Erzieherinnen fordern bessere Bedingungen per Gesetz

„Nur ein fauler Kompromiss“

Mahnwache der Erzieherinnen
+
Zwei Erzieherinnen für 25 Kinder? Unter diesen Bedingungen seien gezielte Bildung und gute Betreuung nicht möglich, sagen auch die Fachkräfte aus den Oytener Kitas. Mit einer solidarischen Mahnwache vor dem Rathaus schlossen sie sich am Mittwochvormittag dem landesweiten Protest gegen die geplante Novelle des niedersächsischen Kita-Gesetzes an.

Oyten – Die Kindertagesstätten aus dem Oytener Gemeindegebiet haben sich am Mittwochvormittag am landesweiten Aktionstag gegen das neue niedersächsische Kita-Gesetz beteiligt. Ihren Protest gegen die Pläne und ihre Forderungen nach besseren Arbeits- und Rahmenbedingungen für Bildung und Betreuung in den Kitas plakatierten Leiterinnen und Erzieherinnen an Wimpelketten vor dem Rathaus in Oyten.

Das „Bündnis für Kinder und Familien in Niedersachsen“ hatte Erzieherinnen und Erzieher sowie Mitarbeitende von Kindertagesstätten zu dem landesweiten Aktionstag gegen die Novelle des Niedersächsischen Kindertagesstättengesetzes (NKiTaG) aufgerufen. Weil das geplante Gesetz nach Meinung der Kritiker die fachlichen Anforderungen nicht erfüllt, findet bereits seit Anfang April an jedem Werktag eine Mahnwache des „Aktionsbündnisses KiTaG“ gegen den Gesetzentwurf vor der Staatskanzlei in Hannover statt. Eine landesweite Solidaritäts-Mahnwache am Mittwoch sollte dem Protest nochmal Nachdruck verleihen.

Die Oytener Kita-Leitungen schlossen sich der Aktion an. Martina Laute-Voßwinkel, Leiterin des evangelischen Kindergartens, organisierte mit ihren Kolleginnen kurzfristig eine Mahnwache am Rathaus.

„Wir fordern eine dritte Fachkraft für jede Gruppe spätestens ab 2022“, erklärte Meike Rutsatz, Leiterin der Bassener Kita. „Außerdem fordern wir mehr Verfügungszeiten für Fachkräfte und eine Verkleinerung der Gruppen.“ Der vorgelegte Stufenplan sei „nur ein fauler Kompromiss“ und biete lediglich eine halbe Fachkraftstelle ab 2027 in der Ganztagsbetreuung, die von Auszubildenden oder Sozialassistenten ausgefüllt werden solle. Damit bleibe das Gesetz weit hinter der Mindestanforderung des Bündnisses zurück.

Darüber hinaus beklagt das Bündnis, dass der geforderte Rechtsanspruch auf einen integrativen Betreuungsplatz bisher keinerlei Berücksichtigung finde. „Wir arbeiten immer noch unter Standards der 1980er-Jahre“, beklagte Rutsatz, „dabei steigt der Qualitätsanspruch immer weiter – und damit auch die Anforderungen an uns.“

Die Pandemie habe nochmals gezeigt, wie wichtig eine verlässliche Betreuung in den Kitas sei. „Ich stehe voll und ganz hinter den Forderungen, denn ich kenne die Situation in den Kitas sehr genau“, erklärte Oytens Bürgermeisterin Sandra Röse, die sich vor dem Rathaus solidarisch zu „ihren“ Kita-Leiterinnen gesellte. „Wie soll es möglich sein, diesen Beruf bei der steigenden Belastung bis ins Alter durchzustehen?“, fragte Röse. Die Kommunen aber könnten die Kosten für eine personalintensivere bessere Betreuung unmöglich alleine stemmen, ergänzte die Bürgermeisterin mit Verweis auf die Landesregierung in Hannover.

Eine dritte Fachkraft für jede Kita-Gruppe ist für die Erzieherinnen der „Schlüssel für Qualität“.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Junge Bassenerinnen laden zur Gründung einer Dorfjugend ohne Altersobergrenze ein

Junge Bassenerinnen laden zur Gründung einer Dorfjugend ohne Altersobergrenze ein

Junge Bassenerinnen laden zur Gründung einer Dorfjugend ohne Altersobergrenze ein
Freies Impfen wird genutzt – Zentrum hofft auf weitere Interessierte

Freies Impfen wird genutzt – Zentrum hofft auf weitere Interessierte

Freies Impfen wird genutzt – Zentrum hofft auf weitere Interessierte
Feuerwehr-Großeinsatz in Riede: Flammen ruinieren Bauernhaus

Feuerwehr-Großeinsatz in Riede: Flammen ruinieren Bauernhaus

Feuerwehr-Großeinsatz in Riede: Flammen ruinieren Bauernhaus
Apotheke ohne Kundschaft

Apotheke ohne Kundschaft

Apotheke ohne Kundschaft

Kommentare