Oytens neue Mitte lässt auf sich warten / Supermarkt statt Marktplatz?

Es hakt in der guten Stube

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Vor vier Jahren versprach die Gemeinde mit der Installation des riesigen Banners am alten Aldi-Markt an der Hauptstraße: „Wir machen unser Oyten schöner“. Archivfoto: Holthusen

Oyten - Groß war die politische Euphorie, als Oyten 2008 in das Sanierungsprogramm „Stadtumbau West“ aufgenommen wurde: Viele Millionen Euro sollten bis 2018 in eine attraktive Neu- und Weiterentwicklung des Ortskerns fließen, um die gestalterische und funktionale Qualität für Wohnen, Arbeiten, Einkaufen, Aufenthalt und gemeinschaftliches Leben zu verbessern. Und das alles zu zwei Dritteln bezahlt von Bund und Land – Oyten hatte das große Los gezogen. Ein städtebaulicher Architektenwettbewerb und Bürgerworkshops förderten vor fünf Jahren tolle Ideen mit Chic und Charme für Oytens neue Mitte zu Tage – geworden ist daraus bislang nichts.

Dafür gehen Gerüchte um, Oytens gute Stube werde aus einem weiteren Supermarkt bestehen und sonst nichts. Tatsache ist: Es hakt zwischen Haupt- und Jahnstraße, wo hinter dem seit Jahren zum Abriss bereitstehenden alten Aldi-Markt als Herzstück der Ortskernsanierung ein multifunktionaler Marktplatz mit umliegenden Fachgeschäften, Cafés, Praxen, Serviceeinrichtungen und generationsübergreifendem Wohnen entstehen sollte. „Wir machen unser Oyten schöner“, plakatiert die Gemeinde seit vier Jahren vielversprechend am alten Aldi-Markt, der nach ursprünglicher Planung schon längst hätte abgerissen sein sollen.

Sichtbare Ergebnisse der städtebaulichen Verbesserungen sind bis heute die anfängliche Grundschulhofsanierung und die teure Neugestaltung der Hauptstraßen-Seitenräume als Boulevards. Aber wo bleibt der Marktplatz? Oytens Vize-Verwaltungschef Axel Junge hält sich bedeckt: „Die Zielrichtung ist intern festgelegt, jetzt müssen wir noch ganz viele Hausaufgaben machen.“ Über die Zielrichtung will Junge nichts sagen, nur so viel: Der städtebauliche Entwurf von damals passe nicht mehr und müsse weitergeführt werden. Öffentliche politische Beratungen kündigt Junge für 2016 an: „Dann müssen grundlegende Entscheidungen getroffen werden.“

Offenbar hat die Realität – etwa dass kleinteiliger Facheinzelhandel im Spannungsfeld zwischen Weserpark und Dodenhof schwer anzusiedeln ist – die Planungen eingeholt, um die hinter den Kulissen politisch heftig gerungen wird. „Noch keine veröffentlichbare Position“ hat die SPD nach Worten ihres Fraktionsvorsitzenden Heiko Oetjen: „Es geht darum, was wünschenswert und was machbar ist – und wenn das so einfach wäre, wäre ja alles schon fertig“, so Oetjen.

„Wir sind gezwungen umzudenken“, bestätigt CDU-Fraktionschef Dr. Kai Grönke, aber noch sei alles in der Schwebe. Kleine Geschäfte zur Belebung eines Marktplatzes seien marktwirtschaftlich nicht hinzukriegen; Alternativen seien Wohnbebauung oder ein großer Ankermieter. Aber ein Supermarkt sei ja nicht gleich Ortszentrum – „wir sind hin- und hergerissen, die Situation ist unbefriedigend“, schildert Grönke.

Einen weiteren großen Supermarkt in der guten Stube hielte Grünen-Fraktionsvorsitzende Christine Hempel „für eine historische Fehlentscheidung, die mit dem prämierten Architektenentwurf so gar nichts mehr zu tun hat“. Was Oyten brauche, sei eine Ortsmitte mit hoher Aufenthaltsqualität, „wo man einen Café trinkt, ein Eis isst und im guten Branchenmix an der Hauptstraße einkauft“. Der zentrale Platz würde auch für den Wochenmarkt und die vielen Feste im Ort zur Verfügung stehen. Wenn sich der Entwurf mit kleinteiligem Einzelhandel nicht realisieren lasse, so Hempel, „sollte die Fläche für Wohnbebauung geöffnet werden mit Serviceangeboten im Erdgeschoss – wie Sanitätshaus, Krankengymnastik, Ärzten und Fußpflege“.

pee

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