„Piano trifft auf Gitarre“

Beinahe Party in der Kirche

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Susan Albers

Ottersberg - „Wo bist Du, Süße?“, fragte Susan Albers zu Beginn ihres eigenen Konzertes in den dunklen Raum der Ottersberger Christophorus Kirche. Mit Süße gemeint war Selin Atice, 2014 Teilnehmerin an „The Voice Kids“, einer Castingshow im privaten Fernsehen.

Atici war vor Albers auf der Bühne gewesen. Nach ihrem vielumjubelten Solo-Auftritt hatte sie sich erst einmal in eine ruhige Kirchenecke zurückgezogen.

Albers und Atici konzertierten am Samstagabend einzeln und gemeinsam vor ausverkauften Rängen.

Das erste Ottersberger Herbstkonzert stand unter dem Motto „Piano trifft auf Gitarre“ und wurde - dem Veranstaltungsort und dem Reformationstag angemessen - mit „Halleluja“ eröffnet. Dieses Stück wurde in der populären Musik von vielen Größen des Gesangs, darunter Cohen, Cave oder Wainwright, geprägt. Albers und Atici fügten eine weitere Klangfarbe hinzu. Es gab den ersten kräftigen Applaus des Abends und danach Selin Atici solo mit „Feeling good“ von Michael Bublé.

Auf bunt ausgeleuchteter Bühne gewann die junge Künstlerin mit jeder Textzeile an Sicherheit. Atice interpretierte ein Lied von „Silbermond“, dann eines von Adele. Es folgten „Stay with me“ von Sam Smith und Atice´s „liebstes Kirchenlied“. Wer „Amazing Grace“ singt, ohne dabei in die Pathos-Falle zu tappen, ist immer imstande, Menschen zu rühren. Der Schülerin gelang mit ihrem gesamten Auftritt genau das. Der laut geäußerte Wunsch einer Zuhörerin „Selin, mach bitte weiter Musik!“ wird sich erfüllen.

Susan Albers ist eine vielbeschäftigte Musikerin. Sie tourt durch die ganze Welt. Am Tag nach ihrem Konzert in Ottersberg flog sie nach Südafrika. Albers erlernte als Kind das Klavierspielen in ihrer münsterländischen Heimat. Als 28-jährige nahm sie an der 10. Staffel der Talentshow „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) teil. Sie belegte den vierten Platz. Damals siegte Beatrice Egli, Schweizerin mit Affinität zum Schlager.

Susan Albers bezeichnete die Zeit bei DSDS („Ja, Dieter Bohlen ist wirklich so“) als ihre schönste und nutzte dennoch die Gelegenheit, um zu mahnen: „Ich war so entspannt, weil ich das Abitur und eine berufliche Ausbildung schon in der Tasche hatte.“

Andere Teilnehmern sei es schlechter ergangen. Sie seien dem Druck, die vermeintlich einzige große Chance zu nutzen, schutzlos ausgesetzt gewesen. Es war an diesem Abend ein wenig viel Reminiszenz für ein fragwürdiges Fernsehformat mit der Funktion eines Durchlauferhitzers.

Ihre stimmlichen Fähigkeiten bewies Susan Albers mit eigenen Kompositionen und Stücken von Johannes Oerding, Jason Mraz, Sarah McLachlan oder Sting. Dessen „Fields of Gold“ coverte vermutlich niemand besser als Eva Cassidy. Susan Albers kam ihr sehr nahe.

Und als sie auch noch „Happy“ von Pharrell Williams anstimmte und das Publikum im Takt klatschen ließ, war in der Kirche Christophorus beinahe Party, zumindest aber der große Schlussapplaus vorbereitet für ein Konzert, das der Förderverein der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde ermöglicht hatte.

häg

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