„Wir müssen weg von Massen“

Wohin entwickelt sich der Milchmarkt?

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Sie geben alles für den Milchmarkt... Über die Preisgestaltung des Lebensmittels bestimmen andere.

Oyten - Momentan erhalten Milchlandwirte 33 Cent je Kilogramm Milch und damit wesentlich mehr als vor einem Jahr. Existiert die Milchkrise noch? Wohin entwickelt sich der Milchmarkt? Darüber informierte in einer Vortrags- und Diskussionsveranstaltung am Mittwoch im „Alten Krug“ in Oyten als Fachreferentin Dr. Bettina Hartwig, Leiterin der Unterabteilung Agrarmärkte im Bundeslandwirtschaftsministerium, interessierte Landwirte.

Eingeladen dazu hatten der hiesige CDU-Bundestagsabgeordnete Andreas Mattfeldt und die Landvolk-Kreisverbände Verden-Rotenburg und Osterholz.

Zu Beginn stellte der Bundestagsabgeordnete fest: „Wir reden jetzt zu einer Zeit über die Milchmarktentwicklung, die entspannt ist. Wir müssen jetzt die Entscheidungen fällen für nächste Krisen. Teile der Milchwirtschaft sind auskömmlich – wenn ich den Preis bei Butter sehe, der hoch ist.“

Drittgrößter Milchexporteur neben den USA und Ozeanien

In ihrem Vortrag erinnerte Bettina Hartwig an die Entwicklung des Milchmarktes in den vergangenen Jahrzehnten. So sei die Milchquote Mitte der 80er-Jahre als Instrument der Binnenmarktregelung eingeführt worden, um die Mengen zu regulieren. Ende der 90er-Jahre durch ein Bündel von Einflüssen sei die Unzufriedenheit bei den Milcherzeugern gestiegen: „Sie stellten die Milchquote als geeignetes Instrument, den Milcherzeugerpreis zu stabilisieren, in Frage.“

Dr. Bettina Hartwig, Leiterin der Unterabteilung Agrarmärkte im Bundeslandwirtschaftsministerium, referierte auf Einladung des CDU-Bundestagsabgeordneten Andreas Mattfeldt.

Hartwig betonte: „Neben den USA und Ozeanien sind wir der weltweit drittgrößte Milchexporteur. Damit bestimmen wir ein Stück den Weltmarktpreis der Milch mit.“ So entwickelte sich der Milchpreis seit 2007 in zahlreichen Preishöhen und -tiefen stetig nach oben. „Durch das Russland-Embargo und weil China weniger Magermilchpulver kaufte, stürzte der Milchpreis in 2015/16 ab. In dieser Milchkrise halfen die Bundesregierung und die EU der Milchwirtschaft mit 581 Millionen Euro an Staatshilfen, was ein politischer und ein finanzieller Kraftakt war, dieses Geld zur Verfügung zu stellen“, sagte die Referentin. Und schob nach: „Nicht bei jeder Krise können wir solche Geschütze auffahren. Ein Bündel von Maßnahmen hat den Milchpreis wieder nach oben geführt.“

Preis soll weiter stabilisiert werden

Um den Milchpreis weiter zu stabilisieren, „müssen wir vier Kernpunkte thematisieren“, betonte Hartwig. Da müsse erstens die Gestaltung der Lieferkontrakte zwischen Milcherzeugern und Molkereien betrachtet werden. „Ein Mehr an Mengen beeinflusst den Weltmarkt. Nur der Export bringt es nicht, weil wir gnadenlos in diesem Mechanismus hängen, sondern ein Export mit einer Wertschöpfung“, so Hartwig.

Zweitens müsse das System der nachträglichen Preisfestsetzung überdacht werden. Hier fand die Fachreferentin: „Lieferrechte müssten durch ein Preis-Mengen-Verhältnis ersetzt werden. Wir müssen weg von Massen hin zu einer qualitätsorientierten Strategie, mit der wir in den Weltmarkt gehen.“ Zudem empfahl die Ministeriumsvertreterin: „Die Milchbranche muss stärker in das Warenmanagement gehen. Und ich finde, Direktzahlungen führen zu einem Teil der Stabilisierung.“

„Höhere Veredelung“ der Milch vorgeschlagen

„1,79 Euro für ein Stück Butter ist ein hoher Preis. Es kann nicht angehen, dass wir hier in Mengen ersaufen und sie in Drittländer exportieren, wo die Milch zu 14 Cent verarbeitet wird.“ Bettina Hartwig schlug „eine höhere Veredelung der Milch“ vor und „Innovationen voranzutreiben“.

Das ständige Auf und Ab des Milchpreises werde bleiben, glaubt sie. Mit den hohen Schwankungen müsse man leben, die aber mit Warenterminbörsen gedämpft werden könnten, so Hartwig.

woe

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