IGS-Schüler bringen 9500 Bäume und Sträucher in die Erde

Eine Schule pflanzt ihren eigenen Wald

Arbeitseinsatz im Schulwald
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Das naturnahe Prinzip Nesterpflanzung erklärt Elisabeth Hüsing, Direktorin der Landesforsten-Stiftung Zukunft Wald, beim Arbeitseinsatz im Schulwald auch Oytens Bürgermeisterin Sandra Röse, IGS-Schulleiterin Maria Schmidt und Flächeneigentümerin Ricarda Hasch (v.l.).

Oyten – Noch sind sie klein, aber ihre Bedeutung für die natürliche Vielfalt und das Klima in den nächsten Jahrzehnten ist groß: 7500 Bäume wie Stieleichen und Hainbuchen, dazu 2000 Sträucher verschiedener heimischer Arten und 15 Obstbäume pflanzten Kinder und Jugendliche am Donnerstag und Freitag auf der 1,2 Hektar großen Fläche des künftigen Schulwaldes der Integrierten Gesamtschule (IGS) Oyten.

An den Projekttagen zur Anpflanzung des seit fast drei Jahren mit großem Einsatz von vielen Beteiligten vorbereiteten Schulwaldes an der Tiefen Wiese in Bockhorst griffen alle Schülerinnen und Schüler der IGS zum Spaten, außerdem die Viertklässler der Grundschule Sagehorn und Vorschulkinder der Kita Pestalozzistraße. Die letzten Setzlinge werden noch am Montag in die Erde gebracht.

Ehrenamtliche Helfer und Forstwirte vom niedersächsischen Forstamt Rotenburg sowie Waldpädagogen begleiteten die Pflanzaktion und leiteten die Kinder und Jugendlichen an. Mitten im Getümmel: Ricarda Hasch, Leiterin des benachbarten Pflegeheims Haus Hasch, deren Familie der IGS die Wiesenfläche für die Verwirklichung des Schulwaldes langfristig zur Verfügung gestellt hat. Versteht sich, dass Ricarda Hasch auch selbst ein Bäumchen einsetzte – und darüber hinaus die Pflanztrupps mit Heißgetränken versorgte.

Die Anleitung von Bürgermeisterin Sandra Röse, die mit einem kurzen Einsatz auf der Wiese die Projektunterstützung seitens der Gemeinde Oyten untermauerte, übernahm Elisabeth Hüsing. Die Forstwissenschaftlerin ist Direktorin der Landesforsten-Stiftung Zukunft Wald, die den Oytener Schulwald zusammen mit der IGS initiiert und geplant hat. Die Stiftung Zukunft Wald übernimmt neben der fachlichen Betreuung auch die Finanzierung des Projekts. Auf rund 15. 000 Euro bezifferte Hüsing allein den Wert der Pflanzen aus zertifizierter Saatzucht.

„Wir pflanzen einen natürlichen Wald“, erklärte die Forstwirtin das Prinzip der sogenannten Nesterpflanzung: 25 Setzlinge dicht beieinander in einem Erdnest schützen sich beim Großwerden gegenseitig vor hochwachsenden Disteln und Gräsern, Wühlmäusen und anderen Widrigkeiten – ein pflanzlicher „Herdenschutz“ nach dem Vorbild der Natur. Wie in einem natürlichen Wald werden auch hier nicht alle Bäume hoch in den Himmel wachsen, „aber in 150 Jahren stehen hier 40 bis 50 dicke Eichen“, ist Hüsing sicher. „Wir pflanzen einen fachgerechten guten Wald“, betonte die Forstwirtin. Dazu gehört auch ein Waldsaum aus Sträuchern. Gegen Schäden durch Rehe wird der gesamte Schulwald 1,80 Meter hoch eingezäunt.

Für die Schülerinnen und Schüler der IGS soll der etwa anderthalb Kilometer Fußmarsch entfernte Wald fester Bestandteil ihres schulischen Lebens und Lernens werden. In der Natur von der Natur lernen – fächerübergreifend sollen, neben der praktischen Hege und Pflege, alle Facetten des Waldes und seiner Bedeutung für die Umwelt und das Klima in den Unterricht integriert werden, wie Schulleiterin Maria Schmidt sinngemäß sagte.

Auf der künftigen Obstbaumwiese wird für schulischen Unterricht ein grünes Klassenzimmer eingerichtet. Elisabeth Hüsing kann sich kaum etwas Schöneres vorstellen, als unter den Bäumen Deutsch oder Bio zu pauken „und sich nebenbei mal einen Apfel zu pflücken“. Zur Zielsetzung des Schulwaldprojekts sagt die Stiftungsdirektorin: „Wir wollen Kinder und Jugendliche wieder verstärkt mit Natur und Wald, seiner Entwicklung und Vielfältigkeit sowie seiner immensen Bedeutung in der Zeit des Klimawandels vertraut machen. Und was ist dazu besser geeignet als seinen eigenen Wald zu pflanzen und zu betreuen?“

Die waldbezogene Umweltbildung in Niedersachsen zu fördern, ist das erklärte Ziel der Landesforsten-Stiftung Zukunft Wald. Vor zehn Jahren startete die Stiftung das Projekt „Schulwälder gegen Klimawandel“. Mittlerweile sind Hüsing zufolge mehr als 65 Wälder angelegt oder konkret in Planung – und der in Oyten gehöre zu den großen seiner Art. Mit dem auf 30 Jahre angelegten Kooperationsvertrag zwischen IGS, Flächeneigentümer und Stiftung „verpflichten wir uns, auch nach der Anpflanzung des Schulwaldes die Schule in ihren dortigen Umweltaktivitäten und Lehrveranstaltungen zu beraten sowie personell und finanziell zu unterstützen“, ergänzte Hüsing.

Zwölftklässlerinnen bei der Arbeit am Waldsaum: Die 7500 Bäume im frisch angepflanzten Schulwald der IGS Oyten werden von 2000 heimischen Sträuchern eingerahmt.

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