Schné-Ensemble begeistert mit Live-CD-Konzert in Ottersberger Tonstudio

Bewegend wie ein weißer Wintereinbruch

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Das Schné Ensemble präsentierte sich im Ottersberger Tonstudio „Hire“ musikalisch gesehen professionell, aber auch voller Frohsinn und Leichtigkeit.

Ottersberg - Von Bettina Diercks. Genauso berührend wie richtiger Schnee, nicht so kalt und leise zwar, aber genauso prickelnd. Wie ein weißer Wintereinbruch bewegt die Sängerin „Schné“ (Henrike Krügener) ihre Zuhörer. Doch nicht nur sie, ihre Musikerkollegen des gleichnamigen Ensembles stehen ihr in nichts nach.

Treffpunkt war am Sonntag das Tonstudio „Hire“ in Ottersberg. Dorthin hatte Ingo Höricht eingeladen. Der Komponist und frühere Konzertmeister begeisterte an Violine, Viola und Gitarre. Und dadurch, dass er nahezu alle Titel des Schné Ensembles komponiert.

Überraschend groß ist das Tonstudio von Christian Mayntz, das sich zu Beginn des Konzertes schummrig dem Publikum präsentiert. Eingespielt werden soll eine Live-CD und -DVD, daher ist am dritten Advent ausdrücklich Publikum erwünscht. Etwa 60 Sitzplätze fasst der Akustikraum, der mit einer kleinen Bühne bestückt ist. Sie ist mit rotem Molton, einem Akustikstoff, eingefasst. Von Schné einmal abgesehen, tritt das Ensemble in schwarz und rot auf die Bühne. Ohne dass ein Ton erklingt, nehmen die Musiker den Raum ein. Die Stimmung des Publikums ist fröhlich gespannt.

Und dann? Wickelt das Ensemble die Zuhörer buchstäblich ein, vorneweg die Leadsängerin, die mit einer faszinierenden Vielfalt an Klangfarben umschmeichelt. Mal groovig, mal jazzig (zum Beispiel in „Don‘t cuddle up“), mal mehr Pop – in ganz eigener Stilart –, dann wieder eher Chanson, zigeunerhaftes und sogar Tango ist herauszuhören. Mit jedem Stück liefert das Ensemble eine Überraschung. Dabei sind die Texte, egal ob englisch, französisch oder deutsch, oftmals voller Sensibilität und durchaus mal verzehrend.

So wirkt in einigen Stücken die Körpersprache von Schné: Wie verzweifelte Flügelschläge, hingebungsvoll, leidend oder bekräftigend – je nach Inhalt des Songs. Denn natürlich drehen sich viele Stücke um Leben, Liebe, Schmerz und tiefgründige Gedanken, die Schné in einer ganzen eigenen Sprache formuliert. Mal nur gehaucht, aber immer alles ganz klar im Ton und ganz tief unter die Haut gehend sowie die Synapsen anstoßend. Vieles erweist sich als sehr poetisch oder lyrisch, zum Dahinschmelzen und Mitfühlen.

Für lyrische Vertonungen ist das Schné Ensemble allerdings längst bekannt. Mit großer Intensität und Liebe zum Detail setzten die sechs Musiker Werke von beispielsweise Bertolt Brecht und Rainer Maria Rilke musikalisch um.

Dennoch wirkt nichts, was das Ensemble darbietet, wirklich bekannt, sondern überrascht immer wieder. Beispielsweise der Einsatz an der Schreibmaschine in „Crazy Waltz“ von Bassist David Jehn, der dabei von Höricht und Mariska Nijhof begleitet wird. Letztere überzeugte am Akkordeon, obwohl sie niemals bewusst den Kontakt zum Publikum suchte.

Zwar unscheinbar in der Ecke am Piano sitzend, aber gut zu hören, der Mann an den Tasten: Michael Berger, mit internationaler Erfahrung und viel Jazz im Blut, zeigte sich gefühlvoll am Klavier. Matthias Schinkopf, der schon mit Joe Cocker arbeitete, beeindruckte mit seiner Vielseitigkeit: Mal Percussion, dann wieder Klarinette oder Saxophon, alles immer mit viel Ausstrahlung und eigenem Charisma.

Der Musikstil des Schné Ensembles lässt sich kaum einordnen oder gar festzurren. Sie überzeugt und gefällt, macht Gänsehaut und glücklich.

Offen ist derzeit noch, wann die Live-DVD erscheint, für deren Aufnahme die gut 60 Gäste ihren Applaus (für den Ton) und ihre Anwesenheit (für die Video-Mitschnitte) spendeten.

Und, wem „Schné“ bekannt vorkommt: Sie hat das Bundesland Bremen beim Bundesvision Song Contest 2012 vertreten und belegte Platz 13 von 16.

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