Rathaussanierung in Oyten

Mit Fahrstuhl und Datenautobahn

Der gläserne Fahrstuhl
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Der gläserne Fahrstuhl ist das Herzstück der Modernisierung des Oytener Rathauses. Der nagelneue Aufzug sorgt erstmals für Barrierefreiheit vom Keller bis unters Dach des 37 Jahre alten Verwaltungsgebäudes – sehr zur Freude auch der Ersten Gemeinderätin Cordula Schröder.

Oyten – Um das Coronavirus draußen zu halten, darf außer den Beschäftigten derzeit kaum jemand den Verwaltungstrakt des Oytener Rathauses betreten. Schade eigentlich, denn mit den Ergebnissen der baulichen Modernisierung gibt es richtig was zu sehen. In Foyer und Fluren wurden die Deckenverkleidungen in schmuddeligem Beige und Teppichböden in abgetretenem Blau abgelöst von modernen Elementen in Weiß und Grau. Glas und Edelstahl statt dunklem Holz peppen die Treppen auf. Unsichtbar sind die insgesamt 19 Kilometer Kabel, die für eine zeitgemäße Informationstechnologie und Datenverarbeitung durch die Decken gezogen wurden; unübersehbar aber ist der neue Fahrstuhl, der das Rathaus erstmals in seiner 37-jährigen Geschichte über alle vier Etagen barrierefrei zugänglich macht.

Für den Schacht des gläsernen Aufzugs neben dem offenen Treppenhaus wurde vom Keller bis unters Dach einmal vertikal durchs Gebäude gebohrt. Als der Fahrstuhl in Betrieb ging und die drei Rollstuhlfahrerinnen und -fahrer im Kollegium der Gemeindeverwaltung zum ersten Mal die oberen Stockwerke ihrer Arbeitsstätte besuchen konnten, war das für alle ein besonderer Moment, erzählen die Erste Gemeinderätin Cordula Schröder und Verwaltungsmitarbeiter Kay Böning.

Sobald das Rathaus wieder für Bürgerinnen und Bürger offen ist, werden sich auch Besucher mit eingeschränkter Beweglichkeit oder mit Kinderwagen über den Fahrstuhl freuen. Pläne für einen Aufzug waren seit 2013 im Gespräch, weiß Hochbaufachmann Böning, der die Projektleitung in Sachen Sanierung hat. Die läuft seit fast zwei Jahren unter der Prämisse „Wir wollen moderner werden“, wie Böning sagt.

Da passte es, dass in dem Zuge auch endlich der Fahrstuhl verwirklicht werden konnte. Den ersten Bauantrag 2017 hatte der Landkreis abgelehnt, weil die Genehmigungsbehörde eine DIN-Vorschrift nach Landesbaurecht als nicht erfüllt ansah. Zusammen mit dem Fischerhuder Architekten Peter Bischoff „haben wir danach wieder umgeplant und 2020 die Baugenehmigung erhalten“. Laut Böning hat die Gemeinde rund 250. 000 Euro in den Aufzug investiert und damit in die Barrierefreiheit des Rathauses. Das ist seit 1984 Sitz der Gemeindeverwaltung am Standort Hauptstraße 55 und samt Bürgersaal und Bücherei zentrale Anlaufstelle für die Oytener.

Das Thema Renovierung ploppte vor zwei Jahren auf, „als klar war: Wir brauchen ein neues Datennetz“, schildert Böning. Verwaltung wird immer digitaler und elektronischer, und „die IT funktionierte mit dem alten Netz nicht mehr“, ergänzt Vize-Verwaltungschefin Schröder. Mit der Verlegung von Glasfaserkabeln auf allen Etagen für die High-Speed-Datenübertragung starteten die Bauarbeiten. Für den Austausch des Leitungsnetzes mussten alle Flurdecken geöffnet und die alten Platten aus lungengängigen Kleinstfasern unter Atemschutz und mit Unterdruck ausgebaut werden. Das war am Anfang der Pandemie – und dass im Rathaus Menschen mit weißen Schutzanzügen zugange waren, sorgte damals für das Gerücht eines Corona-Ausbruchs bei der Gemeinde, erinnern sich Böning und Schröder noch gut.

Den neuen Deckenverkleidungen folgten neue Wandgestaltungen und in den Durchgängen Rauchschutztüren: Die schließen bei Gefahr automatisch und dürfen deshalb ansonsten einladend und barrierefrei offen stehen bleiben. In den Fluren wurden laut Böning rund 350 Quadratmeter Bodenbelag erneuert: In das graue Vinylparkett hatten sich Cordula Schröder und Bürgermeisterin Sandra Röse bei einem Besuch im Haus des Trinkwasserverbandes in Verden verliebt. Ihr Vorschlag, diesen Fußboden bitte auch in der Oytener Verwaltungszentrale zu verlegen, kam an. Böning besorgte Muster – „und dann wurde abgestimmt im Haus“. Bei diesen Dingen „dürfen alle Kollegen mitbestimmen“. Überstrahlt wird das frische Ambiente von tageslichtähnlichen LED-Leuchten.

Phase 1 der Sanierung ist abgeschlossen. Die Kosten beziffert Böning auf 460 .0000 Euro, von denen allein das neue Datennetz 200 .000 Euro verschlungen hat. Phase 2 wäre die Renovierung der Büros und Sanitäranlagen, in denen noch der 80er-Jahre-Charme vorherrscht. Dafür aber hat Finanzressortchefin Schröder angesichts der vielen kommunalen Bauvorhaben an Kitas, Schulen und Straßen bislang weder einen Zeit- noch einen Finanzplan.

Böning denkt zudem über die Erneuerung von Technik und Beleuchtung im Rathaussaal nach, die Dämmung des Obergeschosses, ein schönes Trauzimmer und einen vernünftigen Empfangsbereich: „Es gibt so einige Stellen, bei denen man aber auch ganz schnell im sechsstelligen Bereich ist.“ Und dann ist da auch noch die Raumnot im Rathaus. Mittlerweile seien die rund 45 Kolleginnen und Kollegen in den Büros eng zusammengerückt: „Alleine sitzt da keiner mehr“, sagt Schröder. Und weiterer Zuwachs wird noch erwartet.

Die Aussiedlung der Gemeindebücherei aus dem Rathaus ist bereits beschlossen. Was an dieser Stelle im Erdgeschoss, eventuell plus Aufstockung, baulich möglich ist, soll nach Erstellung des Raumbedarfsprogramms geklärt werden. Für einen Architektenwettbewerb und erste Planungskosten sind laut Schröder 50. 000 Euro im Gemeinde-Etat eingeplant.

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