Sebastian Erasmy und Markus Siebels meistern 6. Berliner Stairrun für Feuerwehrleute

„Toughest Firefighter alive“: In zehn Minuten 770 Stufen hoch

Geschafft! Sebastian Erasmy (links) und Markus Siebels bekamen die Medaillen nach dem 6. Berliner Firefighter Stairrun gleich am Ziel auf der Aussichtsplattform des Hotels Park Inn umgehängt.

Oyten - Von Petra Holthusen. Wolke 7 wartete 110 Meter hoch im Himmel über Berlin. 39 Etagen und 770 Stufen entfernt. Die Aussichtsplattform des Park Inn am Alexanderplatz war Ziel von mehr als 740 Feuerwehrleuten aus aller Welt, die beim 6. Berliner Firefighter Stairrun in Zwei-Mann-Teams die Hoteltreppen hochjagten – gegen die Stoppuhr und in voller Einsatzmontur samt Atemschutz.

Punkt 13.44 Uhr wurde Startnummer 459 auf die Reise geschickt: die „Feuerengel Oyten“. Genau 10 Minuten und 21,5 Sekunden später waren Sebastian Erasmy und Markus Siebels am Ziel – „ein unbeschreibliches Gefühl!“, sagt Siebels. Siebels, der diese Woche noch 30 wird, und der fünf Jahre jüngere Erasmy sind als ausgebildete Atemschutzgeräteträger der Freiwilligen Feuerwehr Oyten mit entsprechendem Gesundheitszeugnis sowieso ganz schön fit und dazu von Haus aus sportlich.

Erasmy ist schon Marathon gelaufen und Siebels spielt Handball beim TV Oyten. Aber gegen den Berliner Firefighter Stairrun – zu deutsch: Feuerkämpfer-Treppenlauf – „ist alles, was ich sportlich bis jetzt so gemacht habe, gar nichts“, bekräftigt Markus Siebels.

Noch 100 bar Restdruck misst Sebastian Erasmy nach 770 Stufen und 110 Höhenmetern, bewältigt in gut 10 Minuten. Gut, dass der Weg zurück nach unten ohne Atemschutzgerät vonstatten ging – sonst hätte die Luft nicht mehr gereicht.

An einem Extremwettbewerb für Feuerwehrleute teilzunehmen, hatten sich die beiden schon länger mal vorgenommen. Und als Sebastian Erasmy auf die Ausschreibung des Berliner Stairrun stieß, ausgerichtet von der Wettkampfabteilung der Berliner Feuerwehr, meldeten sich die „Feuerengel Oyten“ an. Als sie jetzt am Samstagmorgen vor dem Park Inn Hotel standen und so an der Fassade hochblickten, „haben wir uns schon einen Moment gefragt, ob wir uns das richtig überlegt haben“, aber schließlich hatten sie drei Monate intensiv auf diese Herausforderung hin trainiert – mit Extra-Jogging und vor allem mit Ausdauertraining auf eigens besorgten Steppern, die Atemschutzmaske dabei auf dem Gesicht und den Luftbehälter auf dem Rücken.

Also mutig ran an den Start – und den schweren Ballast geschultert. Treppenlaufen in Turnhose können andere – als „Toughest Firefighter alive“ geht’s in kompletter Schutzausrüstung und mit angeschlossenem Atemschutzgerät die Stufen hoch, das heißt mit 25 Kilo extra. Und getrödelt wird nicht: Wer mehr als 20 Minuten braucht, ist raus. Damit hatten die Oytener „Feuerengel“ kein Problem: Mit ihrer Zeit von gut 10 Minuten lagen sie auf Anhieb im guten Mittelfeld. Dass sie damit so manche Berufsfeuerwehrmänner hinter sich ließen, war ein zusätzlicher Triumph.

Als unschlagbar im Teilnehmerfeld mit Firefightern aus ganz Deutschland, aus Frankreich, Belgien und den USA erwiesen sich die Kollegen aus Polen: Die Männer von der Feuerwache Stettin absolvierten die 300 Meter ums Hotel, den Weg durch die Lobby und die 770 Treppenstufen bis in den 39. Stock in sensationellen gut 5 Minuten. „Die nehmen drei Stufen auf einmal – die fliegen!“, staunte Siebels. Er und Erasmy wollten eigentlich unter 10 Minuten bleiben, und weil das nicht ganz gelang, ziehen sie schon eine Wiederholung beim 7. Berliner Firefighter Stairrun in Erwägung.

Verdammt hoch: Die 39. Etage des Park Inn war Ziel beim Treppenlauf der fitten Firefighter.

„Das ist schon ein Highlight, eine Erfahrung fürs Leben“, schwärmt Siebels, „dabei gewesen zu sein, da oben zu stehen und es geschafft zu haben – ein unbeschreibliches Gefühl.“ Mit brennenden Oberschenkeln und gewaltigem Hitzestau unter den dicken Klamotten „sind wir oben erstmal zusammen auf die Knie gegangen, einfach nur heilfroh, angekommen zu sein“, schildert er. Dann gab’s auch direkt die Medaillen um den Hals und nochmal Jubel von den Cheerleadern. Die jubelten den Treppenläufern auch unterwegs aus den Fluren zu und feuerten sie an, „aber das ist dir irgendwann schietegal, du willst nur noch endlich oben ankommen“, erzählt Siebels.

Ein großes Anliegen ist ihm ein riesiger Dank an Oytens Ortsbrandmeister Jens Rebers für die Unterstützung: „Dass wir mit den Geräten so trainieren durften und dass die Gemeinde das Startgeld bezahlt hat – ohne Jens wäre das alles so nicht gegangen.“ Jens Rebers seinerseits ist mächtig stolz auf seine Jungs: „Die haben geübt wie die Wahnsinnigen – ich hab das bewundert.“ Und da ist er sicher nicht der einzige in seiner Feuerwehr.

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