Fischerhuder Bäckerei investiert vier Millionen Euro in zukunftsfähigen Produktionsstandort

Sammann backt ab Sommer in Oyten

Die Geschäftsführer Justin (li.) und Volker Sammann verlagern die Produktion ihrer Wümme-Bäckerei von Fischerhude nach Oyten. Für den Ausbau eines zukunftsfähigen Standorts mit verdreifachter Produktionsfläche haben Sammanns im Gewerbepark an der Autobahn in direkter Nachbarschaft der Oytener „Sam“-Filiale (links) die Halle der früheren Industriebuchbinderei Runge (im Hintergrund) gekauft.
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Die Geschäftsführer Justin (li.) und Volker Sammann verlagern die Produktion ihrer Wümme-Bäckerei von Fischerhude nach Oyten. Für den Ausbau eines zukunftsfähigen Standorts mit verdreifachter Produktionsfläche haben Sammanns im Gewerbepark an der Autobahn in direkter Nachbarschaft der Oytener „Sam“-Filiale (links) die Halle der früheren Industriebuchbinderei Runge (im Hintergrund) gekauft.

Oyten – Die Wümme-Bäckerei Sammann aus Fischerhude, die im Stammhaus an der Landstraße aus allen Nähten platzt, verlagert ihre Produktion nach Oyten. Für den Ausbau eines zukunftsfähigen Produktionsstandorts haben die Geschäftsführer Volker und Justin Sammann im Gewerbepark an der Autobahn die Halle der früheren Industriebuchbinderei Runge gekauft.

Die liegt in direkter Nachbarschaft zur Oytener Filiale von „Sam urban food“, wie Sammanns Bäckergastronomie heißt, und bietet auf 2000 Quadratmetern Platz für optimierte Arbeitsprozesse mit modernster Ofen- und Kühltechnik. Rund vier Millionen Euro investiert Sammann eigenen Angaben zufolge in Kauf und Ausstattung des neuen Produktionsstandorts, der zur Jahresmitte bezugsfertig sein soll.

Die erst 2013 gebaute Halle „ist wie für uns gemacht“, schwärmt Volker Sammann, der mit seinem Sohn Justin das Fischerhuder Familienunternehmen von 1831 in sechster und siebter Generation führt. Mit den neuen Räumen in Oyten „verdreifachen wir unsere Produktionsfläche“, sagt Sammann. Am beengten Standort Fischerhude seien die Erweiterungskapazitäten der bereits zweimal um- und ausgebauten Backstube endgültig erschöpft.

Als Volker Sammann vor fast 25 Jahren von seinem Vater die Leitung des traditionsreichen Handwerksbetriebs übernahm, in dem Bruder Joachim als Bäcker- und Konditormeister tätig ist, „bin ich mit sieben Leuten angefangen“. Heute hat Sammann nach seinen Worten 160 Beschäftigte, betreibt neun „Sam“-Filialen in der Region und in Bremen, macht einen Jahresumsatz zwischen sechs und acht Millionen Euro und produziert werktäglich rund 15 000 Brötchen, knapp 1000 Brote, dazu Kuchen und Mittagssnacks wie Suppen, Salate und Frikadellen. „Wir haben einen vernünftigen Betrieb aufgebaut“, sagt der Kaufmann stolz. Die erreichte Größe allerdings überfordert das räumliche Potenzial der Backstube in Fischerhude und verlangt den 25 Mitarbeitern im Produktionsprozess einige Unannehmlichkeiten ab. „Wir wollen nicht mehr jeden Tag Kompromisse machen“, sagt Justin Sammann.

Der 27-jährige gelernte Bankkaufmann tritt die Unternehmensnachfolge an, wenn sein Vater in zehn Jahren in Rente geht, und treibt als Mitgeschäftsführer die Zukunftssicherung des Betriebs voran. Vergrößerung und Modernisierung sollen nicht der Expansion dienen („neue Filialen können, müssen aber nicht dazukommen“), sondern der Qualitätssicherung in der von hohen Standards geprägten handwerklichen Lebensmittelproduktion.

„Außerdem wollen wir ein moderner, zukunftsweisender Arbeitgeber werden“, betont Justin Sammann. Durch moderne maschinelle Hilfsmittel entfielen künftig körperlich schwere Tätigkeiten und durch die Zentralisierung von Lager und Fertigung einige lange Wege. Vor allem aber könne die Produktion in den Tag verlegt und die Nachtarbeit damit deutlich reduziert werden: „Jetzt sind nachts zwölf Leute da, dann werden es nur noch umschichtig vier sein.“ Denn nachts wird am neuen Standort nur noch gebacken – gefertigt werden können die Teiglinge dank neuer Kühltechnik tagsüber. Die Ruhezeit bis zum Backen sei sogar der Geschmacksentfaltung förderlich, sagt Volker Sammann, und durch enzymische Prozesse während der Teigreife würden beispielsweise Weizenmehlprodukte für viele bekömmlicher.

Mit attraktiven Arbeitsbedingungen wollen Sammanns auch verstärkt um Nachwuchs für das Bäckerhandwerk werben: „Wir wollen mehr ausbilden.“ Dafür seien am neuen Standort der Platz und die Rahmenbedingungen vorhanden.

Ein weiteres wichtiges Thema ist für Justin Sammann Nachhaltigkeit: „Klimaneutrale Kältemittel und effiziente Öfen bieten künftig ungemein viel Einsparpotenzial“, sagt er. Und begeistert beschreibt der junge Unternehmer die neue befahrbare Spülmaschine, die energetisch von der Abwärme der Öfen versorgt werde.

Pläne gibt es auch schon für die alte Backstube an der Fischerhuder Landstraße: Justin Sammann und sein älterer Bruder Kevin übernehmen die von der Unternehmensgesellschaft abgelöste Immobilie und planen eine wohnwirtschaftliche Nachnutzung: Fünf bis sechs Wohnungen sollen in dem alten Geschäftsgebäude entstehen – eine davon will Justin Sammann selber beziehen.

Von Petra Holthusen

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