„Theaterfroynde Oyten“ brillieren mit Erwachsenen-Komödie „Bartime“

Zwischen Lust und Frust

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Wenn die Mädels die Köpfe zusammensteckten, ging es nur um das eine.

Oyten - Wer mit wem und warum? Ist Sex zwischen 30 und 45 Pflicht? Was ist, wenn die Lust zur Last wird? Und passen die Wünsche von Männern und Frauen wirklich zusammen? Um diese Fragen drehte sich das Stück „Bartime – wer mit wem“, aus der Feder von Steven Moffat, das das noch sehr junge Ensemble „Theaterfroynde Oyten“ am vergangenen Wochenende auf die Bühne des Oytener Rathaussaals brachte.

Ein Bühnenstück ausschließlich für Erwachsene, bei dem auch diese an einigen Stellen sicherlich rote Ohren bekamen. Alles drehte sich um Sex bei einer Gruppe von Männern und Frauen zwischen 30 und 45, um ihre mehr oder weniger aktive Libido und die Vorgehensweise, diese zu ihrem Recht kommen zu lassen. Mittelpunkt des Geschehens war eine schicke, englische Bar, in der sich Yuppies unterschiedlichster Couleur trafen. Sowohl um regelmäßige Absacker nach einem stressigen Arbeitstag zu nehmen, um zu sehen und gesehen zu werden, als auch um Kontakte zu knüpfen, wenn mal wieder eine Beziehung in die Brüche gegangen war.

Dass sich dabei das Partnerkarussell drehte, war ein Selbstgänger, denn der Kreis war überschaubar. Jeder hatte schon mal etwas mit wem und wenn nicht, dann war es unvermeidlich, auszuprobieren, was einem vorher noch nicht über den Weg gelaufen war. Die meisten Frauen kannten sich, die Männer auch. Da war es unvermeidlich, dass man sich über die Qualitäten von Ex-Lovern austauschte, deren Vorzüge zum Besten gab, ebenso, wie die negativen Seiten und die Defizite, bis hin zu geistigen, körperlichen und seelischen Unzulänglichkeiten – hinter vorgehaltener Hand natürlich.

Mit welchen Tricks dabei gearbeitet wurde, entlockte dem Publikum viele Lachsalven. Profilneurotikerinnen wechselten sich ab mit Egomaninnen, alle waren auf der Suche nach dem sexuellen Kick, der das künftige Leben bestimmen sollte. Die einen strotzten vor Selbstbewusstsein und sexuellem Appetit, die anderen hatten mit Selbstzweifeln zu tun und wiederum andere brachte der schiere Anblick eines Mannes um den Verstand.

Den Männern ging es nicht anders. Machos sahen Frauen als Lustobjekt und wickelten sie mit ihrem ganz speziellen Charme um

Klofrauen führen

Strichlisten

den Finger, Normalos entpuppten sich Frauen gegenüber als reines Nervenbündel wenn es zur Sache gehen sollte und auf einem Nebenschauplatz, der Toilette der Bar, ging es derweil absolut verrückt zu.

Über Sex auf dem Klo führten die Herrscherinnen der gekachelten Örtlichkeiten eine Strichliste, ebenso wie sie genau über die anatomischen Besonderheiten der Besucher des Herrenklos unterrichtet waren. Natürlich wurden jene Dinge genau bewertet und der eine oder andere Nebenverdienst ergab sich aus den verrichteten Geschäften. Das Publikum bog sich vor Lachen, als es darum ging, den Geräuschpegel am Urinal einzelnen Benutzern zuzuordnen. Neue Beziehungen fanden sich, alte zerbrachen, jeder war auf der Suche nach neuem Glück und, dass es dabei gezielt unter die Gürtellinie ging, war gewollt und absolut amüsant.

Mit dem Stück, das am Wochenende drei Mal zur Aufführung kam, gelang den Theaterfroynden ein Treffer, der eigentlich mehr Aufführungen, und sogar großes Publikum verdient hätte. Mit beeindruckender schauspielerischer Präsenz gelang es, Charaktere darzustellen, die wie aus dem Leben gegriffen waren. Beide Bühnenbilder, Regie, Lichteffekte und die Live-Musik von Jean-Patrick Glodeck auf dem Klavier machte dieses ungewöhnliche Theater-Erlebnis rund.

kr

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