Studenten der Hochschule für Künste zeigen Ausstellung im Kortlang-Gebäude

„Wohn Wahn Sinn“ offenbart Originalität und Schönheit

Christoph Pauger, Student an der Hochschule für Künste im Sozialen, bei der künstlerischen Arbeit.
+
Christoph Pauger, Student an der Hochschule für Künste im Sozialen, bei der künstlerischen Arbeit.

Ottersberg - Der kleine Hindernislauf am späten Freitagnachmittag im ehemaligen Kortlang-Gebäude in Ottersbergs Mitte sollte sich für etliche Vernissage-Gäste lohnen. Elegant stiegen sie zunächst über Kabel und wichen Badewannen aus, die schon lange kein Wasser mehr gesehen hatten. Danach war es nicht mehr weit bis zur Ausstellung „Wohn Wahn Sinn“, einem interdisziplinären Projekt des Masterstudiengangs der Hochschule für Künste im Sozialen.

Unter Leitung von Professor Michael Dörner und Hans Joachim Reich zeigten am Wochenende elf Studentinnen und Studenten ihre Arbeiten zum Thema. Namentlich sind das: Judith Bieler, Andrea Firnkes, Michelle Gerdes, Sophia Gerdes, Arnaldo Gonzales, Christoph Hinkel, Anastasia Musin, Christoph Pauger, Barbara Theissen, Bettina Walther und Christian Wiencke.

Das Kortlang-Gebäude gilt als baulicher Schandfleck. Im Inneren des Hauses sind die Lebensadern verödet. Für Kunstschaffende ist dieser Zustand ein Glücksfall. Nichts mehr da, was ablenken könnte, alles vorhanden, was die Fantasie befördert.

Mit dem Phänomen des Wohnens beschäftigten sich die Studierenden bereits im vorigen Herbst sehr praxisnah. Der Besuch eines großen Einrichtungshauses in Posthausen sorgte dort für staunende, aber wohlmeinende Gesichter, bei den jungen Studenten hingegen für eine Vielzahl von Impulsen, galt es doch, die menschlichen Wohnbedürfnisse zu beobachten und zu analysieren. Nur zwei von vielen trefflichen Beispielen: Bei den Bildern von Michelle Gerdes handelt es sich um collagierte Aufnahmen spontaner Handlungen, die während der Exkursion zum Einrichtungshaus als humorvolle Kritik an der dort projizierten Lebensgestaltung entstanden sind.

Christoph Pauger hatte für seine „Katalogshootingsperformance“ einen Raum mit ausschließlich weißen Möbelstücken ausgestattet. Seine Performance bot den Besuchern die Möglichkeit, „die eigenen Wahnvorstellungen“ zu realisieren. Pauger hielt diese mit einer Digitalkamera fest. Während die dreijährige Zofia nichts lieber wollte, als zwischen Polstern und Tüll zu toben, gingen die Erwachsenen zumeist strategisch vor. Die gemütliche Ecke durfte ebenso wenig fehlen wie der Gestaltungswille in seiner symmetrischen Ausprägung: „Die Farbe weiß“, weiß Pauger, „steht in unserer Gesellschaft für Reinigung, Sauberkeit und Heilung.“ Sowie für Neutralität und eine Welt ohne sinnliche Eindrücke. Blieb für den Künstler nur noch die Frage. „Wie wohnt der eigene Wahnsinn?“ Zumeist kommod und dabei durchaus ambitioniert. Waren doch viele Leute da, die sich ein Bild von den Einrichtungsideen der jeweils anderen machen wollten.

Zur Anwendung kamen bei diesem interdisziplinären Gesamtprojekt der HFK Ottersberg unterschiedliche künstlerische Ausdrucksformen – Performance, Video, Fotografie, Zeichnung, Installation. In Gesamtheit offenbarten sie an zwei Tagen innerhalb von trostloser Architektur Originalität und innere Schönheit.

häg

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Karpfen werden umgesiedelt

Karpfen werden umgesiedelt

Impressionen vom Bremer Freimarkt 2021

Impressionen vom Bremer Freimarkt 2021

Dampftag im Kreismuseum

Dampftag im Kreismuseum

Sauberhafte Zeiten: Vorwerk-Aktionssets mit gratis Extra sichern

Sauberhafte Zeiten: Vorwerk-Aktionssets mit gratis Extra sichern

Meistgelesene Artikel

Achimer Amazon-Massen: Mehr Züge frühestens ab 2022

Achimer Amazon-Massen: Mehr Züge frühestens ab 2022

Achimer Amazon-Massen: Mehr Züge frühestens ab 2022
Corona im Kreis Verden: Ab Donnerstag drohen Verschärfungen

Corona im Kreis Verden: Ab Donnerstag drohen Verschärfungen

Corona im Kreis Verden: Ab Donnerstag drohen Verschärfungen
„Das gibt Rückstau ohne Ende“: Kreisel am Berliner Ring ein Puzzle

„Das gibt Rückstau ohne Ende“: Kreisel am Berliner Ring ein Puzzle

„Das gibt Rückstau ohne Ende“: Kreisel am Berliner Ring ein Puzzle
Verdener Ingo Neumann: „Das Podest muss weg“

Verdener Ingo Neumann: „Das Podest muss weg“

Verdener Ingo Neumann: „Das Podest muss weg“

Kommentare