Metallische Störfunde auf Bahnbaustelle könnten Kriegsmunition sein / Montag Freilegung

Plan für mögliche Evakuierung steht

Auf der Bahnbaustelle in Sagehorn legt der Kampfmittelbeseitigungsdienst nächste Woche metallische Störfunde frei. Sollten sich diese als explosive Kriegsmunition erweisen, müssten Teile Sagehorns evakuiert werden. Foto: Holthusen

Oyten - Von Petra Holthusen. Bei der obligatorischen Baugrundsondierung sind auf dem Baustellengelände der Deutschen Bahn an der Sagehorner Dorfstraße acht sogenannte metallische Störfunde im Boden geortet worden. Dabei könnte es sich um Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg handeln.

„In 98 Prozent der Fälle sind solche Störfunde harmlos“, sagt Oytens Vize-Verwaltungschef Axel Junge, „aber es bleiben eben diese zwei Prozent ...“ Zu welcher Kategorie die Sagehorner Funde gehören, darüber erhält die Gemeinde am kommenden Montag Gewissheit: Ab morgens will die Bahnbaufirma zusammen mit dem Kampfmittelbeseitigungsdienst „die Verdachtsmomente öffnen“, wie Junge sagt. Finden die Sprengstoffexperten explosives Material, das entschärft werden muss und eine Evakuierung der Umgebung erfordern würde, „sind wir vorbereitet“, so Junge nach der Sitzung des Verwaltungskrisenstabs am Dienstagnachmittag. Die Gemeinde ist die federführende Behörde bei der Gefahrenabwehr und hat die mögliche Evakuierung von Teilen Sagehorns in Abstimmung mit Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst und dem Gesundheitsamt des Landkreises geplant.

Sollten bei der Freilegung der metallenen Gegenstände nicht nur Spaten und Schrauben ans Tageslicht kommen, sondern sich der Verdacht auf alte Kriegsmunition bestätigen, gibt es mehrere denkbare Szenarien. Gewehrpatronen würden einfach entsorgt, aber beim Fund von Granaten müsste Junge zufolge evakuiert werden. In welchem Umkreis, das entscheide der Sprengmeister. Betroffen wären zwischen 330 und 1247 Menschen – je nach Radius zwischen 300 und 1000 Metern. Um das betroffene Gebiet zu evakuieren, würden Polizei und Feuerwehr durch die abgesperrten Straßen fahren und die Menschen zum Verlassen ihrer Häuser auffordern.

Die Anwohner in Sagehorn werden laut Junge noch diese Woche mit Wurfsendungen über eine mögliche Evakuierung informiert und erhalten damit auch schriftlich, welche vorübergehenden Unterkünfte für sie bereitstehen. Bei der Auswahl der Anlaufstellen spielen auch die Vorgaben zum Corona-Infektionsschutz eine maßgebliche Rolle. Was in Sagehorn erschwerend hinzukommt: Betroffen sind nicht nur Privathaushalte, sondern im Umfeld der Bahnbaustelle auch zwei Alten- und Pflegeheime. Deren Bewohner werden seit Wochen mit allen Mitteln der Kontaktsperre vor dem Virus geschützt und müssten jetzt im Fall der Fälle außer Haus gebracht werden. Das erfordert selbstverständlich eine besonders sorgsame Planung.

Da die Bauarbeiten der Bahn wegen der erforderlichen und bereits terminierten Zugpausen minutiös getaktet sind, konnte die Räumung des Geländes von Störfunden nicht auf die lange Bank geschoben werden. Nach Worten von Bürgermeisterin Sandra Röse hatte Bauherr Bahn signalisiert, den Neubau des Haltepunkts Sagehorn an der Bahnlinie Bremen-Hamburg auf 2023 verschieben zu müssen, wenn die beiden Bahnsteige an der Sagehorner Dorfstraße und am Schwarzen Weg nicht wie geplant bis Mitte Dezember 2020 fertiggebaut werden könnten. Das hätte bedeuten können, dass Oyten nach einer zu erwartenden Stilllegung des alten Bahnhofs möglicherweise für drei Jahre über gar keinen Bahnhaltepunkt verfügt hätte.

Mit den acht Störfunden auf der Bahnsteigbaustelle südlich der Gleise, die am Montag und Dienstag abgearbeitet werden sollen, ist es in Sagehorn noch nicht getan. Wie Bürgermeisterin Röse bestätigt, sind auf dem Areal rund um die sogenannte Villa Rotstein, auf dem die Gemeinde ihren Bahnhofsplatz plant, weitere 40 Störfunde geortet worden. Und das Gelände nördlich der Bahnlinie, wo die Gemeinde am Schwarzen Weg die P+R-Anlage bauen will, sei noch gar nicht untersucht worden.

Bekannt ist, dass Kriegsmunition in vergangenen Jahrzehnten immer wieder mal an der Bahnstrecke so dicht bei Bremen gefunden wurde.

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