Wie Bildungseinrichtungen in Oyten den eingeschränkten Regelbetrieb meistern

Schichtwechsel an der Grundschule

Die Grundschule Oyten ist aktuell eine von vier Schulen, an der die Hälfte der Klassen nur jeden zweiten Tag die Schule betritt.
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Die Grundschule Oyten ist aktuell eine von vier Schulen, an der die Hälfte der Klassen nur jeden zweiten Tag die Schule betritt.

Oyten – Die zweite Welle ist da: Ab Mittwoch befinden sich alle vier Oytener Schulen im Szenario B, verlautete am Dienstagabend im Schulausschuss. „Die Corona-Situation an den Schulen hat sich nach den Herbstferien leider verschärft“, sagte Daniel Moos, Fachbereichsleiter Zentrale Dienste. Darum läuft der Präsenzunterricht momentan an allen drei Grundschulen und der Integrierten Gesamtschule (IGS) im Schichtsystem. Das erfordert viel Organisationsarbeit. Wie gehen die Schulen damit um und wie gut sind sie auf diese Form des Unterrichts vorbereitet?

Montag ist die Grundschule Oyten vom Regelunterricht (Szenario A) zum umschichtigen Unterricht (Szenario B) gewechselt. „Alle drei Grundschulen organisieren das tageweise“, sagt Elke Pawellek, Schulleiterin der Grundschule Oyten. Heißt: Die eine Hälfte der Klasse lernt in der Schule, die andere zu Hause. Am nächsten Tag ist Schichtwechsel.

Zusätzlich bieten die Schulen Notbetreuung an für Kinder von Eltern mit systemrelevanten Berufen und Kinder, die aus anderen Gründen nicht zu Hause betreut werden können. „Das nutzen bei uns sehr viele“, erzählt Pawellek. Bis mittags befinden sich rund 20 Schüler in der Notbetreuung, dann kommen bis 14 Uhr noch einige hinzu. „Das Problem ist, wir müssen ja versuchen, die Gruppen möglichst klein zu halten, aber dafür steht uns kein Klassenraum zur Verfügung.“ Also sitzen die Kinder in der Aula, und dort sei es zugig. „Ich habe Verständnis für die Eltern, aber die Kinder tun mir leid“, so Pawellek.

Damit im Krankheitsfall nicht gleich ein großer Teil des Kollegiums wegbricht, unterrichten in den unteren Stufen zurzeit höchstens zwei Fachkräfte in einer Klasse. „Bei den Großen aus der 3. und 4. Klasse sind es drei Lehrer. „Ich möchte den Fachunterricht, zum Beispiel in Englisch, weitgehend aufrechterhalten“, erläutert die Rektorin den Zwiespalt.

Einen täglichen Spagat stelle auch der Umgang mit Ängsten dar, weiß die Schulleiterin. „Einerseits möchte man, dass die Kinder trotz der Pandemie ihrem Alter entsprechend unbefangen sind, andererseits müssen sie trotzdem die Abstandsregeln einhalten.“ Statt Ängste zu schüren, sei es daher sinnvoller, den Kindern nahezulegen, dass sie Rücksicht auf andere nehmen. „Kinder, die bei uns positiv getestet waren, wiesen gar keine oder nur leichte Symptome auf“ – sei eine Tatsache, die oft schon von sich aus beruhige. „Wichtig ist, Kindern bei Bedarf den Raum zu geben, über ihre Befürchtungen zu sprechen.“

An der Grundschule Sagehorn herrscht seit gestern das Wechselmodell, informiert die Bildungseinrichtung auf ihrer Homepage. „Liebe Eltern der Schule, bitte beachten Sie, dass wir ab morgen, 11.11.2020, den Unterricht im Szenario B durchführen werden“, heißt es da. Angefügt sind Links zu „allen relevanten Informationen zum Szenario B im aktuellen Elternbrief“, ein Übersichtsplan zum Ausdrucken für Szenario B sowie „alles weitere zu Corona und Schule“. Eine persönliche Stellungnahme der Schulleitung lag bei Redaktionsschluss nicht vor.

Auch die Grundschule Bassen hatte zwei Quarantäne-Klassen, kann aber bald wieder ins Szenario A wechseln. Eine Klasse ist laut Rektor Volker Penczek schon gestern zurückgekommen, die andere soll nächste Woche Dienstag folgen. „Wir hoffen natürlich, dass es nicht wieder auftritt.“ Bis dahin läuft das Schichtsystem noch. Derzeit verbringt also jeweils eine Klassenhälfte ihren Tag in der Schule, „die andere ist zu Hause mit Aufgaben betraut“, so Penczek. Dass die Situation die Schüler noch ängstige, sieht Penczek nicht: „Wir haben ja schon eine Zeit lang mit dem Thema zu tun und Aufklärung gehört daher zum Unterricht.“

Obgleich die IGS-Schüler durch die Umstellung auf Szenario B oft gemeinsam mit den Grundschülern gegen 13 Uhr (statt sonst 15 Uhr) in den Schulbus steigen, sind die Schulbusse laut Pawellek nicht überfüllt. „Wir würden uns aber vonseiten der Busfahrer mehr Aufmerksamkeit wünschen, damit die Schüler die Maskenpflicht auch im Bus konsequent einhalten.“ An der Grundschule Bassen gibt es laut Penczek eine Busaufsicht, die Schüler zumindest an den Haltestellen auf das Tragen eines Mund-Nasenschutzes hinweist.

Durch den bundesweiten Digitalpakt an Schulen hat in Oyten übrigens jede Grundschule 25 mobile Endgeräte (Laptops oder Tablets) erhalten. Diese Leihgeräte sind für Schüler, die sich zu Hause sonst nicht mit der Schule über das Internet verbinden könnten. Derzeit warten die Bildungseinrichtungen darauf, dass die Geräte von einer Spezialfirma eingerichtet werden. Auch CO2-Messgeräte will die Gemeinde den Schulen zur Verfügung stellen. Denn die CO2-Konzentration könne sich je nach Größe und Lage eines Raums unterschiedlich schnell verbreiten. „Das ist fürs richtige Lüften schon sinnvoll zu gucken“, findet Elke Pawellek.

Bereits 2020 bekam die Gemeinde durch den Digitalpakt für Schulen (also ohne Eigenanteile) 90 Geräte bewilligt, berichtete Daniel Moos im Fachausschuss. Als weitere Aufträge zur Digitalisierung sieht Moos die Erweiterung des W-Lan und mobiler Endgeräte sowie die Anschaffung von Active Panels für die IGS: „Denn das Home-Schooling geht weiter.“

Insgesamt hat der Bund im Rahmen des Digitalpakts 604 877 Euro für alle vier Oytener Schulen zur Verfügung gestellt. Das Geld muss die Gemeinde zunächst vorstrecken, denn der Abruf der Mittel ist erst am Ende möglich, wenn alle im Antrag aufgelisteten Geräte vollständig angeschafft sind.

Von Lisa Duncan

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