„Straffer Stundenplan“

Sandra Röse bereitet sich auf ihren Amtsantritt als Bürgermeisterin vor

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Sandra Röse (48) bereitet sich intensiv auf ihren Amtsantritt als neue hauptamtliche Bürgermeisterin der Gemeinde Oyten vor. Kommunalrechtliche Seminare, Vorgespräche im Rathaus und Fachlektüre gehören dazu. Schon Wochen vor dem 1. November ist ihr Terminkalender „ganz schön bunt“.

„Ich genieße die freie Zeit – aber anders als geplant“, sagt Sandra Röse mit einem Lächeln. Mitte September hat sie in ihrem alten Beruf als Unternehmensberaterin aufgehört – am 1. November fängt sie in ihrem neuen Beruf an: als hauptamtliche Bürgermeisterin der Gemeinde Oyten. Für besagte „freie Zeit“ dazwischen, nicht zu verwechseln mit Urlaub, hatte sie sich einen „straffen Stundenplan“ zurechtgelegt, um sich bestmöglich auf ihren Amtsantritt im Rathaus vorzubereiten. Dieser Plan wird fast täglich aufs Neue umgeworfen: Einladungen von Vereinen, Anrufe von Bürgern, E-Mails aus der Verwaltung... – eigentlich ist Sandra Röse schon mitten im Geschäft.

Oyten - Mit deutlichen 68,53 Prozent Wählerzustimmung war die CDU-Kandidatin Mitte Juni als Siegerin aus der Bürgermeisterstichwahl gegen SPD-Mitbewerber Heiko Oetjen hervorgangen. Am 1. November tritt die 48-Jährige, die seit zehn Jahren mit ihrer Familie in Sagehorn lebt und bisher im Gemeinderat ehrenamtlich Kommunalpolitik gemacht hat, die Nachfolge des langjährigen Bürgermeisters Manfred Cordes an.

Als hauptamtliche Bürgermeisterin, von den Oytenerinnen und Oytenern für sieben Jahre gewählt, ist Sandra Röse sowohl Chefin der Gemeindeverwaltung und damit von rund 245 Beschäftigten als auch oberste Repräsentantin der Kommune.

„Nervös bin ich überhaupt nicht. Wahrscheinlich werde ich die Nacht vorher schlecht schlafen, aber ich freue mich riesig auf den 1. November“, sagt die 48-Jährige. Am ersten Tag rechnet sie mit allerhand Willkommensbesuch im Bürgermeisterzimmer und hofft, es selbst einmal durchs Rathaus zu schaffen. „Mehr Produktives kann man an dem Tag wohl nicht von mir erwarten“, schwant Sandra Röse. Am Montag danach geht's dann richtig los: „Aber ich fange ja nicht mit Millionen Veränderungen an, sondern mit Zuhören.“

Für Vier-Augen-Gespräche mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hat sie in den ersten Wochen ambitionierte vier Stunden pro Tag eingeplant. Sachbearbeiter, Reinigungskräfte, Schulsekretärinnen, Erzieherinnen, Bauhofkollegen... – „ich möchte alle kennenlernen und ihre Sicht auf die Dinge erfragen“. Netzwerke, Abläufe, Befindlichkeiten und Verbesserungsvorschläge will die neue Chefin als Wissen aus den persönlichen Gesprächen mitnehmen.

Darüber hinaus ist „mein Kalender für November und Dezember schon ziemlich bunt“, sagt sie lächelnd. Die Sitzungsdichte in diesen Monaten ist hoch, Haushaltsberatungen und die weitere Planung der neuen Ortsmitte stehen ganz oben an. Mit Sylke Haake, Organisationschefin im Vorzimmer des Bürgermeisters, steht Sandra Röse bereits in regem Austausch, was ihre Terminplanung angeht.

Zur inhaltlichen Vorbereitung hat die angehende Bürgermeisterin allein diese Woche drei Treffen mit den Fachbereichsleitern im Rathaus. In Bürgermeister-Seminaren des Städte- und Gemeindebundes hat die studierte Betriebswirtin „Wissenslücken im Kommunalrecht gefüllt“, wie sie sagt. „Es ist ja gar nicht mein Job, alles bis ins Kleinste zu wissen, aber ich fühle mich dann sicherer.“ Auch in Sachen Personalführung und Zusammenarbeit mit Personalräten hat sie sich fortgebildet: „Es ist ja fast alles neu für mich, da bin ich dankbar für alles Wissen, für jeden Tipp.“

Der Einstieg in den Alltag als Person des öffentlichen Lebens hat für Sandra Röse schon begonnen. Beim Einkaufen oder Spazierengehen wird sie angesprochen von Bürgern, die ein Anliegen haben. „Ich höre zu, aber ich mache keine Versprechungen“, sagt sie. Es jedem recht machen zu können, ist weder ihr Anspruch noch realistisch: „Im Gemeinderat bin ich auch als Bürgermeisterin nur eine Stimme, das habe ich immer betont.“ Bei allen Begegnungen spüre sie viel Wohlwollen und Vertrauen, aber sicher werde sie auch mal unpopuläre Entscheidungen vertreten und die Reaktionen aushalten müssen.

Ein Schlüssel zum Erfolg waren für Sandra Röse im Wahlkampf ihre Wohnzimmerschnacks – „die Idee, zu den Leuten hinzugehen“. Das will sie als Bürgermeisterin beibehalten, nur über das Format ist sie sich noch nicht im Klaren: „Vielleicht gehe ich mit Bürgern zusammen spazieren, nach dem Motto ,Zeig mir deinen Ortsteil'.“ Auf diese Weise mit Menschen in Dialog und Austausch über ihre Lebenswelt zu kommen, wäre für sie Teil einer guten Öffentlichkeitsarbeit. Zu der gehören für Sandra Röse auch der Internetauftritt der Gemeinde, den sie zügig überarbeiten will, und ein regelmäßiger Austausch mit den Unternehmern und Betriebsinhabern im Ort: „Ich sehe mich auch als Wirtschaftsförderin.“

Auf die Arbeitsbelastung und Arbeitszeiten der künftigen Bürgermeisterin hat sich ihre ganze Familie eingestellt. Bislang hat Sandra Röse als selbstständige Unternehmerin viel von zu Hause aus gearbeitet und war nachmittags erste Ansprechpartnerin, wenn ihre beiden Kinder aus der Schule kamen. Das übernimmt jetzt ihr Mann Christian, der seine eigene Arbeitszeit reduziert. Zwar gibt es auch samstags und sonntags repräsentative Verpflichtungen, dennoch will Sandra Röse die Wochenenden möglichst als Familienzeit freihalten. „Wenn mein Sohn Fußball spielt, gehe ich zugucken“, lächelt sie, „das geht dann mal vor.“

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