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„Sehen, was geht“ für Moyn Moyn und mehr

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Von: Petra Holthusen

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Das Moyn-Moyn-Elektrofestival am Backsberg
Das Moyn-Moyn-Elektrofestival am Backsberg soll perspektivisch 7500 Besucher locken, ebenso wie ein geplantes zweites Musikfestival. Nach dem knappen Votum des Oytener Gemeinderats können die Veranstalter jetzt das erforderliche Verfahren zur planungsrechtlichen Absicherung eines deutlich erweiterten Veranstaltungsgeländes in den Wümmewiesen anschieben. © Abro Team GmbH

Oyten – Die Moyn-Moyn-Festivalmacher von der Abro Team GmbH können sich mit ihren Fachbüros an die Erweiterungsplanung für das Veranstaltungsgelände in den Wümmewiesen am Backsberg machen. Mit hauchdünner Mehrheit hat der Rat der Gemeinde Oyten am Dienstagabend dem Beginn der Bauleitverfahren zur planungsrechtlichen Absicherung des Festgeländes zugestimmt – samt der von den Investoren gewünschten Vergrößerung von Event-, Camping- und Parkflächen.

15 Abgeordnete von SPD und Grünen inklusive eines CDU-Vertreters befürworteten die erweiterte Planung – 14 Ratsmitglieder von CDU und FDP, darunter Bürgermeisterin Sandra Röse, lehnten die große Lösung ab und plädierten für den Erhalt des Status quo auf den bisherigen Flächen.

Ob aus dem Wunsch der Festivalmacher, die sich nach eigenen Worten ganz auf den Backsberg fixieren und ihren Firmensitz nach Oyten verlegen wollen, am Ende Wirklichkeit werden kann, muss sich jetzt in den Verfahren nach dem Baugesetzbuch zeigen. Gutachterlich zu bewerten sind dabei neben Lärm und Verkehr vor allem naturschutzrechtliche Fragen, die mit der Genehmigungsbehörde Landkreis abzuarbeiten sind. Teile des von Abro angestrebten Festareals der Zukunft liegen in geschützten Landschaftsbereichen der Wümmewiesen am Südarm.

Als Betreiber und Nutznießer der Planung übernimmt die Veranstaltungsfirma Abro die auf mindestens 80.000 Euro geschätzten Kosten und damit das wirtschaftliche Risiko. Amortisieren soll sich der finanzielle Einsatz durch die mittelfristige Erhöhung der Besucherzahlen beim Moyn Moyn auf 7500 und die Etablierung eines zweiten Musikfestivals dieser Größenordnung – „Arbeitstitel Oy Oy“, wie Festivalberater Johannes Raetz darlegte.

Die künftige Entwicklung am Backsberg auf den landwirtschaftlichen Flächen der Gastwirtsfamilie Thran an der Kreisstraße zwischen Sagehorn und Fischerhude polarisiert. Wegen des erwarteten Bürgerinteresses hatte die Gemeinde die öffentliche Ratssitzung extra in die Aula des Schulzentrums verlegt. Allerdings fanden sich nur etwa 25 Zuhörerinnen und Zuhörer auf den Rängen ein – darunter eine Abordnung von Fischerhudern, die vom Lärmpegel des Moyn-Moyn-Szenefestivals betroffen sind und am Rande rechtliche Schritte gegen die Oytener Planungen ankündigten.

Der Backsberg spaltet auch die Kommunalpolitik in zwei Lager. Der Gemeinderat debattierte fast zwei Stunden in aufgeheizter Stimmung, und Vorsitzender Günter Block-Osmers (SPD) musste gefühlsgesteuerte Redner wiederholt zur Ordnung rufen.

Zu Beginn hatte Sprecher Raetz erneut um Rückhalt für das Vorhaben der Festivalmacher geworben, die damit auch Rechtssicherheit schaffen würden für die traditionellen Veranstaltungen am Backsberg – wie Lanz-Bulldog-Treffen, Mounted Games, Oldtimer- und Motorradtreffen. „Unser Ziel heute ist, starten zu können mit der Planung für die Umgestaltung der Fläche und der Schaffung der rechtlichen Grundlagen“, sagte Raetz an den Rat gewandt. Die Investition lohne sich für Abro aber nur mit einer zweiten Veranstaltungsfläche, größeren Parkplatz- und Campingflächen sowie deutlich höheren Festivalbesucherzahlen. Sollte der Umweltbericht gegen einen zweiten Bühnenbereich im Wäldchen sprechen, sei dieser „natürlich gestorben“, so Raetz, „aber wir sind da vorsichtig optimistisch“.

„Verabschiedet“ habe man sich schon von der Option zusätzlicher Erweiterungsflächen jenseits der Kreisstraße. Für die planungsrechtliche Absicherung lediglich der bisherigen Veranstaltungsflächen stünde Abro als Investor jedoch nicht zur Verfügung, untermauerte Raetz.

Eine Alles-oder-nichts-Entscheidung wollte sich Bürgermeisterin Sandra Röse nicht aufzwingen lassen: Der Rat könne durchaus eine kleinere Variante des Festgeländes beschließen, darüber auch mit anderen Veranstaltern verhandeln oder die Planung selbst in die Hand nehmen. Für dieses Jahr seien das Lanz-Bulldog-Treffen und das Moyn-Moyn-Festival genehmigungstechnisch noch gesichert: „Wir haben also keinen Druck und noch Zeit“, sagte die Gemeindechefin.

Die CDU wolle den Status quo erhalten und die Traditionsveranstaltungen sichern, erklärte Fraktionsvorsitzender Dr. Kai Grönke: „Wir unterstützen nur eine kleine Lösung. Wir wollen keine weiteren Eingriffe in die geschützte Wiesenlandschaft und keine zusätzlichen Immissionen.“ Auch die FDP sei „von der großen Variante nicht überzeugt“, sagte Vorsitzender Thomas Ceglarek-Brockshus. Deren Auswirkungen würden die Bevölkerung überstrapazieren.

Die Sozialdemokraten wollen dagegen im Interesse der (Jugend-)Kultur „die Chance der Planung nutzen, um herauszufinden, was überhaupt möglich ist am Backsberg“, begründete Fraktionschef Volker Schröder die Zustimmung der SPD. Dem schloss sich Grünen-Sprecher Björn Meyer an: „Wir wollen nichts blockieren, sondern Chancen ausloten und am Ende des Prozesses sehen, was geht.“

Mit 15:14 Stimmen gab der Gemeinderat grünes Licht für die Abro-Pläne. Zünglein an der Waage war an dem Abend CDU-Vertreter Michael Endress, der mit SPD und Grünen stimmte.

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