Beratung in Oyten

Raus aus der Schuldenfalle

+
Jede Woche direkt in Oyten vor Ort: die soziale Schuldnerberatung der Caritas. Caritas-Kreisgeschäftsführer Marc Wilhelms und Nicole Albrecht-Possehl als Koordinatorin des Caritasbereichs im Familiengarten Oyten stellten zusammen mit den Schuldnerberaterinnen Stefanie Hecht und Sonja Tusnik (v.li.) das neue ortsnahe Unterstützungsangebot für überschuldete Menschen vor. 

Oyten - 0 %-Finanzierung hier, Ratenpause da, nur drei Klicks zum einfachen Kredit. Händler und Banken machen es Konsumenten leicht, materiellen Verlockungen zu erliegen. Die aber sind oft größer als das eigene Portemonnaie. Hat sich jemand erstmal in der Schuldenfalle verfangen, gerät die Existenz ins Wanken. Wege zurück in ein schuldenfreies Leben zeigt die soziale Schuldnerberatungsstelle des Caritasverbandes im Landkreis Verden auf – ab sofort auch mit Beratungsterminen vor Ort im Familiengarten Oyten.

Bislang mussten Ratsuchende aus dem Nordkreis zur Schuldnerberatung nach Verden fahren, jetzt können für kürzere Wege auch Gesprächstermine in Oyten verabredet werden, genauer: im Generationenhaus der Caritas im Familiengarten an der Jahnstraße. Um das Angebot der Schuldnerberatungsstelle erweitern zu können, hat die Caritas eine halbe Stelle draufgesattelt. Neu im Team – und immer mittwochs vor Ort in Oyten – ist seit September Sozialpädagogin Dr. Stefanie Hecht (39), die früher schon in der Rechtsberatung tätig war und jetzt nach neun Jahren als Hochschuldozentin „wieder zurück in die Praxis“ wollte, wie sie sagt.

Sehr willkommen ist die Verstärkung der Juristin und Schuldnerberaterin Sonja Tusnik. Zehn Jahre war sie bei der Caritas im Landkreis allein zuständig für die Beratung und Hilfe für Menschen in finanziellen Notlagen, denen die Schulden über den Kopf zu wachsen drohen oder bereits gewachsen sind und die einen Ausweg aus der Verschuldung suchen und damit neue Perspektiven für ihr Leben. Beratungstermine außerhalb von Verden „waren bislang überhaupt nicht schaffbar“, sagt Sonja Tusnik und ist „glücklich, dass das jetzt möglich ist, dass wir den Nordkreis besser bedienen können“. Denn Anfragen und Fallzahlen steigen und steigen: „Es war dringend nötig, dass wir uns vergrößern.“

Damit Initialzündung nicht ins Leere läuft

Mit den Fallzahlen stiegen die Wartezeiten: Menschen mit existenzbedrohlichen Schulden, denen etwa eine Stromsperre oder Haftstrafe ins Haus steht, wird kurzfristig geholfen, ansonsten betrug die Wartezeit auf einen Termin zuletzt fünf Monate.

Seit Stefanie Hecht da ist, kann die Warteliste zügiger abgearbeitet werden. Zeitnahe Unterstützung ist wichtig, sonst geht vielen, die sich zur Hilfesuche überwunden haben, „unterwegs die Motivation wieder verloren und sie geben auf – die Initialzündung geht ins Leere“.

Neben Tusnik und Hecht gehören zum Team der sozialen Schuldnerberatung Ute Kordges als Verwaltungsfachkraft und Marsha Ertel, die als Finanzcoach Präventionsarbeit und Einzelfallberatung für Schüler und junge Erwachsene bis 27 anbietet – für ein Auskommen mit dem Einkommen von Anfang an.

Die Schuldnerberaterinnen verhandeln mit Gläubigern über Ratenzahlungen, Vergleiche und Stundungen und helfen bei außergerichtlichen Einigungsversuchen. Sie helfen aber auch, mit Geld umzugehen und bei der Haushaltsplanung, um eine neue Überschuldung zu vermeiden. Soziale Schuldnerberatung, die neben der Klärung der finanziellen Situation die der psychosozialen Situation einschließt, ist auch ein Stück Lebensberatung, bestätigt Sonja Tusnik. Wo noch nicht alles verloren und eine Privatinsolvenz damit unvermeidlich ist, hilft der Blick von außen, um wieder Ordnung und Struktur in den Finanzen zu schaffen. Die Beratung ist übrigens streng vertraulich, unterliegt der Schweigepflicht und dem Datenschutz. Jede/r kann die Beratung in Anspruch nehmen – in der Regel kostenfrei, je nach Einkommenssituation. Die Dauer der Begleitung richtet sich nach dem Bedarf – „so oft es eben nötig ist“, erklärt Sonja Tusnik.

2016 hat die Caritas-Schuldnerberatung laut Statistik 159 Männer und Frauen mit einem Durchschnittsalter von 42 Jahren beraten. 18 % von ihnen waren Alleinerziehende, 42 % der Beratenen hatten keine abgeschlossene Berufsausbildung. Von den Hilfesuchenden hatten 34 % weniger als 10 000 Euro und 39 % mehr als 50 000 Euro Schulden. Die durchschnittliche Verschuldung lag bei knapp 42 000 Euro, die durchschnittliche Schuldenanzahl bei 12 Forderungen. Hauptursache der Überschuldung war in 55 % der Fälle das Konsumverhalten, in 37 % der Fälle Arbeitslosigkeit. Längerfristiges Niedrigeinkommen durch Krankheit oder Scheidung/Trennung waren und sind weitere Hauptursachen.

„Energieschulden“ mehr als verdoppelt

Mehr als verdoppelt haben sich nach Worten von Stefanie Hecht die Fälle von „Energieschulden“: „Eine angekündigte Stromsperre ist in der Beratung Dauerthema.“ Was auch daran liegt, so ergänzt Sonja Tusnik, dass steigende Energiekosten und die Höhe von Sozialleistungen in ihrer Entwicklung nicht konform gehen. J pee

Telefonische Sprechzeiten und die Möglichkeit zu Terminvereinbarungen – auch für Beratungen in Oyten – gibt es bei der sozialen Schuldnerberatungsstelle der Caritas in Verden unter der Nummer 04231-934158 montags bis donnerstags von 9 bis 12 Uhr.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Weihnachtskonzert des Gymnasiums am Wall

Weihnachtskonzert des Gymnasiums am Wall

Neue Autos 2018: Vor allem Geländewagen kommen

Neue Autos 2018: Vor allem Geländewagen kommen

Berlin will mehr Einsatz der Finanzbranche beim Klimaschutz

Berlin will mehr Einsatz der Finanzbranche beim Klimaschutz

Berg in Regenbogenoptik: Zu Gast am Rainbow Mountain in Peru

Berg in Regenbogenoptik: Zu Gast am Rainbow Mountain in Peru

Meistgelesene Artikel

Messerstecherei: Haftbefehl gegen 30-Jährigen aus Langwedel erlassen

Messerstecherei: Haftbefehl gegen 30-Jährigen aus Langwedel erlassen

Flucht und Ankommen: Das älteste Thema der Menschheit

Flucht und Ankommen: Das älteste Thema der Menschheit

Wohnungsbrand in Verden

Wohnungsbrand in Verden

Therapie hat bei Zweijähriger aus Daverden Erfolg

Therapie hat bei Zweijähriger aus Daverden Erfolg

Kommentare