AUS DEM GERICHT Mit 500 Kilo Haschischplatten erwischter Drogenfahrer verurteilt

Sechs Jahre Gefängnis statt Kurierlohn

Im doppelten Boden eines Kleinlasters waren die Haschischplatten versteckt. Der Fahrer wurde jetzt zu sechs Jahren Haft verurteilt.
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Im doppelten Boden eines Kleinlasters waren die Haschischplatten versteckt. Der Fahrer wurde jetzt zu sechs Jahren Haft verurteilt.

Oyten / Verden – Ein halbes Jahr, nachdem der Zoll bei einer Fahrzeugkontrolle auf dem Parkplatz Thünen an der A1 bei Oyten rund 500 Kilogramm Haschischplatten in einem Kleintransporter sichergestellt hat, ist der Fahrer jetzt am Landgericht Verden zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Der 40-Jährige wurde wegen unerlaubter Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge und Beihilfe zum Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge schuldig gesprochen. Das Hauptzollamt Bremen hatte nach dem Fund der Drogen deren Straßenverkaufswert damals auf rund vier Millionen Euro beziffert.

3000 Euro hätte der 40-Jährige nach eigener Aussage bei seiner Ankunft in Hamburg erhalten sollen. Doch das Einzige, was ihm die Tat eingebracht hat, ist ein Platz in einem deutschen Gefängnis. Dort sitzt er seit dem Drogenfund in seinem Transporter bei der Verkehrskontrolle am 10. März dieses Jahres.

Von einem Bekannten aus seiner polnischen Heimat will der Angeklagte, der sich zuletzt viel in Schweden aufgehalten hatte, als Fahrer angeheuert worden sein. Zu dem Zeitpunkt sei er in Spanien gewesen und habe sich für die Tat nach Luxemburg begeben. Dort habe er den Transporter mit dem doppelten Boden übergeben bekommen. Was für eine Fracht er an Bord hatte, sei ihm bekannt gewesen, nur die Menge nicht, sagte der 40-Jährige.

An dem Verpackungsmaterial des Haschisch wurden keine DNA und keine Fingerabdrücke des Angeklagten gefunden. Es gebe somit „keine Hinweise, dass er tiefer außer als Transporteur darin verstrickt war“, sagte der Vorsitzende Richter Carsten Hauschildt. „Er musste aber davon ausgehen, dass ein Weiterverkauf beabsichtigt war“, hieß es in der Urteilsbegründung. Der THC-Wirkstoffgehalt bei dem Haschisch habe 142,71 Kilogramm betragen. „Eine bemerkenswert große Menge“, stellte der Vorsitzende Richter fest. Dass der 40-Jährige noch 3,7 Gramm Amphetamin zum Eigenkonsum dabei hatte, fiel beim Strafmaß nicht mehr sonderlich ins Gewicht.

Der Mann ist polnischer Staatsbürger und lebte 2019 in Schweden. Schwedische Kennzeichen hatte der Renault Master, mit dem er unterwegs war. Der Tatvorwurf, dass dieser nicht pflichtversichert war und der 40-Jährige keine gültigen Führerschein hatte, wurde eingestellt.

Die Ladefläche hatte einen doppelten Boden als Versteck für die Haschischplatten. Das war bei einer allgemeinen Kontrolle des Zolls auf dem A1-Rastplatz Thünen entdeckt worden. Den Beamten waren Unregelmäßigkeiten auf dem Fahrzeugboden aufgefallen, und nach Entfernen eines Teppichs sowie zweier festgeschraubter Sperrholz- beziehungsweise Blechplatten waren die Drogen zum Vorschein gekommen.

Positiv wertete das Gericht, dass der Angeklagte nicht vorbestraft ist und geständig war. Nur zu seinen Auftraggebern sagte er nichts – was keine Überraschung war. „Dass Angeklagte mehr Angst vor anderen haben als vor der Justiz, das tritt häufiger auf“, merkte Richter Hauschild an.

Der Angeklagte will zudem aus Geldnot gehandelt haben. Wie er aussagte, wollte er eine Behandlung seiner schwer erkrankten Lebensgefährtin finanzieren. „Wenn man es sich als Waage vorstellt“, so erklärte der Richter nach der Urteilsverkündung, würden auf der Kontra-Seite die 500 Kilo Rauschgift liegen. Das könnten die zugunsten des Angeklagten gewerteten Umstände auf der anderen Seite nicht aufwiegen. Deshalb sei dies kein minderschwerer Fall.

Die Voraussetzungen für eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt lagen nicht vor. Von einer Sperrfrist zur Wiedererteilung einer Fahrerlaubnis wurde abgesehen. Diese sei auch nicht notwendig, verdeutlichte Hauschildt: „Der Angeklagte wird ohnehin in den nächsten Jahren nicht in der Lage sein, ein Fahrzeug zu führen. Weil er sich in Haft befindet.“

Von Wiebke Bruns

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