Sporttaucher Jörg Rafalski aus Oyten wird für Lebensrettung von Ministerium ausgezeichnet

Der Schutzengel vom Kreidesee

Jörg Rafalski mit Urkunde und Rettungsmedaille. Er rettete einen jungen Kollegen aus dem Kreidesee, der als Tauchrevier wegen seiner guten Sicht beliebt ist – aber auch als nicht ungefährlich gilt.Foto:s Woelki / Imago-Images

Oyten - Von Tobias Woelki. Den Tag im Juli vergangenen Jahres wird Jörg Rafalski nie vergessen. Es war an einem Sonntag. Als Jörg Rafalski an dem Morgen aufwachte, ahnte er noch nicht, dass er nachmittags dramatische Stunden erleben und einem Menschen das Leben retten würde.

Für seine Rettungstat unter Lebensgefahr im Sommer des vergangenen Jahres im Kreidesee in Hemmoor (Kreis Stade) erhielt der Oytener Lebensretter jüngst bei einer Feierstunde im Lilienthaler Rathaus die Rettungsmedaille des Niedersächsischen Ministers für Inneres und Sport. Überreicht wurde die Auszeichnung vom Lilienthaler Bürgermeister Kristian Tangermann im Beisein der Oytener Bürgermeisterin Sandra Röse, der Ehefrau Christine Rafalski und der Tochter Chantal sowie des geretteten Yannick Sachs und seiner Eltern. Es ist das erste Mal, dass ein Bürger aus der Gemeinde Oyten die Rettungsmedaille verliehen bekommen hat.

Jörg Rafalski ist begeisterter Sporttaucher. Mit dem Lilienthaler Yannick Sachs, ebenfalls ein begeisterter junger Taucher, fuhr er nach Hemmoor zum Kreidesee, bundesweit ein bekanntes Taucherziel. „Das Tauchen im Kreidesee ist immer ein besonderes Erlebnis. Der See ist tief und das Wasser durch den Kreidegehalt klar, aber kalt.“ Die Lufttemperatur lag bei 27 Grad Celsius, die Wassertemperatur bei zehn bis 14 Grad Celsius. An zahlreichen Punkten im See befinden sich Gegenstände wie etwa ein Flugzeug, das Modell eines weißen Hais oder ein Rüttelwerk in zehn Metern Tiefe oder mehr. Die beiden Taucher rüsteten sich an dem Tag aus, kontrollierten ihre Pressluftflaschen und tauchten gemeinsam für je 30 Minuten in den See ab.

„Beim dritten Tauchgang am späten Nachmittag nach einer halben Stunde signalisierte mir Yannick per Handzeichen, dass er Probleme mit dem Trommelfell hat. Wir stiegen von 14 Meter Tiefe auf zehn Meter Tiefe auf. Yannick geriet auf einmal in Panik. Er zappelte herum und griff nach meinem Inflater-Schlauch an der Tauchausrüstung“, erinnert sich Jörg Rafalski. „So ein Schlauch pumpt sich extrem schnell auf, und wir schossen wie Korken aus dem Wasser“, schildert er die Situation und bekommt dabei immer noch eine Gänsehaut, wie er sagt.

Der Druckunterschied, der auf der Lunge und auf dem Trommelfell lastet, ist extrem. In dieser Situation reagierte Jörg Rafalski intuitiv und zog seinen jungen Tauchpartner sofort wieder ins Wasser in zehn Meter Tiefe, in der Taucherszene russische Dekompression genannt. „Mit Körper- und Blickkontakt versuchte ich Yannick zu beruhigen und schleppte ihn unter Wasser zu einem Noteinstieg. Yannick zappelte immer noch. Wir stiegen auf. Oberhalb des Wassers rief ich um Hilfe“, so Jörg Rafalski. „Fünf Leute haben uns gesehen und sind am Ufer vorbei gegangen. Der Sechste, ein Helfer der DLRG, reagierte richtig, und alarmierte die Rettungsleitstelle. „Allerdings hat die Rettungskette nicht gut funktioniert, kam der Notarzt erst eine Stunde später bei uns an. Als Taucher habe ich eine Taucherversicherung, bei der ich nach einem Ereignis anrufen kann und der Taucherarzt am anderen Ende der Leitung die notwendigen Schritte einleitet. Weil ich aber kein Handy dabei hatte, wurde mir das verwehrt, wieso auch immer“, so Rafalski.

Ein Rettungswagen brachte Yannick und Jörg Rafalski, der nach der Rettungstat vollkommen entkräftet war, nach Stade in eine Hals-Nasen-Ohren-Klinik. Auch hier in der Klinik lief nicht alles glatt: Der diensthabende Arzt war mit der Situation überfordert. „Ich habe immer wieder darauf gedrängt, dass Yannick nach dem Tauchunfall in eine Dekompressionskammer gehört, um Folgeschäden auszuschließen“, sagte Rafalski. Um 2 Uhr nachts befand sich Yannick acht Stunden nach dem Unfall in einer solchen Kammer in Hamburg. Nach einwöchigem Klinikaufenthalt und x-maligem Gang in die Dekompressionskammer durfte Yannick Sachs das Krankenhaus verlassen.

„Das Ereignis hat mich noch Tage danach beschäftigt“, räumt der Oytener ein. Und schiebt hinterher: „Denn zuvor ließ ich mich bei einem Tauchertreff zum Master Diver ausbilden, eine wichtige Ausbildung für Sporttaucher, in der das richtige Verhalten in Notsituationen geübt wird.“ Somit hieß der Schutzengel, der Yannick Sachs an diesem Tag begleitete, Jörg Rafalski.

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