

Während ältere Kinder, die mit ihren Müttern aus der Ukraine geflüchtet sind, in der Regel sofort in eine deutsche Schule gehen, haben die Kindertagesstätten so gut wie keinen Platz für Neuankömmlinge, weiß Christa Junge: „Anmeldungen sind da nur bedingt möglich.“

Abgesehen davon, dass die kleineren Kinder sich nach den Erfahrungen der Flucht in der Fremde nur schwer von ihren Müttern trennen können. Zu der Gruppe im Schützenhaus, die von montags bis freitags jeden Vormittag für drei bis vier Stunden zusammenkommt, können die Mütter ihre Kinder begleiten und im Hintergrund präsent bleiben.

Die Arbeit mit den Kindern leisten Svetlana Sabina und Yuliia Yatsenko ehrenamtlich. Helfen zu können, sinnvoll für andere Geflüchtete tätig zu sein, lenkt die Frauen auch von ihren eigenen Sorgen und Ängsten ab. „Die Arbeit beruhigt mich“, sagt Svetlana Sabina auf Russisch. Yuliia Yatsenko, die in der Ukraine ein eigenes pädagogisch-therapeutisches Institut betrieben hat, glaubt, dass das Schicksal ihr diesen Weg bestimmt habe, nach Oyten zu kommen und hier ukrainischen Kindern zu helfen.

„Die Frauen sind unglaublich stark und gefasst“, schildert Natali Schwabe, die als Übersetzerin aushilft. Die Oytenerin, die dank familiärer Wurzeln perfekt Russisch spricht, hat seit Beginn des Krieges in Privatinitiative ein großes Unterstützungs- und Hilfsnetzwerk für Menschen in und aus der Ukraine aufgebaut – unter anderem eine Kleiderkammer, die nun im großen Saal der Schützenhalle an der Jahnstraße untergekommen ist. Immer dienstags und donnerstags von 10 bis 13 Uhr sowie mittwochs von 15 bis 18 Uhr ist die Kleiderkammer geöffnet. Zu diesen Zeiten können sich Geflüchtete mit gespendeter Kleidung eindecken und Hilfswillige gut erhaltene Bekleidung vor allem für Kinder und Frauen abgeben.

Beim Sortieren der Kleidung helfen in Oyten lebende Ukrainerinnen. Ihre Kinder sind jetzt die ersten Besucher der Kitagruppe im Nachbarraum. Der während des Flüchtlingszuzugs 2015/2016 gegründete Verein „Oyten hilft“ unterstützt sowohl die Kleiderkammer als auch die Kita nebenan. Zum Start heute freute sich „Oyten hilft“ über eine Spende von 555 Euro, die die Schießsportgemeinschaft Mühlentor-Oyten überbrachte. Der Betrag ist der Erlös einer Sammlung unter den Mitgliedern, aufgestockt aus der Vereinskasse. Dieses Geld können Svetlana Sabina und Yuliia Yatsenko jetzt gut für den Einkauf von Mal- und Bastelutensilien gebrauchen.

555 Euro übergaben Johann Bollmann (l.) und Sandra Rinn von der SSG Mühlentor-Oyten.
555 Euro übergaben Johann Bollmann (l.) und Sandra Rinn von der SSG Mühlentor-Oyten als Spende an den Vorstandsvertreter von „Oyten hilft“, Andreas Bachmann. Von dem Geld kann der „Ukraine-Kids-Treff“ jetzt Mal- und Bastelmaterial kaufen. © Holthusen

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