Überall Überraschungen

Rudolf Schönfelds „Grünes Lapidarium“ in Sagehorn ist ein Märchengarten

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Rudi Schönfeld erzielt mit einfachen Mitteln Effekte, die Gartenfreunde staunen lassen. 

Oyten - 500 Quadratmeter sind für einen ländlichen Garten nicht viel. Wenn er sich aber in eine Theaterbühne verwandelt und in jedem Blickwinkel voller Überraschungen steckt, schon. Der Garten von Rudolf Schönfeld in Sagehorn, den er liebevoll sein „Grünes Lapidarium“ nennt, ist so ganz anders, als man es von dörflichen Refugien kennt.

Es ist ein Kunstwerk schlechthin, dessen Ungewöhnlichkeit man schon am Eingang erahnt. Als Pforte dient der alte Grabstein von Schönfelds Eltern, den er aus Thüringen nach Oyten geholt hat. Gleich rechts betritt man eine Treppe, die in den Garten führt, in dem mächtige Buchskugeln stehen, die akribisch beschnitten und geformt wurden.

Überall sind Objekte platziert. Kleine Tröge sind bepflanzt, oder es steht Wasser drin, worüber sich gefiederte Gäste freuen. Besucher, die am Tag der „Offenen Gärten“ kommen, wissen kaum, wohin sie zuerst schauen sollen. Obwohl jedes Eckchen besetzt ist, wirkt nichts dekoriert, sondern wie natürlich gewachsen.

Ein romanischer Torbogen, von Schönfeld selbst aus Beton geformt, öffnet den Rundweg in den Garten hinein. Bizarre Äste liegen wie zufällig am Wegrand und auch kleine Pflasterstücke, natürlich nicht aus profanen Materialien vom Baumarkt, sondern aus Steinen von besonderen Orten.

Plötzlich steht man vor einem ungewöhnlichen Gartenhaus: Uraltes Fachwerk von 1821, das eigentlich schon als Feuerholz vorgesehen war, umschließt einen mächtigen Türbalken mit altertümlicher Inschrift, wie manche Bauernhäuser sie haben. Im Innern des Hauses hängt ein betagter Kronleuchter von der Decke. Ein Tisch aus Eiche mit passenden Stühlen und viele kleine Objekte geben dem Raum einen musealen Charakter. Um den Durchblick in den Garten zu haben, hat der 82-jährige Schönfeld eine Außenwand verglast. So kann man hier wunderbar bei Regenwetter sitzen und die Aussicht ins Lapidarium genießen.  Verglast ist auch eine Wintergarten-Konstruktion, die das Dach des Hauses verlängert und sich so selbstverständlich ins Ganze einfügt, als sei sie schon immer dort gewesen.

Hier und da blickt der Besucher in Spiegel

Mit gutem Gespür für Effekte setzt der Sagehorner Dinge ein, die sonst auf dem Sperrmüll oder in der Schrottpresse gelandet wären. Dieses Gespür kommt bei Schönfeld nicht von ungefähr. Sein Berufsleben hat er als Bühnenbildner verbracht und von daher ein sicheres Auge für Dinge, mit denen sonst kaum jemand etwas anzufangen weiß. Diese Gabe verbindet er mit viel handwerklichem Geschick. Hier und da blickt der Besucher in Spiegel, die Perspektiven vergrößern – ein raffinierter Trick der optischen Täuschung.

Bei allem Sinn für „Hingucker“ kommt die Natur nicht zu kurz. Pflanzen, Büsche und Bäume gedeihen üppig. Der Efeu erobert sich stille Winkel und darf das auch. Funkien breiten ihr grünes Blattwerk unter feinen Blütenrispen aus, und auch zartblaue Hortensien verbreiten Sommerflair. Alles fügt sich zu einem großen Ganzen.

Hier und da sieht man einen Hühnergott, jene glücksbringenden Steine von der Ostsee, die vom Wasser so bearbeitet sind, dass sie kleine Gucklöcher gebildet haben.

Rudolf Schönfeld ist eigentlich kein Sammler, mehr ein Finder interessanter Dinge, die anderen vielleicht nichts sagen. Und immer ist der Garten in Bewegung. Hier wird etwas verändert, dort weggenommen oder hinzugefügt, neu arrangiert oder ergänzt.

Ein Rundgang reicht da nicht. Um diesen Garten zu erleben, muss man eigentlich längere Zeit darin verbringen. Und natürlich dem Besitzer zuhören, um dessen Ideenreichtum zu erfassen. 

kr

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