IGS Oyten: „Wir bringen Kinder in Verantwortung für ihren eigenen Lernerfolg“

Mit selbstgesteckten Zielen zu erstaunlichen Leistungen

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Wie eigenverantwortliches Lernen an der IGS Oyten funktioniert, schilderten Alissa, Jule, Maja, Max und Swante (vo.v.li.), die Elternvertreterinnen Heike Dahlweg und Ulrike Sowa (hi.v.li.), Lehrerin Maria Schmidt und Schulleiter Reinhard Ries.

Oyten - Von Petra Holthusen. „Wir wollen, dass Schüler das leisten, was sie vermögen. Und wenn man Schüler selbst für ihren Lernerfolg verantwortlich macht, ist erstaunlich viel rauszuholen.“ Nach fast drei Jahren Integrierte Gesamtschule (IGS) in Oyten spricht Schulleiter Reinhard Ries aus Erfahrung. „Wie wir das machen, dass Schüler zu bestmöglichen Leistungen kommen“, das schilderte Ries gestern gemeinsam mit Schüler- und Elternvertreter/innen in einem Pressegespräch.

Hintergrund ist der zurzeit laufende Entscheidungsprozess von Grundschuleltern, an welcher Schule sie ihre künftigen Fünftklässler ab Sommer anmelden. Wenn Eltern aus eigenem Erleben Schule anders kennen, wirft die IGS für sie Fragen auf. „Das Problem ist“, so Ries, „dass viel über die IGS gesprochen wird von Menschen, die nicht wissen, wie es drinnen aussieht.“ Und die Leistungsfrage spiele dabei eine zentrale Rolle.

„Eltern hören, dass Kinder sich aussuchen, in welches Lernbüro sie gehen – und ziehen daraus den falschen Schluss, die Kinder machen, was sie wollen, und lernen nicht genug“, schildert Elternvertreterin Ulrike Sowa, was ihr an Unsicherheiten zu Ohren kommt. Ihre Erfahrung ist eine andere: „Es lernen alle Kinder alles, nur zu unterschiedlichen Zeiten und mit unterschiedlichem Tempo.“

Dass sie als Eltern darüber wenig Kontrolle hätten, mache manchen Angst. Das bestätigt Heike Dahlweg, ebenfalls Elternvertreterin. Sie sieht das Problem im fehlenden Vertrauen von Eltern zu ihren Kindern: „Das Lernenwollen der Kinder wird nicht als natürlich angesehen.“ Was Eltern, die in herkömmlichen Denkmustern mit festen Stundenplänen und Notendruck verhaftet sind, am Lernerfolg zweifeln lässt, sobald er in die Verantwortung der Kinder gelegt wird.

Dass es für sie Motivation ist, selbstständig ein Pensum abzuarbeiten, die Verantwortung für ihre eigene Lernentwicklung zu übernehmen und dabei zu begreifen, dass sie für sich lernen, erzählen Swante (13), Max (14), Maja (12), Jule (12) und Alissa (12). Jede Woche besprechen sie mit dem jeweiligen Tutor, einer Klassenlehrkraft, wie oft sie in welchem Lernbüro gearbeitet haben und welche Ziele sie sich für die neue Woche stecken. Die Schüler schätzen sich selbst ein und kriegen dazu eine Rückmeldung vom Lehrer. „Das hilft einem als Ansporn für die nächste Woche“, sagt Swante.

Nicht erreichten selbstgesteckten Zielen folgt die Frage nach dem Warum. Schließlich kann nur, wem’s gut geht, auch gut lernen. Wer allerdings zu lange nicht mitarbeitet, „kriegt als Mahnung die Schneckenkarte auf den Tisch“, erzählt Maja. Bleibt der Schlendrian, folgt ein Eintrag ins Lerntagebuch. Bei drei Einträgen „muss man samstags für zwei Stunden zum Nachholen kommen“.

„Dass ein Kind lernen kann, wie es möchte – nicht zu verwechseln mit tun und lassen, was es will! –, wenn eine Schule das ermöglicht, ist es das beste für das Kind und seine Entwicklung“, ist Schulleiter Ries überzeugt. Das bestätige die wissenschaftliche Lernforschung – und der eigene Erfolg: „Zwei Drittel unseres ersten Jahrgangs arbeiten auf erhöhtem Anforderungsniveau“, obwohl längst nicht so viele vor drei Jahren mit einer Gymnasialempfehlung an die IGS kamen. „Wir“, so Ries, „bringen Kinder in die Verantwortung und zum selbstständigen, kooperativen Arbeiten.“ Das stärke die Persönlichkeit jedes Einzelnen; das sei fürs (Arbeits-)Leben wertvoll und gefragt.

Die individuelle Sicht auf jedes einzelne Kind und seine Entwicklung schätzen auch die Elternvertreterinnen an der IGS. Heike Dahlweg und Ulrike Sowa haben ältere Kinder an Gymnasien und somit Vergleichsmöglichkeiten. „Das größte Geschenk, das die IGS uns macht“, so Sowa, „ist, dass wir wieder Eltern sein dürfen – nicht Verfolger, die ihre Kinder bei den Schularbeiten triezen müssen.“

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