Grünland-Umbruch am Oytener Königsmoor

„Totgespritzt, dichtgekleistert und letztes Tier geschreddert“

Grünlandumbruch – das bringt Naturschützer auf die Palme.

Oyten - Von Petra Holthusen. Nur mühsam beherrschte Hans-Heinrich Grahl seinen Zorn, als er am Mittwochabend im Oytener Rathaussaal SOS funkte.

„So geht’s einfach nicht weiter!“, wetterte Grahl gegen den von ihm dokumentierten erneuten massiven Umbruch von Grünland zu Maisanbaufläche – dieses direkt am Landschaftsschutzgebiet Neubauersdamm und auf Kosten der Natur im südlichen Königsmoor. Grahl forderte Unterstützung von Politik und Verwaltung im Kampf gegen diesen „Frevel“.

Grahl gehört zu den „Wühlmäusen“, jener Rentnergang, die sich seit vielen Jahren ehrenamtlich um Biotopschutz und Landschaftspflege in Oyten kümmert. Zusammen mit einigen Mitstreitern war der Oytener in die Sitzung des Ratsfachausschusses für Umwelt & Gemeindeentwicklung gekommen, um in der Bürgerfragestunde einen Hilferuf zu starten. Seine Vorwürfe richteten sich gegen diejenigen Landwirte, die rücksichtslos und teils unrechtmäßig eigene Anbauflächen vergrößern würden: „Feldraine werden weggepflügt. Grenzsteine werden ausgepflügt und an die Seite geworfen. 

An Eichen auf angrenzenden Flächen wird so dicht rangepflügt, dass das Wurzelwerk und damit der Baum zerstört wird. Und immer mehr Grünflächen werden zu Ackerland umgebrochen, auch ohne Genehmigung der Naturschutzbehörde“, schilderte Grahl, der seine Vorwürfe fotografisch dokumentiert hat und mit Aussagen der Kreisnaturschutzbehörde untermauerte.

Flächen für Maisanbau vorbereitet

Aktuell wurden nach seinen Worten direkt am Landschaftsschutzgebiet Neubauersdamm nördlich der A 1 im westlichsten Zipfel von Oyten „Riesenflächen schwarz gemacht für den Maisanbau“, so Grahl. Mitten in der Brut- und Setzzeit sei „eine grüne Fläche von sechs Hektar totgespritzt“, seien Rehkitze und Bodenbrütergelege im hohen Gras „mit einer Glyphosat-Mischung auf dieser Welt begrüßt“ und sei die Fläche „mit Gülle und Gärresten dichtgekleistert“ worden, so Grahl. 

Beim anschließenden Fräsen sei „auch noch das letzte Tier geschreddert“ worden. Diesen Frevel habe er bei der Naturschutzbehörde angezeigt und er dränge darauf, dass die Fläche in ihren Ursprungszustand zurückversetzt werde, bevor der Mais gelegt werde, sagte der Sprecher der „Wühlmäuse“. Auch Landwirte hätten eine Verantwortung gegenüber der Natur, betonte Grahl.

Er wollte von Rat und Verwaltung wissen, wer nun bei der Gemeinde Oyten für diese Problematik zuständig und hilfreich sei. Vize-Verwaltungschef Axel Junge verwies auf die grundsätzliche Zuständigkeit der Naturschutzbehörde beim Landkreis, schlug aber dennoch ein persönliches Treffen vor Ort vor, um die Sache gemeinsam anzusehen und zu besprechen.

Pächter wehrt sich gegen Vorwürfe

„Wenn unsere Ehrenamtlichen um Hilfe bitten, kümmern wir uns natürlich darum“, bekräftigte Junge am Donnerstag auf Nachfrage. Nachdem sich der Aufruhr im Ratssaal in Windeseile herumgesprochen hatte, meldete sich am Donnerstag auch der Pächter der besagten Flächen im Rathaus: „Er hat sich gegen die Vorwürfe verwahrt und betont, dass der Umbruch ganz legal erfolgt sei“, so Junge. Bei den Flächen habe es sich ursprünglich um Ackerland gehandelt, das nun wieder als solches genutzt werden solle.

Was das zweite Thema angehe, das grenzüberschreitende Überpflügen von Wegen und Seitenrändern, das ständig und nicht nur in Oyten für Ärger sorge, so „beschäftigen wir uns damit in dem von der Politik gewünschten Arbeitskreis Landwirtschaft“, kündigte Junge an. Der allerdings muss erst noch gegründet werden.

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