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Oytener Zeitreise bis ins 17. Jahrhundert

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Gemeindearchivar Hermann Wahlers
Gemeindearchivar Hermann Wahlers zeigt die digitalisierte Aufnahme einer alten Postkarte aus Bassen. © Woelki

Oyten – Historische Fotos, Chroniken, Bilder, Dokumente, alte Postkarten – das Archiv der Gemeinde Oyten ist eine Goldgrube für alle, die in die lokale Geschichte eintauchen und ihre eigenen Wurzeln erkunden möchten. Aber der Bestand will gehegt, gepflegt, bewahrt, sortiert und erweitert werden. Derzeit stehen die von der Gemeinde im vorigen Jahr bestellten Archivare Hermann Wahlers und Reena Saschowa, unterstützt von den Mitgliedern der Archivgruppe des Heimatvereins Oyten, ganz am Anfang ihrer ehrenamtlichen Arbeit.

Das vorhandene Material zu sichten, zu ordnen, zu katalogisieren und zu digitalisieren, diese Aufgabe ist so umfangreich, dass die Oytener Chronisten Jahre brauchen werden. „Unser Ziel ist es, das Archiv so einzurichten, dass wir Rechercheanfragen von Interessierten auf Knopfdruck beantworten können“, sagt Hermann Wahlers, der sich – ebenso wie Reena Saschowa – nach dem Ausscheiden aus der politischen Arbeit im Gemeinderat jetzt ganz auf die neue Aufgabe konzentriert. Beide investieren gemeinsam sehr viel Zeit, um die Geschichte der Großgemeinde Oyten für die nachfolgenden Generationen aufzubereiten.

Dass Oyten über einen gewaltig großen Fundus verfügt, verdankt die Gemeinde der Sammelleidenschaft und dem heimatkundlichen Interesse von Johannes Grote. Der frühere Vorsitzende und heutige Ehrenvorsitzende des Heimatvereins leitete lange die Archivgruppe und organisierte zahlreiche themenbezogene Oytener Klönschnacktreffen, die er auf Tonband aufnahm. „Damit hat er die Erinnerungen von Personen, von denen manche inzwischen verstorben sind, dokumentiert. Die vielen Tonbänder wollen wir digitalisieren und die Informationen schriftlich festhalten“, so Hermann Wahlers.

Als ehrenamtlicher Gemeindearchivar kümmerte sich Johannes Grote jahrelang um das historische Vermächtnis seines Heimatorts. Voriges Jahr gab der 90-Jährige die Aufgabe an Hermann Wahlers und Reena Saschowa ab. Seitdem tauchen die beiden hoch motiviert tief in die Oytener Historie ein.

Zwischenzeitlich hat das Gemeindearchiv Räume in der Bassener Dorfgemeinschaftsanlage Blocks Huus bezogen. Michael Manthey, Mitglied der Archivgruppe, erinnert sich: „Vorher haben wir uns in einem kleinen Raum im Heimathaus in Oyten getroffen. Der Raum war viel zu klein. Wir haben uns an die Gemeinde gewandt mit der Bitte, uns größere Räume zur Verfügung zu stellen.“ Die Verwaltung reagierte und seitdem ist das Gemeindearchiv in Blocks Huus einquartiert.

„Der Fundus ist sehr groß. Es existieren zudem viele plattdeutsche Bücher, 180 Ordner Geschichtsmaterial in Kartons gelagert, Hörkassetten von Klönschnacks und Tausende von Fotos, die auf Festplatten lagern“, schildert Hermann Wahlers und ergänzt: „Wir besitzen viele Dokumente, die in Sütterlin, also der altdeutschen Schrift niedergeschrieben sind und die in 20 Jahren keiner mehr lesen kann. Das bereitet uns Sorge, weil wir Hilfe benötigen, um die altdeutsche Schrift ins Hochdeutsche übersetzen zu lassen.“ Wer also bei der Übersetzung oder überhaupt beim Aufbau des Gemeindearchivs helfen möchte, ist willkommen.

Das historische Gedächtnis Oytens reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück: Aus der Zeit des Dreißigjährigen Kriegs existieren Dokumente der Achimer Familie Clüver, die Verbindungen zu Oyten hatte. Das belegt die Ortsbezeichnung Clüverdamm.

„Die vergangenen 250 Jahre sind dank der Arbeit von Johannes Grote mit den Höfechroniken gut dokumentiert“, unterstreicht Wahlers. Die beiden Großbrände in Bassen 1804 und 1825 seien ebenso dokumentiert wie der Kirchenbau in Oyten, der Rechtsstreit zur Planung der Bahntrasse zwischen Bremen und Hamburg, die Einweihung des Sagehorner Bahnhofs 1878 sowie die Orts- und Vereinsentwicklung. „Die Oytener lehnten die erste Trassenführung der Bahn durch den Ort ab, weil sie über wertvolles Ackerland verlaufen sollte“, erzählt Hermann Wahlers. In der Folge verlegten die Planer die Bahn und den Bahnhof nach Sagehorn. „Das belegen Aufzeichnungen“, schildert der gebürtige Wilstedter, der seit vielen Jahren mit der Familie in Sagehorn lebt.

Die Arbeit als Gemeindearchivar, so Wahlers, mache viel Freude, berge aber auch Herausforderungen und erfordere an der einen oder anderen Stelle Fingerspitzengefühl: „Mit Themen wie Besitzverhältnissen oder Begebenheiten in der NS-Zeit gehen wir sehr sensibel um.“

Um die Öffentlichkeit an ihrer Arbeit teilhaben zu lassen und für die Lokalhistorie zu begeistern, erwägen die Gemeindearchivare, eine Reihe heimatgeschichtlicher Broschüren zu unterschiedlichen Themenbereichen herauszugeben. „Als erstes Thema möchten wir uns mit den Gaststätten befassen“, kündigt Hermann Wahlers an.

Von Tobias Woelki

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