Keine Entscheidung vor Kostenkalkulation

DGH Sagehorn: Tauziehen zwischen Villa Rotstein und Schützenplatz

Oyten - Die Sagehorner Dorfgemeinschaft (DGH) ist im Werden und Wachsen – angestoßen durch den losen Zusammenschluss „Wir Sagehorner“ und jüngst vertieft durch die gemeinsame Perspektivarbeit beim Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“. Jetzt braucht und will die Sagehorner Dorfgemeinschaft ein Dach über dem Kopf. Als mögliche Domizile stehen zur Debatte: die sanierungsbedürftige „Villa Rotstein“ oder ein Neubau am Schützenplatz. Welches die bessere Lösung wäre, darüber gehen die Meinungen der verschiedenen Akteure im Dorf kräftig auseinander.

„Streit in der Sache ist erlaubt“, sagt dazu Günter Block-Osmers, „aber es geht nicht um Konkurrenz untereinander im Dorf, sondern darum, den besten Weg für Sagehorn zu finden.“ Block-Osmers ist Ortsvorsteher von Sagehorn, sitzt für die SPD im Gemeinderat Oyten und führt den Vorsitz im Ratsfachausschuss für Jugend, Kultur, Soziales, Senioren und Sport (JuKSSS). Der JuKSSS machte sich in seiner gut besuchten öffentlichen Sitzung am Montagabend im Rathaus auf besagten Weg zur Sagehorner Lösung. 

Der erste Schritt: Die Politiker im Ausschuss beauftragten die Verwaltung um Bürgermeister Cordes, zunächst den Sanierungsbedarf der maroden „Villa Rotstein“ festzustellen, in der es zudem an Brandschutz und Barrierefreiheit mangelt, und das ganze mit einer Kostenkalkulation zu hinterlegen – ganz unabhängig davon, „welcher Bestimmung das Haus künftig dienen wird“, so Block-Osmers.

Bislang nutzt die Gemeinde das frühere Bahnbediensteten-Haus am Ende der Sagehorner Dorfstraße als Obdachlosen- und Flüchtlingsunterkunft. Aktuell sind 10 der 19 Plätze belegt. Auf Wunsch der Sagehorner Dorfwettbewerbs-Akteure hat die – personell teils damit identische – SPD-Fraktion im Rat beantragt, einzelne Räume der „Villa Rotstein“ der Sagehorner Dorfgemeinschaft als Treff zur Verfügung zu stellen. Hermann Wahlers (SPD/Dorfgemeinschaft Sagehorn) unterstrich in der Sitzung den Wunsch „nach einem Ort für kleinere Treffen“ und den integrativen Ansatz der gemeinsamen Nutzung des Hauses mit Geflüchteten und Obdachlosen. „Was passieren“ müsse an der Backsteinvilla so oder so: „Es ist ein schauerlicher Anblick für ankommende Bahngäste“, sagte Wahlers mit Blick auf die kommende neue Bahnstation an dieser Stelle.

Björn Meyer (Grüne) pflichtete ihm bei: „Die Villa gehört erhalten, und die Nutzung durch einen Dorfverein ginge genau in die richtige Richtung...“ CDU-Sprecher Bodo Becker dagegen schätzte den Sanierungsbedarf als derart hoch ein, dass eine Nutzung als Dorfgemeinschaftsanlage „hier sinnvoll nicht machbar sein wird“. Man müsse sich Gedanken machen über ein Sagehorner Dorfgemeinschaftshaus mit nachhaltigem Konzept – „aber nicht in der Villa Rotstein. Dann lieber versuchen, was Neues zu schaffen im Bereich des Schützenplatzes“.

Dorfgemeinschaft zeigt verschiedene Interessen

Das wäre im Sinne von Sagehorns Schützenchefin Beate Böse. Sie führt gerade mit der Gemeinde Ausgleichsverhandlungen, weil die alte Tennis(fest)halle am Schwarzen Weg, an der die Schützen ein Nutzungsrecht besitzen, für den neuen Bahnhof abgerissen werden soll. „Wir wollen dort eine neue kleine Sporthalle hinstellen – nutzbar auch als Dorfgemeinschaftshaus“, erklärte Beate Böse den Politikern. 

Für sie sei die „Villa Rotstein“ ein „Abrissgebäude – ein Schandfleck für Sagehorn“. Statt hier zu sanieren könne man lieber Geld in ein neues Dorfgemeinschaftshaus stecken, „einen zentralen Punkt in Sagehorn, wo man alles machen kann – und zwar am Bahnhof“, appellierte Böse.

Dass es „die Dorfgemeinschaft Sagehorn, die sich die Villa Rotstein als Bürgerzentrum wünscht, nicht gibt“, hatte auch Ur-Sagehorner August Benstein in einem Brief an Rat und Verwaltung behauptet. Im Gegenteil: „Die Dorfgemeinschaft Sagehorn wünscht sich ein Bürgerzentrum am Schützenplatz“, erklärt Benstein und fordert hier die „Schaffung einer Begegnungsstätte für alle Einwohner, Gruppen und Vereine“ samt „attraktivem Umfeld für den neuen Bahnhof durch Gaststätte, Kiosk, Aufenthaltsraum“.

Um Inhalte werde es erst gehen, wenn Sanierungskosten für die „Villa Rotstein“ auf dem Tisch lägen, fasste Bürgermeister Manfred Cordes das Beratungsergebnis des Abends zusammen. Zunächst werde ein Konzept benötigt, dann würden alle Sagehorner an einen Tisch geholt – und dann komme die politische Entscheidung. 

pee

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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