Eingeschränkte Zeiten

Awo-Kaufhaus in Bassen hat wieder geöffnet: Stöbern vorerst leider ohne Schnacken

Mit Mundschutz und gebührendem Abstand: Annegret Weiser-Schreiber (links) und Dagmar Guse im Verkaufsraum des Bassener Awo-Kaufhauses „Stöbereckchen“.
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Mit Mundschutz und gebührendem Abstand: Annegret Weiser-Schreiber (links) und Dagmar Guse im Verkaufsraum des Bassener Awo-Kaufhauses „Stöbereckchen“.

Bassen - Ja, auch die Arbeiterwohlfahrt (Awo) im Landkreis Verden musste dem Herausforderer Covid-19 entgegentreten. Das Hauswirtschaftstraining musste entfallen, das Möbellager konnte keine Ware entgegennehmen – und die Awo-Kaufhäuser in Verden und Bassen waren fünf Wochen lang komplett geschlossen. Jetzt ist im „Stöbereckchen“ am Sonnenblumenweg in Bassen wieder Betrieb – allerdings unter Corona-Schutzbedingungen, die den geselligen Aspekt zwangsweise noch in den Hintergrund rücken.

„Die Corona-Zeit war und ist schon ziemlich schwierig für uns“, sagt die Geschäftsführerin des Awo-Kreisverbands, Dagmar Guse. Zum einen wären da eineinhalb Monate, die durch negative Einnahmen gekennzeichnet sind, zum anderen fehlte allen Mitarbeitern der Kontakt zu den Kunden und das Gefühl, diesen etwas Gutes tun zu können. Die Ehrenamtlichen, die aufgrund ihres Alters zur Risikogruppe gehören, müssen zurzeit immer noch zur eigenen Sicherheit zu Hause bleiben. Guse, die seit 2003 aus reiner Leidenschaft Geschäftsführerin des Kreisverbands ist, betrachtet es als ihre Lebensaufgabe, dafür zu sorgen, dass die Awo im Landkreis Verden erhalten bleibt und dass es allen Kunden gut geht. Umso schlimmer traf und trifft sie die Corona-Pandemie.

Doch die Arbeiterwohlfahrt lebt ihren eigenen Slogan: „Gemeinsam statt einsam“ wollen die Aktiven die Krise meistern und halten fest zusammen. Im März meldete Guse vorsorglich Kurzarbeit an, konnte dies jedoch zurückziehen, weil ihre festen Mitarbeiter ihr entgegenkamen und sofort Urlaub anmeldeten oder Überstunden abfeierten. Schnelle Abhilfe brachte zudem der Corona-Zuschuss der Regierung, den Guse sofort bekam. Zudem nutzen alle Mitarbeiter nach vier Wochen Zwangspause die Zeit, um sich auf die Nach-Corona-Situation vorzubereiten, und besprachen schon einmal ihre Möglichkeiten.

„Wir haben auch viel Zeit damit verbracht, ein bisschen Inventur zu machen und die Kaufhäuser auf Hochglanz zu bringen“, erzählt Guse. Als die Kaufhäuser in Bassen und Verden dann am 23. April wieder öffnen durften, war die Freude auf allen Seiten groß. „Am ersten Tag waren die Leute natürlich noch sehr verhalten“, berichtet Monika Koldehofe, eine Mitarbeiterin des „Stöbereckchens“ in Bassen. „Das steigerte sich dann aber von Tag zu Tag, neulich standen die Kunden sogar Schlange, das habe ich auch selten so erlebt“, fügt sie lachend hinzu.

Im Lager hinter dem Verkaufsraum sortieren Ingrid Müller (links) und Monika Koldehofe fleißig die zahlreich eingegangenen neuen Kleiderspenden. 

Das Schlangestehen kann aber tatsächlich auch zur Bewährungsprobe werden. Nur drei Kunden zur Zeit dürfen wegen der Corona-Beschränkungen aktuell in das soziale Kaufhaus, in dem Menschen, die finanziell nicht auf Rosen gebettet sind, für kleines Geld gespendete Second-Hand-Kleidung, Haushalts- und Dekoartikel, Schmuck und Spielzeug kaufen können. Gerne wird auch mal ein bisschen länger gestöbert.

Zudem sind die Öffnungszeiten noch stark eingeschränkt: Hat das Kaufhaus normalerweise montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr auf, ist es jetzt wegen der noch fehlenden ehrenamtlichen Hilfskräfte vorerst nur von 10 bis 14 Uhr geöffnet.

Was alle Mitarbeiter der Awo zudem als einschneidend bewerten: Der so heiß geliebte Klönschnack der Kunden bei Kaffee und Keksen muss erst einmal entfallen. „Das ist schon schwierig für die Kunden“, sagt Guse. „Viele beklagen sich natürlich darüber, weil gerade dieser Austausch wichtig für alle ist. Und das direkt Zwischenmenschliche ist ja momentan eher eingeschränkt.“

Im Großen und Ganzen freuen sich die Menschen aber sehr darüber, dass die Awo-Kaufhäuser wieder geöffnet haben. Auch für Kinder, die momentan durch die Schulschließungen wenig Zerstreuung finden, bietet die Awo den schönen Zeitvertreib des Stöberns. „Viele kleine Leute kommen, um sich hier am Bücherregal Lesestoff zu besorgen“, berichtet Annegret Weiser-Schreiber, die bei der Awo Bundesfreiwilligendienst leistet.

Während der Öffnungszeiten können übrigens auch wieder Sachspenden im Kaufhaus abgegeben werden.

Wer das „Stöbereckchen“ in Bassen als Kunde betreten möchte, sollte die Maske nicht vergessen und muss beachten, dass vorherige Handdesinfektion ebenso Pflicht ist wie der Eintritt mit dem bereitgestellten Körbchen.

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