Oytener Politik „stinksauer“ über Kostenexplosion

„Am Moor“ verschlingt 4,6 Millionen Euro

Betonpiste Am Moor
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Betonpiste Am Moor: Auf 4,6 Millionen Euro steigen die Kosten für den Ausbau der Straße.

Oyten – 4,6 Millionen Euro für einen Kilometer neue alte Straße – die Kostenexplosion beim geplanten Ausbau der kaputten Betonpiste Am Moor erschütterte am Mittwochabend die politischen Entscheidungsträger im zuständigen Fachausschuss des Oytener Gemeinderates. Die Gemütsverfassung der Fraktionssprecher variierte zwischen „fassungslos“ und „stinksauer“, während Vize-Verwaltungschefin Cordula Schröder als Finanzverantwortliche der Gemeinde gegen „ziemliche Schnappatmung“ ankämpfte und Planer Jens Fiebelkorn vom beauftragten Büro Born + Ermel gegen die auf ihn einprasselnden Vorwürfe bis hin zu „Unprofessionalität“.

„Ich glaube, diese Straße will nicht gebaut werden“, seufzte SPD-Sprecher Ralf Großklaus bitter in Erinnerung an die scheinbar unendliche Geschichte: Bis zur Abschaffung der Anliegerbeiträge hatten die Am-Moor-Anwohner den Ausbau blockiert, danach war das Bauamt überlastet. Jetzt mündet das Projekt in ein finanzielles Desaster für die Gemeinde.

„Wir diskutieren heute über 4,6 Millionen Euro. Wir brauchen das Okay der Politik, dass wir mit diesen Preisen bauen sollen“, eröffnete Michael Bruns die Debatte. Er hatte als neuer Bauamtsmitarbeiter voriges Jahr, als die Kostenschätzung noch bei 2,78 Millionen Euro lag, die bis dato vorliegende Planung hinterfragt und um fehlende Planzahlen und Prüfungen wie Baugrund-, Kanal- und Schadstoffanalysen ergänzt. Die Ergebnisse tragen ebenso unerwartet wie maßgeblich zu den daraufhin errechneten Kostensteigerungen bei.

Gebaut wird trotzdem. „Wir werden die Kröte wohl schlucken müssen“, spiegelte Reena Saschowa den zähneknirschenden politischen Tenor. Die Grünen-Ratsfrau votierte am Ende genau wie ihre Kollegen von SPD, CDU und FDP für die Weiterverfolgung des Am-Moor-Ausbauprojekts. Eine Gegenstimme kam von Jens Marten (AfD).

Zuvor hatte Planer Fiebelkorn die Kostenexplosion erklärt. Allein die Herstellungskosten würden um 1,5 Millionen Euro steigen. Dafür gebe es mehrere Gründe: Materialpreiserhöhungen wegen Rohstoffknappheit infolge der Pandemie – vor allem aber die nun erforderliche teure Spezialentsorgung des alten Straßenuntergrunds, der laut Gutachten eine mit „Z2“ deklarierte Schadstoffbelastung aufweise. Dazu kämen noch neue bauliche Forderungen der Genehmigungsbehörde Landkreis, beispielsweise nach einem Stauraumkanal. Mündlichen Absprachen, die er mit früheren Sachbearbeitern beim Landkreis vor 2020 getroffen habe, würden sich deren Nachfolger nicht mehr verpflichtet fühlen, erklärte Fiebelkorn und sprach von persönlicher Enttäuschung. Alles in allem wertete der Planer die errechnete Kostensteigerung um 1,8 Millionen Euro als „Ergebnis, das mich selbst erschüttert hat“.

Dass Fiebelkorn sich auf mündliche Absprachen verlassen hatte, ad hoc keine Einsparmöglichkeiten aufzeigen und keine Detailfragen zur Schadstoffbelastung des Baugrunds beantworten konnte, führte zu wachsender Gereiztheit im Ausschuss. Reinhard Lueßen (CDU) mutmaßte, dass die Preise bis zum Baubeginn im November/Dezember noch weiter anziehen, und sagte verärgert: „Es sind Fehler gemacht worden.“ Andreas Dotzauer (FDP) war hörbar „richtig sauer“, und Reena Saschowa (Grüne) verlangte aufgebracht die Aushändigung der Schadstoffanalyse. „Sehr enttäuscht“ äußerte sich Ralf Großklaus (SPD), stellte jedoch fest: „Wir müssen in den sauren Apfel beißen.“

Der aktuellen Planung zufolge erhält die Straße Am Moor zwischen Oyterdamm und Meyerdamm eine 5,90 Meter breite asphaltierte Fahrbahn und, abgetrennt durch eine grüne Mulde, einen Fußweg. Gleichzeitig werden die Bushaltestellen barrierefrei gestaltet und die Abwasserkanäle saniert.

Von Petra Holthusen

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