„Wir haben viel Zuspruch bekommen“

Testsperrung für Elterntaxis in Sagehorn vorbei: Experiment geglückt

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Letzte Schicht: Am Freitagnachmittag endete die zweiwöchige testweise Sperrung der Pestalozzistraße für Elterntaxis. Mario Sonntag (li.) und Andreas Reineke vom Oytener Bauhof, die die Zufahrt aus Richtung Lindenstraße abriegelten, finden den Probelauf gelungen. Sie haben wachsende Scharen fröhlich radelnder Schüler beobachtet und Kinder, die die Schule grüppchenweise zu Fuß ansteuerten und unterwegs schon Pokemon-Karten tauschten.

Begleitet von allerhand Medieninteresse hat die Gemeinde Oyten am Montag ihre probeweise Sperrung der Pestalozzistraße für sogenannte Elterntaxis gestartet. Die Auswirkungen waren weitreichend. Nach dem Test zieht die Gemeinde ein positives Fazit.

Update, 24. Januar: Florian Steinau ist jetzt bundesweit berühmt. Der Mitarbeiter des Oytener Bauhofs, der an der Grundschule Sagehorn die Pestalozzistraße gegen Elterntaxis abriegelte, wanderte als Fotomotiv durch die deutsche Zeitungslandschaft. Für Bürgermeisterin Sandra Röse ballten sich derweil Interview-Anfragen verschiedener Fernsehsender: Mit der testweisen Sperrung der Straße vor IGS, Grundschule und Kita Pestalozzistraße für Elterntaxis hat die Gemeinde für Schlagzeilen gesorgt. Am Freitagnachmittag ging der zweiwöchige Probelauf zu Ende. Experiment geglückt, weil wichtige Erkenntnisse für eine dauerhafte Lösung gewonnen – so lässt sich die Testsperrung nach Einschätzung der Führungsetage im Rathaus zusammenfassen.

Weniger Verkehr auf der Pestalozzistraße

Die mediale Aufmerksamkeit habe sie total überrascht, aber auch den Stellenwert der Elterntaxi-Problematik und den Handlungsbedarf betont, sagt Röse. Wobei Oyten natürlich nicht bundesweiten Modellcharakter anstrebe, sondern eine verträgliche ortsspezifische Lösung. Deren erklärtes Ziel ist weniger Verkehr auf der Pestalozzistraße und damit mehr Sicherheit für die 1130 Kinder und Jugendlichen, die in dem Bereich Schule oder Kita besuchen.

Die „sehr neue Herangehensweise“ an ein Verkehrsproblem in Form einer Testphase unter Beteiligung der Betroffenen „war und ist sinnvoll“, erklärt die Bürgermeisterin. Wichtig sei gewesen, „einen Prozess bei den Eltern in Gang zu setzen“ – mit dem Ziel, dass ihre Kinder generell mit Bus, Rad oder zu Fuß zur Schule kommen. Dass durch minimierten Verkehr die Pestalozzistraße ein sicherer Bereich wird, hat nach den Eindrücken der zwei Wochen „geklappt“, bestätigt Vize-Verwaltungschef Axel Junge. Mitarbeiterinnen aus Rathaus und Schule hätten viel mehr radelnde Kinder beobachtet als sonst und deutlich mehr Entspannung für zu Fuß gehende Kinder, die die Straße für sich erobert hätten.

Testsperrung: „Das ganz große Chaos ausgeblieben“

An den Zufahrtsstraßen sei „das ganz große Chaos ausgeblieben“. An der Stader Straße habe sich das Szenario, dass weiter mit dem Auto gebrachte Kinder auf dem Parkplatz am Sportzentrum herausgelassen werden und die letzten Schritte zu Fuß gehen, gut eingespielt. „Nur eine Handvoll Eltern ist am Ende noch so dicht wie möglich an die Schule rangefahren“, berichtet Junge. „Turbulent“, so Röse, sei es aber an der Lindenstraße zugegangen. Hier hielten viele Elterntaxis so nahe wie möglich an der gesperrten Pestalozzistraße. Frühmorgendliches Schlagen von Autotüren und abenteuerliche Wendemanöver über Bürgersteige und private Auffahrten – Belästigungen, zu denen die Anwohner der Lindenstraße noch gehört werden sollen, kündigt Röse an.

Eltern fallen wohl in alte Muster zurück

„Wir haben viel Zuspruch bekommen – natürlich nicht von allen Eltern – und auch schon sehr konstruktive Anregungen“, so die Bürgermeisterin. Kurz gesagt: „Es geht.“ Aber wie geht's jetzt weiter? Ab Montag ist die Sperrung wieder aufgehoben, und im Rathaus machen sich die Verantwortlichen keine Illusionen darüber, dass Eltern, die ihre Kinder partout mit dem Auto bis vor die Schultür fahren wollen, in alte Verhaltensmuster zurückfallen. Wie viele genau, sollen die weiter laufenden Verkehrszählungen zeigen.

Für eine dauerhafte Lösung des Verkehrsproblems werden jetzt die Testerfahrungen aller Beteiligten und die Verkehrszählungen der beauftragten Planer zusammengetragen und ausgewertet. „Wir gehen da ergebnisoffen ran“, sagt Röse, „die Verkehrsplaner sollen mindestens zwei Vorschläge liefern. Und dann ist der Ball bei der Politik.“ Die muss am Ende über bauliche Maßnahmen – wie möglicherweise elektronische Schranken – auf der Pestalozzistraße entscheiden.

Sagehorn: Lösung soll bis Sommer umgesetzt werden

„Nichts tun geht jedenfalls nicht mehr“, sagt Röse nach dem Test. „Bis Ostern wollen wir wissen, was wir tun werden, und bis zum Sommer wollen wir eine Lösung umsetzen“, ergänzt Axel Junge zum Zeitplan.

Den Eltern will Röse „zeitnah ein Gesprächsangebot machen“; bei Elternabenden sollen Eindrücke und Kritik aufgenommen werden. Von den Schulbusfahrern gab es bereits „Dank über Dank“, so Röse. Sie hätten nach ihren eigenen Worten auf der schmalen Straße ohne Elternautos „die besten beiden Arbeitswochen ever“ gehabt.

Originalmeldung, 13. Januar: Oyten - Punkt 7.15 Uhr schlossen Mitarbeiter des Bauhofs die Absperrgitter an den Einfahrten von der Lindenstraße und der Stader Straße, riegelten so den Bereich vor der Kita Pestalozzistraße, der Integrierten Gesamtschule (IGS) und der Grundschule Sagehorn gegen unerwünschten Autoverkehr ab und ließen für die Stunde rund um den Schul- und Kitabeginn nur Schulbusse und Berechtigte wie etwa Lehrkräfte durch – das Gleiche zu den Abholzeiten von 12 bis 15.30 Uhr.

Elterntaxi-Sperrung laut Gemeinde  „sehr gut gelaufen“

„Sehr gut gelaufen“ ist der erste Test nach Worten von Vize-Verwaltungschef Axel Junge an der Einmündung Lindenstraße: „Es gab überhaupt keine Probleme. Eltern haben ihre Kinder einfach an der Lindenstraße rausgelassen, ohne dass es zu Störungen im Verkehr kam.“

Ganz anders die Lage an der Einmündung der Stader Straße in die Pestalozzistraße im Bereich der Grundschule Sagehorn. Anstatt die Kinder wie empfohlen auf dem Parkplatz am Sportzentrum aussteigen zu lassen oder sie von dort zu Fuß zur Schule zu begleiten, seien Eltern so dicht wie möglich bis an die Schule herangefahren, hätten im absoluten Halteverbot gestanden oder direkt vor den Absperrungen gewendet, so Junge. Das habe zu einigen chaotischen und gefährlichen Situationen geführt: „Unsere Mitarbeiter haben nur mit dem Kopf geschüttelt.“

Elterntaxi-Sperrung löst in Oyten nicht nur Verständnis aus

Neben den fürs Absperren zuständigen Kollegen vom Bauhof beobachteten und begleiteten sieben Mitarbeiter aus der Gemeindeverwaltung die Startphase der Sperrung und suchten das Gespräch mit unwissenden oder uneinsichtigen Eltern. Das mit gemischtem Erfolg: „Eventuell müssen wir an der Stader Straße nochmal nachsteuern“, kündigt Junge an.

Die probeweise Sperrung der Pestalozzistraße für Elterntaxis läuft. Nur Busse und andere Berechtigte lassen Florian Steinau und seine Kollegen vom Bauhof zu den Stoßzeiten noch passieren. Das führte hier an der Zufahrt von der Stader Straße zu einigen chaotischen Szenen.

Nicht bei allen Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen und wieder abholen, möglichst direkt vor der Tür, stieß die Sperrung auf Verständnis. Dabei soll sie allein der Sicherheit ihrer Kinder dienen: Erklärtes Ziel ist die Entschärfung des Verkehrschaos’ zu Stoßzeiten, wenn sich radelnde oder zu Fuß gehende Kinder und Jugendliche, Schulbusse und eben ungezählte Elterntaxis auf engstem Raum begegnen und die unübersichtliche Lage zu gefährlichen Situationen führt. Um zum Schutz der 1130 Kita- und Schulkinder in dem Bereich den Verkehr auf der Pestalozzistraße zu minimieren, testet die Gemeinde für zwei Wochen den Ausschluss der Elterntaxis. Die Auswirkungen werden dokumentiert und bewertet. Bewährt sich das Modell, könnte es zur Dauerlösung werden.

Oyten: Kinder und Jugendlichen erobern Straße für sich

Für Vize-Verwaltungschef Junge war gleich am ersten Morgen „zu spüren, wie die Kinder und Jugendlichen den Straßenraum für sich erobern – das war alles sehr entspannt“. Und „wenn wir auch den Bereich an der Stader Straße in den Griff kriegen, sind wir auf einem guten Weg“, ist Junge überzeugt.

Die probeweise Sperrung der Pestalozzistraße für Elterntaxis zu Stoßzeiten an Schultagen läuft bis einschließlich 24. Januar jeweils von 7.15 bis 8.15 Uhr und von 12 bis 15.30 Uhr. Für Vorschläge, Fragen und Kritik aller Beteiligten hat die Gemeinde im Rathaus eine E-Mail-Adresse eingerichtet: pestalozzistrasse@oyten.de

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