Platznot im Rathaus

Oytens Bücherei soll ins Zentrum ziehen

Das ehemalige Schützenhaus an der Jahnstraße in Oyten.
+
Platz für eine zeitgemäße öffentliche Bibliothek würde das ehemalige Schützenhaus an der Jahnstraße in Oyten bieten.

Oyten – „Wir sind ganz gut dabei – aber wir wollen mehr.“ Was die Gemeindebücherei bieten könnte und gemessen an der Einwohnerzahl Oytens bieten müsste, legte Leiterin Jacqueline Ballandis am Mittwochabend den Politikern im zuständigen Fachausschuss des Gemeinderates dar. Mit Zahlen und Fakten untermauerte Ballandis „einen konkreten Handlungsbedarf“.

Erstes Problem: die Raumkapazitäten. „Im Rathaus ist einfach nicht genug Platz.“ Deshalb plädiert die Leiterin für einen Umzug der öffentlichen Bibliothek – möglichst an eine zentrale Stelle im Ortskern.

Da trifft es sich, dass die Gemeinde als neue Eigentümerin gerade über ein Nutzungskonzept für das ehemalige Schützenhaus an der Jahnstraße nachdenkt. Hier warten gut 500 Quadratmeter Veranstaltungsfläche inklusive Küche, Büro und WC-Anlagen auf neues Leben. Eigentlich wie gemacht für die Bücherei, eventuell in Kombination mit einem Kulturhaus... – diese Nutzungsidee favorisiert die Gemeindeverwaltung um Bürgermeisterin Sandra Röse und Fachbereichsleiter Daniel Moos.

Der Kultur- und Sozialausschuss vertagte die politische Diskussion auf Ende April, nachdem das Ratsgremium am Mittwochabend in Zeitnot geraten war: Das Thema Zukunft der Bücherei kam erst am Ende einer überladenen Tagesordnung nach mehr als zwei Stunden zum Zuge. Eine Tendenz ließen nach Ballandis’ Vortrag zu vorgerückter Stunde dennoch schon Sprecher von CDU und AfD erkennen: Die Fraktionen befürworten die Umsiedlung der Bücherei vom Rat- ins Schützenhaus.

Bibliotheken rechnen sich nicht, aber sie zahlen sich aus.

Büchereileiterin Jacqueline Ballandis

Mit ihren 149 Quadratmetern im Rathaus ist die Gemeindebücherei Oyten Ballandis zufolge von 30 vergleichbaren Einrichtungen in der Region die kleinste. Ein Büroraum fehle ebenso wie Platz für Veranstaltungen. Nach einem Gutachten der Büchereizentrale Niedersachsen und dem Kriterienkatalog „Bibliothek mit Qualität und Siegel“ ergebe sich ein Flächenbedarf von mindestens 600 Quadratmetern, rechnete die Leiterin vor.

Bei 15 602 Einwohnern liege der Zielbestand bei 20 171 Medien. „Aktuell liegt der Bestand nur bei 8012 Medien“, berichtete die Büchereichefin. Den jährlich notwendigen Etat für Anschaffungen bezifferte sie auf 33 668 Euro – das aktuelle Budget beträgt 19 024 Euro.

Das Personal beschränkt sich derzeit auf die Stelle der Büchereileitung. „Um die Qualität einer guten Bücherei zu gewährleisten, ist dies aber nicht annähernd ausreichend“, betonte Ballandis. Nach verschiedenen Fachkriterien wären 5,1 Personalstellen für eine der Gemeindegröße angemessene öffentliche Bibliothek notwendig. Ballandis empfiehlt „mindestens zwei volle Stellen“. Auch um sich statt der aktuellen 22 den empfohlenen 35 Öffnungsstunden anzunähern.

Zumal die Bücherei neben der reinen Buchausleihe und dem coronabedingt eingeführten Bestellservice zahlreiche Veranstaltungen anbietet: Bilderbuchkinos, Sommerleseclub, Mitmach-Lesungen in Kitas, Buchcastings in der IGS, öffentliche Autorenlesungen... – auf 74 summierten sich die Veranstaltungen im Jahr 2019. „Wenn die Bücherei was anbietet, wird es auch angenommen. Aber es kann eben nicht so oft etwas angeboten werden“, schilderte Ballandis die Auswirkungen von Raum- und Personalknappheit.

Im Corona-Jahr 2020 reduzierte sich die Zahl der Veranstaltungen naturgemäß infolge der vielen Schließzeiten. Die Online-Bestellmöglichkeit wurde gerade von Viellesern jedoch dankend angenommen: Die Zahl der Online-Ausleihen schnellte von 2676 im Jahr 2019 auf 13 372 im Jahr 2020 hoch. 141 Neukunden registrierte Ballandis voriges Jahr trotz Corona und insgesamt 20 068 Ausleihen.

Nach ihrer Ansicht hat die Gemeindebücherei das Zeug zum „Publikumsmagneten“, wenn die Rahmenbedingungen stimmen – wenn in Angebot und Aufenthaltsqualität investiert werde. Ballandis schwebt als Beitrag zu einer lebendigen Gesellschaft „die Entwicklung einer Bildungslandschaft im Ortszentrum von Oyten“ vor: „Stärker als bisher könnte die Gemeindebücherei einen unverzichtbaren Beitrag zum regionalen Bildungsangebot, zur Leseförderung, zum lebenslangen Lernen und zur lokalen Kulturförderung leisten.“

Was den Einsatz der dafür erforderlichen Finanzmittel angeht, so gab die Büchereichefin den Politikern ihr persönliches Lieblingszitat mit auf den Weg: „Bibliotheken rechnen sich nicht, aber sie zahlen sich aus.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Tipps für Erdbeeren auf dem Balkon und im Beet

Tipps für Erdbeeren auf dem Balkon und im Beet

Meistgelesene Artikel

„Messen Behörden in Achim mit zweierlei Maß?“

„Messen Behörden in Achim mit zweierlei Maß?“

„Messen Behörden in Achim mit zweierlei Maß?“
Verkehr auf L 156 und zur A 27 in Achim-Ost kann rollen

Verkehr auf L 156 und zur A 27 in Achim-Ost kann rollen

Verkehr auf L 156 und zur A 27 in Achim-Ost kann rollen
Inzidenz um die 70 nicht auf die Schnelle erreichbar

Inzidenz um die 70 nicht auf die Schnelle erreichbar

Inzidenz um die 70 nicht auf die Schnelle erreichbar
Ausgangssperre: Kreis Verden spielt auf Zeit

Ausgangssperre: Kreis Verden spielt auf Zeit

Ausgangssperre: Kreis Verden spielt auf Zeit

Kommentare