Schluss mit wilder Durchfahrt

Schranke bremst Autos und Quads im Königsmoor in Oyten aus

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Eine Schranke bremst seit gestern Auto-, Motorrad- und Quadfahrer aus, die bislang den Weg durchs Königsmoor als illegale Durchfahrt nutzten. Die Sperre initiierten die Oytener Landschaftspfleger „Wühlmäuse“ (Bild) in Kooperation mit der Gemeinde.

Oyten - Das Schild an dem Wirtschaftsweg, der in Oyten von der Straße Am Berg vis à vis der Lienertstraße in die Oyter Heide im südlichen Königsmoor führt, ist verbindlich: Durchfahrt für die Allgemeinheit verboten. V

iele Autofahrer, Quad- und Motorradfahrer interessiert das aber nicht. Sie brausen auf dem für für sie gesperrten Weg durch das Landschaftsschutzgebiet Richtung Bremer Panrepel, fuhrwerken auf Grünflächen herum, schrecken die Tierwelt auf. Und wenn es ganz schlimm kommt, werden Anhängerladungen voll Müll oder Grünabfall illegal entsorgt. Damit soll jetzt Schluss sein: Initiiert von den „Wühlmäusen“, Oytens ehrenamtlichen Landschaftspflegern, unterbindet seit gestern eine Schranke die Durchfahrt.

Gemeinde bewilligt 1.200 Euro

Nach Gesprächen und einer Ortsbegehung mit Gemeindeverantwortlichen hatten die „Wühlmäuse“ einen offiziellen Antrag an die Gemeinde Oyten gestellt, in der Oyter Heide die illegale Durchfahrt durch das Moor mit einer Schranke dauerhaft zu verhindern. Die Gemeinde bewilligte 1.200 Euro für die Anschaffung der Sperre – und die „Wühlmäuse“ griffen mit acht Leuten zum Spaten und installierten in Eigenleistung die Schranke, für die Befugte wie Landwirte oder Jagdpächter einen Schlüssel haben. Die stabile Metallkonstruktion ist nicht aus den Angeln zu heben, und damit Crossfahrer sie auch nicht seitlich umfahren können, wurden Rohre in die Erde gesetzt.

Sachkompetenz, Professionalität, Herzblut

„Die Schranke ist ein absoluter Gewinn für dieses Natur- und Erholungsgebiet. Man glaubt gar nicht, wie befahren der Weg war. Wenn die Autobahn gesperrt war, wurde er als Abkürzung zum Weserpark genutzt. Quadfahrer haben Extrarunden über die Wiesen gedreht und laut knatternde Geländemotorräder sind hier durchgejagt, dass man nur den Kopf schütteln konnte“, sagt Erhard Hopert, Sprecher der „Wühlmäuse“, die mit ihrem freiwilligen Engagement die Arbeit von Kurt Hormann fortsetzen, der vor vielen Jahren die Gruppe als „Rentnergang“ gegründet hatte.

Von dem enormen Einsatz der Herrenriege, die Woche für Woche mit großer Sachkompetenz und Professionalität und mit ganz viel Herzblut in der Oytener Landschaft zu Werke geht, zeugt der Tätigkeitsbericht der „Wühlmäuse“ für das vergangene Jahr. In einer bildreichen Power-Point-Präsentation stellte Erhard Hopert vorige Woche im Umweltausschuss des Gemeinderates die 2017 realisierten Projekte und Maßnahmen vor. Für ihren unentgeltlichen Einsatz zum Wohle der Natur – und damit auch der Lebensqualität der in Oyten wohnenden Menschen – ernteten Hopert und seine „Wühlmäuse“ nach dem flotten Vortrag großen Beifall von der Politik.

Blühstreifen und Storchennest in Planung

In der Tat lässt die Bilanz staunen: An 20 Einsatzstellen zwischen dem Stillen Dreieck im Westen, dem Hölschenteich im Norden, Am Holze im Osten und der ehemaligen Raketenstation im Süden wurden gemeindeweit Hecken gepflanzt, Feuchtbiotope freigemäht, Flächen entkusselt, Obstbäume gepflegt, Nistkästen installiert. Im Wiesenpark entstand ein großes Insektenhotel und in der Oyter Heide wurde durch Ausstreuen von Mähgut die Heidefläche ausgeweitet. Nebenbei betreuen die „Wühlmäuse“ Umweltprojektaktivitäten der IGS-Schüler.

Aufbau eines Storchennests geplant

Nach der am Donnerstag in Betrieb genommenen Durchfahrtssperre haben die „Wühlmäuse“ nun das nächste Vorhaben fest im Blick: den Aufbau eines Storchennests auf einer Wiese in der Oyter Heide. Das umflochtene Rad für das Nest ist bereits fertig, der Stamm vorbereitet – sobald die Bodenverhältnisse es zulassen, wird das Konstrukt aufgestellt. Bauweise und Standort wurden in Absprache mit dem Storchenbetreuer des Landkreises gewählt: „Er hat den Mast und den Standort inspiziert und für vielversprechend befunden. Vielleicht klappt es ja, dass sich hier Störche ansiedeln“, hoffen Hopert und seine „Wühlmäuse“. Weitere für 2018 geplante Aktivitäten sind – neben den regelmäßig anfallenden Aufgaben – das Anlegen eines Blühstreifens in der Oyter Heide, der mit einer für diesen Standort sorgsam ausgewählten Saatmischung die Größe und Vielfalt der Insektenpopulationen fördern soll, sowie die Betreuung einer Bachelorarbeit über das Sietmoor, die eine Studentin in Planung hat.

Immer auf der Suche sind die „Wühlmäuse“ übrigens nach neuen geeigneten Flächen für die Anlage von Blühstreifen, Hecken und Streuobstwiesen. 

kr / pee

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