Chancen für Lockerungen in Sicht

Oytener Pflegeheim: Infektionszahlen sinken

Lichtblick am Gartenzaun: Kinder der Kita Oyter Mühle gestalteten ein Transparent mit Regenbogenmotiv.
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Lichtblick am Gartenzaun: Kinder der Kita Oyter Mühle gestalteten ein Transparent mit Regenbogenmotiv.

Oyten – Botschaften der Hoffnung hellen den tristen Anblick des Pflegeheims, das sich wegen des Corona-Ausbruchs mit Bauzäunen und Containern weitgehend abgeschottet hat, ein wenig auf. „Wir denken an Euch“, steht auf einem Transparent, das die Kita Oyter Mühle am Gartenzaun angebracht hat. Daneben appelliert Lueßen’s Altenpension: „Werdet ganz schnell wieder gesund.“ Nach dem Corona-Ausbruch in einem Oytener Pflegeheim Mitte Juni sind aktuell drei weitere Bewohner und zwei Angestellte negativ auf das Virus getestet worden. Das berichtet die für den Landkreis Verden zuständige Amtsärztin Jutta Dreyer auf Nachfrage. „Ich denke, das Schlimmste haben wir hinter uns“, sagt auch der Geschäftsführer des Oytener Pflegeheims.

Zuvor waren infolge des Coronavirus fünf Bewohner verstorben. Das Gesundheitsamt hatte daraufhin 800 Tests an allen Oytener Alten- und Pflegeheimen veranlasst. In anderen Heimen wurden aber keine Covid-19-Infektionen nachgewiesen.

Im Außenbereich des betroffenen Pflegeheims steht eine Dekontaminationsschleuse des Roten Kreuzes, die die Mitarbeiter passieren müssen. Zudem wurde das Haus laut Geschäftsführer in der Mitte geteilt – in einen schwarzen Bereich für die positiv getesteten und einen weißen Bereich für die negativ getesteten Bewohner. Nunmehr stünden noch 25 Personen im schwarzen Bereich unter Zimmer-Quarantäne, sagt Dreyer, allerdings habe sich deren Zustand stabilisiert; es sei kein Fieber mehr festgestellt worden. Indes befindet sich eine Bewohnerin noch in stationärer Behandlung in einem Krankenhaus. „Wir sind zuversichtlich, dass die Dame bald zurückkommen kann“, sagt der Leiter des Heims.

Das Gesundheitsamt steht in regelmäßiger Absprache mit den beiden Hausärzten, die in dem Heim täglich Visite machen, sowie mit Laboren in Oldenburg und Hannover. Die jüngsten Testergebnisse stammen von Freitag. „Am 13. Juli werden die Bewohner alle noch mal getestet. Ich bin zuversichtlich, dass wir danach den schwarzen Bereich ganz oder zu großen Teilen auflösen können“, so Dreyer.

Neben der Körpertemperatur erfolgt eine Prüfung der Sauerstoffsättigung mittels eines Oxometers. „Das ist wie eine kleine Wäscheklammer, die auf den Finger gesetzt wird. Bestimmte Werte können ein Warnzeichen für eine Verschlechterung der Lungenfunktion sein“, erläutert Dreyer. Ein weiterer wichtiger Indikator sind Magen-Darmerkrankungen, denn „Covid-19 kann sich auch auf den Darm und das Nervensystem legen.“ Darum werde für jeden Bewohner ein Einfuhrprotokoll geführt, das die aufgenommene Nahrung und Flüssigkeit dokumentiert.

Über sein Stammpersonal hinaus, etwa 50 Mitarbeiter, hat das Pflegeheim Fachpersonal hinzugebucht. „Wir sind sehr zufrieden, dass wir beim Personal keinen schlimmeren Krankheitsverlauf hatten“, so Dreyer. Mitarbeiter, die positiv getestet sind, bleiben zu Hause. Das Gesundheitsamt steht im regelmäßigen telefonischen Kontakt mit ihnen, auch für etwaige psychologische Betreuung.

Vor Ort in der Einrichtung arbeiten alle unter Vollschutz, ausgestattet mit Overall, Schutzbrille, Haube und Desinfektionsmittel. Einige Angestellte, die aufgrund eines positiven Corona-Tests in Quarantäne waren, kommen nun zurück, „sie freuen sich auch, die Bewohner wiederzusehen“, erzählt der Pflegeheimleiter. Bei den Mitarbeitern seien Dienstag weitere Abstriche erfolgt. Dafür werden nun die Ergebnisse erwartet.

Mittlerweile überlegen Gesundheitsamt und Pflegeeinrichtung gemeinsam, wie sie für die Bewohner wieder eine gewisse Normalität, etwa über Telefonate und Videokonferenzen, herstellen können, berichtet Dreyer. „Von den Angehörigen kommen schon mehr Anfragen als üblich“, sagt der Chef des Pflegeheims. „Nach der Arztvisite jeden Morgen können wir ihnen zum Glück immer frisches Feedback geben.“ Die Bewohner des weißen Bereichs drehen in Einzelbetreuung kleine Runden im Garten, erzählt er.

Über die moralische Unterstützung aus der Bevölkerung freut sich die Heimleitung: Plakate und Poster sowie etliche Postkarten, E-Mails und sogar Blumen erreichten das Oytener Pflegeheim als Mutmacher. „Andere Einrichtungen haben uns mit Ausrüstung, wie zusätzlichen Speisewagen, unterstützt. Das war eine schnelle, praktische Hilfe.“

Über die Ursachen des Ausbruchs hält sich Dreyer bedeckt: „Der Eintrag kommt immer von außen.“ Das kann heißen: das Fachpersonal, aber auch Friseur, Podologe oder Physiotherapeut. Bekanntermaßen kann eine Covid-19-Erkrankung auch ohne Symptome verlaufen. „Solange niemand getestet ist, kann das zu völlig versteckten Infektionsketten führen.“ Im Pflegeheim treffe das Virus dann auf eine Personengruppe, die sehr empfänglich und verletzlich sei. Hinzu kommt der Faktor Gemeinschaftseinrichtung, mit teilweise Doppelzimmern in einer Pflegesituation. „Ein Nährboden für Infektionen“, fasst Dreyer zusammen.

Wären vor diesem Hintergrund nicht präventive Corona-Tests angebracht? „Ich bin eine Verfechterin des präventiven Testens“, sagt Dreyer. Nachdem das Gesundheitsamt im April/Mai begonnen hatte, präventiv zu testen, änderte das niedersächsische Gesundheitsministerium seinen Kurs mit der Anordnung, nur noch anlassbezogen abzustreichen. Das Problem beim präventiven Testen: „Tatsächlich handelt es sich nur um eine Momentaufnahme“, so Dreyer. Aussagekräftig wären solche Tests nur dann, wenn man das Pflegepersonal konsequent alle vier Tage testen würde. Doch dieser Weg bedeute einen hohen logistischen Aufwand: Allein in der Gemeinde Oyten gibt es neun, im gesamten Landkreis Verden 29 Alten- und Pflegeheimen.

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